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Erstes Konzert im Puc nach Corona:Am Ende tanzen alle

PUC Open Air

Mit Musik inspiriert von den Südstaaten Amerikas und französischen Texten unterhalten Zydeco Annie die Besucher auf dem Hügel.

(Foto: Veranstalter)

Zydeco Annie und die Swampcats begeistern das Publikum

Von Lea Schellenberg, Puchheim

Die Sonne verschwindet langsam hinter den Häusern und die letzten Sonnenstrahlen tauchen den Hügel hinter dem Puchheimer Kulturzentrum in ein warmes Licht. Eine Bühne ist am Fuße des PUC-Hügels aufgebaut. Auf der schrägen Fläche auf der Wiese sind mit gelben Schläuchen runde große Plätze markiert. Weiter oben stehen Bierbänke und Biertische. Die Menschen machen es sich in ihren mitgebrachten Sonnenstühlen bequem, liegen auf ihren Picknickdecken oder sitzen am Biertisch mit einem Glas Wein, Weißbier oder einer Saftschorle.

Michael Kaller, der Leiter des Kulturzentrums tritt auf die Bühne und begrüßt das Publikum. An diesem Abend findet nach vier Monaten Pause die erste Kulturveranstaltung im Puc statt. So eine lange Auszeit habe es in der 21-jährigen Geschichte des Hauses noch nie gegeben, sagt Kaller. Er freut sich über das Kommen der Gäste und kündigt den Act des Abends an: Zydeco Annie und die Swamp Cats.

Die Band kommt auf die Bühne. Alle tragen Mundschutzmasken, die sie, an ihrem Platz angekommen, abnehmen. In der Mitte steht Zydeco Annie in ihrer roten Lederjacke und hält ein weißes Akkordeon in der Hand. Auch die Bandmitglieder machen sich spielbereit: Stefan Baldauf am Schlagzeug, Marco Piludu am Bass, Helt Oncale an der Blues Gitarre und Frederick Bergér am Louisiana Rub-Board, das er wie eine Rüstung vor seiner Brust trägt.

Ohne viel Gerede legen sie auch gleich los: Die Musik regt zum Mitmachen an und die Leute klatschen oder wippen im Takt mit. Inspiriert von der musikalischen Kultur der Südstaaten Amerikas spielt die Band Cajun und Zydeco. Neben der schnellen, tanzbaren Musikform sind auch Stücke mit Elementen des Blues und Jazz' im Repertoire von Zydeco Annie und den Swamp Cats. Man merkt: die Musiker sind in ihrem Element. Der Franzose Frederick Begér singt mit leicht rauchiger Stimme zu den Melodien der Band auf Französisch oder Englisch. Er tänzelt auf der Bühne herum und dreht sich um seinen Mikrofonständer. Die Stimmung der Musiker und die der eigen komponierten Lieder tritt nach und nach immer mehr auf das Publikum über.

Angezogen von der energetischen Musik bleiben auch vereinzelt Spaziergänger und Fahrradfahrer am Zaun stehen, der das Gelände von der Straße trennt. Nach einem Song, der an die Bayous in Louisiana erinnert, ist ein Blues an der Reihe. "Salut Madeleine" tönt es aus den Lautsprechern. Zydeco Annie setzt sich ans Keyboard und beweist ihr Können an den Tasten. Danach verausgabt sich Oncale bei einem Gitarrensolo am Fender Telekaster und gibt wieder an Annie zurück, die zur Melodica gewechselt ist. Instrumentenwechsel gibt es während des Konzerts einige. Von der Violine zur E-Gitarre, vom Keyboard zum Melodica und Akkordeon und vom Rub-Board zur Triangel.

Am Ende steht fast das ganze Publikum, tanzt und klatscht mit. Die anfängliche etwas zurückhaltende Atmosphäre ist einer ausgelassenen Stimmung gewichen. Darüber freut sich auch Michael Kaller. "Das Mitmachen der Leute hat mir schon gefehlt", sagt er. Brigitte Wagenpfeil und ihr Mann Günter Wagenpfeil sind auch von der Musik der Band überzeugt. Die Musik komme nicht gekünstelt, sondern authentisch rüber, "wie frisch von der Leber". Und der französische Gesang sei auch mal erfrischend, sagt Brigitte Wagenpfeil. Für die zwei sei es einfach eine "Gute-Laune-Musik".

Die Gruppe stimmt das letzte Lied an und Zydeco Annie bedankt sich im Namen der Band bei den Besuchern und dem Team für den schönen Abend. Nach Bravourrufen kommen die Musiker nochmals auf die Bühne und geben eine Zugabe, bevor das Konzert dann wirklich zu seinem Ende kommt. Die Band habe sich wahnsinnig gefreut, im Puc aufzutreten. Es würde einfach gut tun wieder vor Publikum zu spielen, sagt Zydeco Annie. Und was die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen angehe, sei alles perfekt organisiert gewesen und nicht nur der Band, sondern auch den Zuschauern konnte Sicherheit gegeben werden, sodass der Abend in vollen Zügen zu genießen war.

© SZ vom 16.07.2020

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