Fehlende Plätze Auf der Warteliste

Maisach kann nicht alle Kinder in Krippen unterbringen

Von Karl-Wilhelm Götte, Maisach

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) hatte schon vor Beginn der Gemeinderatssitzung zwei Ehepaare hinten im Zuschauerraum wahrgenommen. Maisachs Rathauschef ging auf das Quartett zu und fragte, wofür sich die Besucher interessieren würden. "Top acht - Anmeldung Kindertagesstätten", antwortete eine der Frauen. Als der Punkt nach einer knappen Stunde aufgerufen wurde, bewahrheiteten sich die Befürchtungen der Ehepaare: Sie haben für ihre Kleinkinder noch keine Zusage für einen Krippenplatz im kommenden Herbst bekommen.

Verwaltungsleiter Peter Eberlein hatte zuvor über die Anmeldesituation berichtet, dass mit 492 Kindergartenkindern der Bedarf zu hundert Prozent gedeckt sein wird. 44 Krippenkinder stünden aber für das neue Krippenjahr Anfang September auf einer Warteliste. 16 Kinder seien zu Beginn des kommenden Krippenjahres noch kein Jahr alt, so dass sie keinen Anspruch auf einen Platz hätten. Da rutschten die betroffenen vier Besucher etwas unruhig auf ihren Plätzen hin und her. Vater Florian Schnarr meldete sich und bat ums Wort. Seidl gestattete das. "Wir sind schockiert", sagte der Wirtschaftsingenieur aus Maisach und erläuterte die Verabredungen mit den Arbeitgebern, nach denen sie alle zu bestimmten Terminen wieder zur Arbeit erscheinen müssten. So gehe es auch drei weiteren Ehepaaren. Seidl sagte, die Gemeinde konzentriere sich auf den Rechtsanspruch der Eltern, der für die Kinder unter einem Jahr nicht gelte.

188 Krippenplätze stellt Maisach im September insgesamt zur Verfügung. 24 davon müssen noch in zwei Gruppen in Containern in der Lusstraße geschaffen werden. Die Gemeinde hofft auf die übliche Fluktuation, so dass abzüglich der 16 Babys unter einem Jahr alle Krippenkinder untergebracht werden könnten.

Die Bedarfsquote ist auf 60 Prozent hoch geschnellt. Mittelfristig rechnet die Gemeinde sogar damit, dass 85 Prozent aller Kleinkinder einen Krippenplatz benötigen werden. Seidl bekräftigte dann auch, dass die Kommune die dafür notwendige Grundstückssicherung in Maisach und im Ortsteil Malching betreibe. Das Kinderhaus mit Hort in Gernlinden soll in zwei Jahren stehen. Seidl und die Kindergartenreferentin Gabriele Rappenglitz wiesen auf das zusätzliche Problem des Personalmangels hin. Trotz guter Bezahlung mit Arbeitsmarkt- und Ballungsraumzulage sowie eines gemeindlichen Wohnungsangebotes sei die Anwerbung von Erzieherinnen sehr schwierig.

Das stellte die anwesenden Eltern, die alle seit mehreren Jahren in Maisach wohnen oder dort sogar aufgewachsen sind, nicht zufrieden. Auf die Frage nach Plan B, zum Beispiel die Betreuung ihrer Kinder durch Tagesmütter, bekam Florian Schnarr vom Gemeinderat keine Antwort. "Unser Kind ist sieben Monate alt, unser Rechtsanspruch beginnt also im November", sagte er im Gespräch mit der SZ und stellte klar, dass er und die anderen Eltern spätestens, wenn die Kinder ein Jahr alt werden, wieder bei der Gemeinde vorstellig werden.