GeschichteGegründet von den Rückkehrern des Deutsch-Französischen Kriegs

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Der Vorstand des Allinger Veteranenvereins mit einer historischen Kanone.
Der Vorstand des Allinger Veteranenvereins mit einer historischen Kanone. (Foto: Veteranen- und Soldatenverein Alling)

Der Vertranen- und Soldatenverein Alling feiert sein 150-jähriges Bestehen. Heute beteiligen sich die Mitglieder vor allem an der Gestaltung des Dorflebens.

Von Manfred Amann, Alling

Seine Gründung vor 150 Jahren feiert der Veteranen- und Soldatenverein Alling (VSV) mit örtlichen und befreundeten Vereinen und Gruppierungen am Samstag, 13. Juli. Auf der Fahne, der Zweiten, geweiht im Mai 1920, ist als Gründungsjahr 1869 eingestickt. Diese Jahreszahl bezieht sich jedoch auf eine Vorgängergruppe, die der Überlieferungen zufolge nicht selbständig, sondern den Nachbarvereinen in Andechs-Egling, dann Weßling und zuletzt Puchheim angegliedert war. Eine erste Fahne war bereits zwei Jahre nach der Gründung der selbstständigen Ortsgruppe geweiht worden, die sich Veteranen- und Kriegerverein Alling (VKV) nannte. Allerdings ist die Fahne nicht mehr auffindbar und Fotos gibt es auch keine. Zur Weihe der ersten Fahne ist überliefert, dass beim Festzug Schüler geschmückte Tafeln und Schilde mit den Namen der im Krieg von 1870 von den Deutschen eroberten französischen Festungen trugen. Es ist daher anzunehmen, dass der Deutsch-Französische Krieg und die daraus resultierenden Leiden den Ausschlag dafür gaben, 1874 einen eigenständigen Allinger Verein zu gründen, zumal es auch heißt, vor allem die Rückkehrer aus diesem Krieg hätten sich für die Gründung starkgemacht.

Die zweite Flagge des Vereins nennt das Gründungsjahr 1869, bezieht sich damit wohl aber auch eine Vorgängergruppe.
Die zweite Flagge des Vereins nennt das Gründungsjahr 1869, bezieht sich damit wohl aber auch eine Vorgängergruppe. (Foto: Veteranen- und Soldatenverein Alling)

In Unterlagen tauchen auch Bezeichnungen wie Krieger- und Veteranenverein (KVV) oder Krieger- und Soldatenverein (KSV) auf, Namensänderungen sind jedoch nicht überliefert. Bald nach der Gründung wurde eine „Sterbekasse“ eingeführt, die bei jedem Todesfall eines Mitglieds 50 Pfennig von den Mitgliedern erhob. Der Betrag, manchmal durch Spenden erhöht, wurde den Angehörigen überreicht. Das Vereinsleben der Anfangszeit wird im Protokollbuch als „kameradschaftlich mit Beteiligung an kirchlichen und weltlichen Festivitäten in der Gemeinde und bei befreundeten Nachbarvereinen“ beschrieben, wobei der „Veteranenjahrtag“ mit Gedenken, Requiem, Libera und anschließendem Veteranenball das wichtigste Ereignis gewesen sei. Bei der Gedenkfeier läutete stets die Michaelsglocke, die auch Kriegerglocke genannt wurde.

Eine Tafel gedenkt der Allinger, die von 1939 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Eine Tafel gedenkt der Allinger, die von 1939 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg gefallen. (Foto: Veteranen- und Soldatenverein Alling)

Zum Beginn des Ersten Weltkrieges ist festgehalten, dass die Reservisten aus dem Dorf zu ihren Truppenteilen gerufen und ältere zum Bahnschutz in der Nähe beordert wurden. Aus Alling sind 89 Frontsoldaten, zwölf Heimatsoldaten, 31 Todesopfer, und neun Soldaten in Gefangenschaft registriert. Zur Zeit des Nationalsozialismus ruhte die Vereinstätigkeit. Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 hatte Alling 47 Gefallene zu beklagen. Nach dem Krieg wurden Vereine dieser Art von den Alliierten zunächst nicht zugelassen. Von 1938 bis 1952 liegen daher keine Aufzeichnungen vor. Am 22. November 1953 wurde in der Nachfolge des VKV der Veteranen- und Soldatenverein (VSV) mit 34 Mitgliedern aus der Taufe gehoben. Im Vorraum der Kirche erinnern Tafeln an die Toten, die seit dem Spanischen Erbfolgekrieg (Sendlinger Mordweihnacht 1705) in Kriegen gefallen sind.

Das Allinger Kriegerdenkmal steht vor der Kirche Mariä Geburt.
Das Allinger Kriegerdenkmal steht vor der Kirche Mariä Geburt. (Foto: Veteranen- und Soldatenverein Alling)

Seit 1932 erinnert ein Denkmal an der Außenwand an die Gefallenen, das 1959 mit den Namen der Toten des Zweiten Weltkrieges ergänzt wurde. Dort wird alljährlich am „Jahrtag“, am Volkstrauertag, und zu besonderen Anlässen mit Kranzniederlegungen und Salven aus der 1897 von Xaver Lachermeier gestifteten Salutkanone der Kriegstoten gedacht.

Der VSV mit derzeit knapp 130 Mitgliedern wird von Martin Metz und seinem Stellvertreter und Vorgänger im Amt, Reinhard Furtner, geführt und bringt sich auch in der Gemeinde ein. So ließ der VSV unter anderem das Missionskreuz von 1949 auf dem Friedhof restaurieren, eine Bank oberhalb des Naßl-Hofes am Waldrand aufstellen, erneuerte eigenhändig das ehemalige „Kindergrab“ auf dem Holzkirchener Friedhof und spendet immer wieder an soziale Einrichtungen.

Ebenso bereichert der Verein mit Veranstaltungen wie Grillfesten oder einem Standl auf dem Weihnachtsmarkt das Dorfeben. Seit Juni 1987 besteht mit dem Ortsverband Lannach im Österreichischen Kameradschaftsbund (ÖKB) in der Steiermark eine Vereinspartnerschaft, die vom damaligen Vorsitzenden Jakob Pfannes und seinem Pendant beim ÖKB, Alfred Tacheron, begründet wurde. Auf Initiative der beiden Obmänner ist im Jahre 2000 aus der Vereinspartnerschaft die Gemeindepartnerschaft Alling-Lannach hervorgegangen.

Die Jubiläumsfeier am Samstag, 13. Juli, findet auf dem Gasperhof, Edelfeldweg 10, statt und beginnt um 14 Uhr mit dem Empfang der Vereine. Im Kirchenzug geht es danach zum Gottesdienst.

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