Fürstenfeldbruck:Immer am Zug

Fürstenfeldbruck: Michael Ebert (rechts) am Nachbau eines Puch-Motortriebwagens (hinten: sein Vater Heinz Dietmar).

Michael Ebert (rechts) am Nachbau eines Puch-Motortriebwagens (hinten: sein Vater Heinz Dietmar).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Von Anja Kolnsberg, Fürstenfeldbruck

Heinz Dietmar Ebert hat sein Leben der Eisenbahn gewidmet - das 1983 erbaute Feldbahnmuseum in Fürstenfeldbruck bezeichnet er als sein Lebenswerk. Die Faszination für Züge wurzelt in Eberts Kindheit in der DDR: Züge waren für ihn seit jeher mit der Sehnsucht nach Freiheit verbunden. "Ich wollte mich damals immer in die Bahn setzen und abhauen", erzählt er. Als er in Fürstenfeldbruck auf das heutige Museumsgrundstück stieß, war hier alles verwahrlost. Der Verein hat über beinahe vierzig Jahre mühevoll alles Instand gesetzt, dabei wurde die Arbeit von Malern, Holzarbeitern, Schweißern, Elektrikern und Schreinern benötigt. Der ehemalige Besitzer war froh, das "Gerümpel" loszuwerden, die alten Teile konnten für einen Schrottpreis erstanden werden. Heute steht hier das einzige direkt neben einem Bahnhof gelegene Bahnmuseum, auch als einzig technisches Museum in der Gegend.

Fürstenfeldbruck: Die rote Deutz-Lok erhält von der grünen Gmeinder nach zweijähriger Standzeit Starthilfe.

Die rote Deutz-Lok erhält von der grünen Gmeinder nach zweijähriger Standzeit Starthilfe.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zu den Aufgabenbereichen des Vereins zählt die Instandhaltung von 85 Wagen und besonders dem Herzstück des Museums: der ältesten betriebsfähigen diesel-elektrischen Feldbahn-Lokomotive der Welt aus dem Jahr 1925. Bis 2007 wurde die Lokomotive mit Originalteilen von Grund auf aufgearbeitet und lockt heute Spezialisten aus aller Welt an - Gäste aus Moskau, Israel, Skandinavien und Mitteleuropa waren bereits hier. Auch die Vereinsmitglieder unternehmen regelmäßig gemeinsame Fahrten: In Ungarn, Polen und Rumänien waren sie schon zu Besuch bei weit entfernten Waldbahnen, besonders bei einer Reise in die Karpaten hätten sie wertvolles technisches Wissen von den Leuten dort erlernt, erzählt er. Für seinen Forschungsdrang war Ebert schon auf manch abenteuerlichen Reisen: Bei einer Visite in Königsberg - dem heutigen russischen Kaliningrad - gelang es ihm als erster westdeutscher Besucher, Fotos in einem sowjetischen Ausbesserungswerk für Lokomotiven zu schießen. Beruhend auf seinen jahrelangen Recherchen veröffentlicht er auch Fachartikel und Archivbücher, um zum Erhalt und Dokumentation der Eisenbahngeschichte beizutragen.

Fürstenfeldbruck: Auf schmaler Spur: Besucher und Mitglieder im Feld- und Waldbahnmuseum.

Auf schmaler Spur: Besucher und Mitglieder im Feld- und Waldbahnmuseum.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Deutschland gibt es heute nur noch wenige Feldbahnen, die vorwiegend zur Zeit des ersten Weltkriegs zum Transport von land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen wie Lehm, Torf, Gestein und Sand genutzt und schließlich durch modernere Technologien ersetzt wurden. Im Feldbahnmuseum setzen sich die Vereinsmitglieder und eine Nachwuchsgruppe, bestehend aus allen Altersgruppen von zwölf bis 79 Jahren, für den Erhalt "dieses Stücks Geschichte" ein, wie Ebert sagt. Auch junge Menschen, die sich gerade in Ausbildungen der Bereiche Installation und Technik befinden, engagieren sich an den Wochenenden im Museum und können hier ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen.

Heinz Dietmar Ebert, heute Zweiter Vorsitzender des Vereins, hat die Leitung bereits an seinen Sohn und Nachfolger Michael Ebert abgetreten, der die Leidenschaft für Eisenbahnen von seinem Vater geerbt hat. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist er im Verein engagiert und hat seinen Vater seitdem auf alle Reisen begleitet hat. Wie Heinz Dietmar Ebert erzählt, macht die Familie auch seit beinahe vierzig Jahren regelmäßig in der Nähe einer alten Schmalspurbahn im österreichischen Keutschach Urlaub. "Ein bisschen verrückt muss man schon sein", sagt er augenzwinkernd. Auch würde er sich selbst nicht gerade als "treudeutsch" bezeichnen.

Das Museum finanziert die beständig schwarzen Zahlen selbständig und ohne Zuschüsse - was ihm ganz recht ist, denn so kann er sein Reich ganz ohne Vorgaben und Einflüssen von außen gestalten. Die Stadt Fürstenfeldbruck war ihm immer sehr wichtig, und er wolle Stadt und Landkreis etwas Unvergleichbares hinterlassen, so Ebert. Für sein unermüdliches Engagement hat er von Horst Seehofer das "Ehrenzeichen für ehrenamtliche Frauen und Männer" für seinen Verdienst am Staat Bayern bekommen. Dass er seine Leidenschaft an Sohn und Enkel weitergeben konnte, freut ihn besonders - die enge familiäre Zusammenarbeit ist es letztendlich, was den Erfolg dieses kleinen "Familienbetriebs" ausmacht. Weitere Infos auch zu speziellen Fahrtagen unter https://mec-ffb.de

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