Flüchtlinge Asylhelfer kritisieren Jugendamt

Spielende Kinder in der Unterkunft am Fliegerhorst: Ihre Rechte würden verletzt, sagen Asylhelfer.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In einem Brief ans fordern sie eine aktive Betreuung von begleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

In einem offenen Brief an Landrat Thomas Karmasin und den Jugendhilfeausschuss kritisiert der "Arbeitskreis kritische soziale Arbeit" den Umgang des Jugendamtes mit begleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Dependance des sogenannten Anker-Zentrums am Fliegerhorst. Nach Meinung des Arbeitskreises habe das Jugendamt die Pflicht, die im Sozialgesetzbuch festgelegten Leistungen "proaktiv" umzusetzen. Im Landratsamt dagegen sieht man das anders. "Jugendhilfe wird geleistet auf Antrag oder von Amts wegen, wenn Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vorliegen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme von Pressesprecherin Ines Roellecke.

Sie betont, dass dies das ganz normale Vorgehen bei allen Kindern im Landkreis sei und eben nicht nur bei den jungen Flüchtlingen in der Dependance. "Wenn das Jugendamt nicht tätig wird, dann liegen ihm keine Anhaltspunkte auf eine Kindeswohlgefährdung vor", erklärt Rollecke auf Nachfrage.

Der offene Brief, der auch vom bayerischen Flüchtlingsrat und dem Münchner Flüchtlingsrat unterzeichnet ist, kommt zu einer anderen Einschätzung der Situation. Es reiche nicht abzuwarten, ob aus der Dependance her Hinweise auf einen möglichen Jugendhilfebedarf oder eine möglichen Kindeswohlgefährdung an das Jugendamt gelangen. "Das Jugendamt ist nach dem SGB VIII eindeutig aufgefordert, von sich aus tätig zu werden. Dass die Lebensumstände der in der sogenannten Anker-Dependance lebenden Menschen prekär und desaströs sind, dürfte Ihnen hinreichend bekannt sein", heißt es in dem Schreiben.

Dem offenen Brief vorausgegangen waren zwei schriftliche Anfragen des Arbeitskreises an das Brucker Jugendamt sowie die Bitte nach einem persönlichen Gespräch. Anfang Februar habe man eine Antwort von Dietmar König, dem zuständigen Amtsleiter, bekommen. In dieser lehnt er ein persönliches Gespräch ab, geht aber schriftlich auf die Fragen ein. Allerdings, bemängelt der Arbeitskreis, mit recht allgemeinen Schilderungen und ohne konkrete Hinweise darauf, ob das Jugendamt proaktiv Leistungen anbietet. So heißt es in Königs Schreiben auch, dass es sich um eine Einrichtung der Regierung von Oberbayern handle und diese für die Ausgestaltung der Betreuung aller untergebrachten Personen sowohl zuständig als auch verantwortlich sei. Außerdem sei die Beratung der Geflüchteten im Landkreis weitgehend auf die Kreisgeschäftsstelle der Caritas übertragen worden.

Der Arbeitskreis ist dagegen der Meinung, dass nicht die Regierung von Oberbayern verantwortlich ist, sondern der Landkreis. Ebenso heißt es, dass die Asylsozialberatung nicht der Kinder und Jugendhilfe zuzuordnen sei, sondern der Beratung erwachsener Flüchtlinge.

Und so stellt der Arbeitskreis ans Ende seines Briefes ein klares Plädoyer: "Wir fordern deshalb den Jugendhilfeausschuss dazu auf, sich der Rechte der Kinder und Jugendlichen in der sog. Anker-Dependance und anderen Sammelunterkünften anzunehmen und für eine bedarfsgerechte und rechtskonforme Umsetzung der Jugendhilfemaßnahmen zu sorgen". Im Landratsamt sieht man bereits jetzt alle gesetzlichen Aufgaben erfüllt und deshalb keinen Handlungsbedarf.