Fahrplanwechsel Nebelkerzen von der CSU

Nach dem Fahrplanwechsel sind werden die Pendler schlechter gestellt sein als vorher. Nun spricht sich Reinhold Bocklet für einen Bahnsteigumbau aus

Von Peter Bierl

Die Staatsregierung, die Bahn AG und die CSU-Mehrheit im Landtag haben im Juni den Vorschlag des Landrates, zusätzliche Express-S-Bahnen im Berufsverkehr einzusetzen, endgültig abgelehnt. Manche trösteten sich damit, dass mit dem Fahrplanwechsel wenigstens zwei neue S-Bahnen am Nachmittag eingesetzt werden. Denn so läuft es ja oft bei Auseinandersetzungen, hinter denen rationale Interessen stehen: Man bekommt nicht alles, aber ein bisschen was geht immer.

Pustekuchen. Der neue Fahrplan bringt eine Verschlechterung, weil die zwei Regionalzüge, die bisher im Berufsverkehr in Bruck hielten, im Grunde ersatzlos entfallen. Als Argument muss herhalten, dass die Pendler dafür neue Doppelstockwagen an sich vorbeifahren sehen. Die Anlage eines weiteren Bahnsteigs wird von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) verworfen. Dafür will man kein Geld ausgeben.

Nun hat sich Reinhold Bocklet zu Wort gemeldet. Der CSU-Abgeordnete wirft der BEG vor, die guten Absichten von CSU-Innenminister Joachim Herrmann zu hintertreiben. Wäre dem so, wüsste die eine Hand nicht was die andere tut. Denn die BEG ist quasi die Zug-Abteilung des Ministeriums. Jetzt findet Bocklet, der Ausbau von Bahnsteig 1 in Bruck sei sinnvoll und machbar. Im Juni unterstützte Bocklet noch die Haltung des Ministeriums, das die Express-S-Bahnen auch mit der Begründung ablehnte, die Erhöhung dieses Bahnsteiges um weniger als einen Meter für Expresszüge würde mehrere Jahre für Planung, Genehmigung und Bauzeit erfordern. Die Verkehrsexperten, die das Sprinter-Konzept des Landkreises entwickelten, hätten "fachlich nicht überzeugt", teilte Bocklet damals mit.

Das sind Nebelkerzen. Die Staatsregierung bringt auch unter Herrmann keine Verbesserung auf der S 4 zustande. Im Gegenteil. Der Schweizer Verkehrsexperte Ralf Wiedenmann hat ausgerechnet, dass vor einem Vierteljahrhundert am Morgen zwischen 6.20 und 7.45 Uhr zehn Züge von Bruck nach München fuhren. Heute sind es noch acht.