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Finanzielle Not :Angst vor zweitem Lockdown

"Mein Olching" ist der Name des Stadtmarketing-Vereins, dem die 23 Jahre alte Nadine Klinder vorsteht.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Betriebe und Vereine in Olching machen sich große Sorgen. Sollte es in der Corona-Krise erneut zu massiven Einschränkungen kommen, schließt jedes fünfte Unternehmen eine Insolvenz nicht mehr aus

Von Erich C. Setzwein, Olching

Einen möglichen zweiten Lockdown wegen Corona würde fast ein Fünftel des Olchinger Gewerbes und der Vereine finanziell nicht überstehen. Das hat eine Umfrage des Stadtmarketings Olching bei Betrieben aus den Bereichen Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen sowie Gastronomie und Vereinen ergeben. Auch in anderen Städten im Landkreis ist die Sorge im Mittelstand groß, dass ein erneuter Stillstand schwerwiegende wirtschaftliche Auswirken haben könnte.

Wären nicht überall Menschen mit Alltagsmasken zu sehen, könnte man meinen, in der Olchinger Hauptstraße wäre alle völlig normal. Doch weder die Kunden noch die Ladenbesitzer haben zu einer Normalität zurückgefunden, wie es sie in den ersten beiden Monaten dieses Jahres noch gegeben hat. Die Folgen der wochenlangen Beschränkungen seien immer noch zu spüren, sagt Nadine Klinder, hauptamtliche Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing Olching. Beim Stadtmarketing liefen von März bis Juni nicht nur alle Fäden zusammen. Im Juli und August wurden dann Mitglieder und Nichtmitglieder des Vereins für eine kleine Studie befragt. Während lediglich 23 Prozent der Befragten von positiven Effekten der Corona-Pandemie auf ihren Betrieb berichteten, äußerten 54 Prozent ihre Sorgen und sahen eher negative Folgen voraus. In Einzelhandel und Gastronomie aber geht die Angst um, während oder nach einem zweiten Lockdown insolvent zu werden. Nadine Klinder hat auch dafür Zahlen parat: Bei der Antwort: "Ich müsste Kredite oder ähnliches aufnehmen", stechen die Dienstleister und der Einzelhandel mit jeweils einem Drittel sehr deutlich hervor.

So konkrete Umfrageergebnisse liegen dem Brucker Gewerbeverband und dem Wirtschaftsverband Germering zwar nicht vor, aber die Stimmung unter den Mitgliedern ist alles andere als euphorisch. Dabei haben sowohl das Stadtmarketing in Olching wie auch zum Beispiel der Germeringer Wirtschaftsverband während der ersten Phase der Corona-Krise intensiv versucht mitzuhelfen, dass die unmittelbaren Folgen nicht so gravierend ausfallen. Katrin Schmidt, Vorsitzende in Germering, berichtet von der digitalen Plattform, auf der die Betriebe und der Einzelhandel präsentiert worden seien und die man auch den Vereinen geöffnet habe. Die Dienstleister kämen noch hinzu und auch das Germeringer Branchenbuch werde dort seinen neuen Platz finden. Alles Anstrengungen, um das Augenmerk der Kunden auf lokale Angebote und Lösungen zu lenken. Dass die Maßnahmen alle greifen, das hofft Katrin Schmidt zumindest für die kommenden Monate. "Es ist alles völlig unwägbar."

Auch in Olching hat eine Bündelung der Angebote unter dem Motto "Olchinger für Olchinger" in der Lockdown-Zeit Nachfrage ausgelöst. Gerade der Einzelhandel sei sehr kreativ geworden und habe Aktionen initiiert, um die Kunden direkt zu erreichen. Waren seien an die Haustüre geliefert worden, zum Beispiel Kleidung zum Anprobieren. Geschäfte hätten zum ersten Mal einen Onlinehandel aufgebaut, sagt Klinder. Katrin Schmidt kann aus der Erfahrung als Buchhändlerin berichten, wie sie Online-Bestellungen persönlich ausgeliefert hat. "Da schwindet die Marge ganz schnell."

Immerhin drei Viertel der befragten Unternehmen in Olching würden die gleichen Maßnahmen treffen wie beim ersten Lockdown, käme es wieder zu starken Einschränkungen. Allerdings bräuchten die wenigsten jetzt noch Hilfe von außen dafür, zum Beispiel mehr Informationen. Dieses Ergebnis der Studie zeigt deutlich, wie sich die Firmen schon auf die veränderten Bedingungen eingestellt haben.

Mehr Augenmerk auf die wirtschaftliche Situation des Mittelstandes hätten auch die Parteien entdeckt, sagt Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Gewerbeverbandes in Fürstenfeldbruck. "Vieles geht aber ins Leere", kritisiert er Initiativen. So helfe es gerade kleineren Betrieben nicht, wenn 500 oder 1000 Euro als Hilfe vorgeschlagen werde. "Die Betriebe brauchen das Verständnis der Vermieter und der Lieferanten, und vor allem brauchen sie die Kunden.

© SZ vom 17.09.2020

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