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Flüchtlingsunterbringung:Kundgebung für Brüderpaar

Die Weigerung zweier Syrer, von Germering nach Halberstadt umzuziehen, findet zwar vor Ort nur eine Handvoll Unterstützer, im Internet sind aber bereits 1200 Unterschriften zusammen gekommen

Von Andreas Ostermeier, Germering

Etwa 1200 Internet-Nutzer unterstützen den Wunsch der beiden im Germeringer Don-Bosco-Heim untergebrachten Brüder aus Syrien, nicht nach Halberstadt in Sachsen-Anhalt umziehen zu müssen. Vor dem als Unterkunft genutzten Teil des Altenheims versammelten sich am Montagvormittag allerdings nur eine Handvoll Demonstranten, um Muhammad und Ameen Muhamad-Nasir den Rücken zu stärken. Der 30 Jahre alte Muhammad Muhamad-Nasir begründete seinen Wunsch damit, dass er in Germering Freunde gefunden habe und hier Deutsch lernen wolle. Die Germeringerin Uli Baab, die den Flüchtlingen Deutschunterricht gibt, sagte, die beiden Syrer bemühten sich nicht nur um das Erlernen der Sprache, sondern dolmetschten auch für viele andere Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung. Deshalb unterstützt Baab das Brüderpaar auch in dem Wunsch, bleiben zu dürfen. In dem für die Flüchtlinge vorgesehenen Teil des Altenheims gebe es noch genug Platz, niemand müsse gehen, sagte Baab und forderte: "Wir sollten das Haus füllen."

Doch dass der Wunsch der beiden Syrer in Erfüllung geht, ist kaum zu erwarten. Nach Auskunft von Florian Schlämmer, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, bedeutet die Aufforderung, nach Halberstadt umzuziehen, dass ihr Asylverfahren dort bearbeitet wird. Kommen sie der Aufforderung der Behörden nicht nach, dann "blockieren sie ihr eigenes Asylverfahren", sagte Schlämmer. Denn das wird in Bayern nicht bearbeitet. Grund dafür ist nach Schlämmers Worten, dass in Bayern und speziell in München viel mehr Flüchtlinge ankommen als nach Vereinbarung der Bundesländer Asylverfahren bearbeitet werden müssen. Der Freistaat schickt deshalb Asylbewerber in andere Bundesländer weiter. Im Raum München betrifft diese Praxis, im Behördendeutsch "Weiterleitung" genannt, laut Schlämmer fast jeden zweiten Flüchtling. Eine Ausnahme könne nur gemacht werden, wenn Gründe wie eine schwere Erkrankung vorlägen, sagte der Sprecher der Regierung von Oberbayern, die zuständig ist für die Unterkunft im Don-Bosco-Altenheim in Germering.

Vor dem Don-Bosco-Altenheim in Germering erklären Muhammad und Ameen Muhamad-Nasir (zweiter und vierter von links), weshalb sie hier bleiben möchten.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Während der kleinen Kundgebung für die beiden Syrer vor dem Altenheim fanden sich dort mehrere Bewohner des Flüchtlingsheims ein und erzählten, wie viele Unterkünfte sie bereits durchlaufen haben. Auch klagten sie über die Trennung der Familien, so sind beispielsweise Vater, Sohn und Tochter einer irakischen Familie getrennt von der Mutter und einem zweiten Sohn. Schlämmer sagte, solche Situationen kämen meist dann zustande, wenn die Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten in Deutschland einträfen. Die Mitglieder, die zuerst geflohen sind, leben dann bereits in einer Aufnahme-Einrichtung, in der für die später Geflohenen aber kein Platz mehr ist. Die Behörden seien aber bemüht, die Familien zusammenzubringen, sagte Schlämmer.

Auch Muhammad und Ameen Muhamad-Nasir sind in den vergangenen Wochen und Monaten durch mehrere Aufnahmelager geschleust worden. Zunächst kamen sie in der übervollen Bayernkaserne an. Von dort aus ging es in die Schule am Niederbronner Weg in Fürstenfeldbruck. Seit vier Wochen sind sie nun in Germering untergebracht. Jetzt sollen sie ins etwa 540 Kilometer entfernte Halberstadt fahren. Den Zug dorthin müssten sie ebenso selbst finden wie den Weg zur neuen Unterkunft. Vom Amt gibt es nur eine bezahlte Fahrkarte. Die kam jedoch am Montag in Germering nicht an, denn die angekündigten Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern ließen sich nicht blicken. Beim nächsten Besuch werden sie zudem nicht nur für die beiden Syrer Zugtickets dabeihaben, sondern auch für andere Flüchtlinge.

© SZ vom 25.11.2014
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