Der Wasserstand der Flüsse ist gerade ziemlich niedrig und es kommen Kiesbänke zum Vorschein. Für den Flussregenpfeifer ist die Lage ideal, denn er konnte auf diesen Kiesbänken Nistmöglichkeiten finden. Zwei Brutpaare haben sich jetzt in einem Naturschutzgebiet an der Amper im Landkreis Fürstenfeldbruck niedergelassen.
Es sind die ersten seit ziemlich langer Zeit. „Sie sind eine Seltenheit“, sagt Wolfgang Kuhn, der im Auftrag der Landschaftspflegeverbände Fürstenfeldbruck und Dachau als Gebietsbetreuer für das Ampertal tätig ist. Früher sei es ganz normal gewesen, brütende Flussregenpfeifer an der Amper oder der Isar zu finden, erzählt Kuhn. Der bevorzugte Lebensraum des Vogels sind vegetationsfreie Kiesufer und Schotterinseln an naturnahen Flussabschnitten. Doch solche Lebensräume verschwinden, durch Eingriffe wie Begradigungen oder Entwässerungen von Auwäldern, durch Energienutzung und zunehmenden Freizeitdruck. Die Flussregenpfeifer suchen sich Ausweichbiotope, zum Beispiel in Kiesgruben. Die Bestände des schön anzusehenden Vogels sind regional rückläufig, er steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Brutvogelarten.
Der Flussregenpfeifer ist ein Watvogel, sein Gefieder ist an der Oberseite sandbraun und an der Unterseite weiß. Auffällig sind ein schwarzer Ring im Halsbereich und ein leuchtend gelber Augenring. Er legt seine zumeist vier Eier einfach in eine flache Bodenmulde zwischen die Kieselsteine. Eier und Steine sind dann kaum zu unterscheiden, was eine gute Tarnung darstellt. Ausgepolstert wie in Nestern anderer Vogelarten wird nichts. Zwei Pärchen legten jetzt ihre Eier auf einer längeren Kiesbank im Naturschutzgebiet Amperauen zwischen Schöngeising und Fürstenfeldbruck ab. Bei einem Gelege wurde bereits mindestens ein Jungvogel gesichtet, auch die Jungvögel sind farblich gut an die Kieslandschaft angepasst.
An der betroffenen Stelle wurden zum Schutz der Vögel Hinweisschilder angebracht. Genauere Details über die Lage möchte Kuhn nicht nennen – aus Sorge davor, Neugierige anzulocken. Denn den Gelegen sollten möglichst keine Badegäste, keine Spaziergänger und auch keine Hunde nahekommen. Der Flussregenpfeifer, ein Zugvogel, der in Afrika überwintert, ist extrem störungsempfindlich und schon kurze Beeinträchtigungen können dazu führen, dass er sein Nest verlässt, etwa wenn sich Badegäste oder Bootsfahrer nähern. Wegen der Tarnung der Gelege besteht Kuhn zufolge außerdem die Gefahr, dass diese unbedacht zertreten werden könnten. Der Vogel „ist dringend auf unseren Schutz angewiesen, wenn wir ihn nicht aus unserer Heimat verlieren wollen“, sagt Kuhn.

Deshalb sei es enorm wichtig, dass in der allgemeinen Vogelbrutzeit von 1. März bis 15. Juli das für alle Wasserfahrzeuge in den beiden Naturschutzgebieten Amperauen mit Leitenwäldern und Ampermoos geltende Fahrverbot eingehalten werde, sagt Kuhn. Auch sollte man die Kiesbänke in dieser Zeit nicht betreten oder in deren Nähe schwimmen. Und Hunde sollten grundsätzlich an der Leine geführt werden. Vom Schutz für den Flussregenpfeifer könnten dann auch andere störungsempfindliche Arten wie etwa der Eisvogel profitieren.

