Erste Hilfe Von Sonnenbrand bis Drogenrausch

Schulsanitäter des Gymnasiums Gröbenzell mit Leiterin Elke Hornung (rechts) zeigen beim Aktionstag in Puchheim an Übungspuppen, wie die Herzdruckmassage vorgenommen werden sollte.

(Foto: Günther Reger)

Beim Praxistag des Schulsanitätsdienstes in Puchheim bilden sich junge Menschen aus ganz Bayern in der Ersten Hilfe weiter. Dabei zeigt sich, dass nicht überall der gleiche Wert auf die Aus- und Weiterbildung gelegt wird

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Florian Rößle muss im Organisationsbüro beim Praxistag des Schulsanitätsdienstes (SSD) der fünf bayerischen Hilfsorganisationen gleich mehrere Hände und Ohren haben. Er beantwortet Fragen von Teilnehmern und Kollegen, kümmert sich um Urkunden, und ständig klingelt das Handy. Jetzt nimmt der Bildungsreferent vom Bayerischen Jugendrotkreuz sein Megafon in die Hand und will die Teilnehmer am SSD an der Puchheimer Realschule zu einem gemeinsamen Gruppenfoto bewegen. 265 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern, sind gekommen, um sich in Puchheim einen Tag lang fortzubilden.

Vor der Realschule hat sich die Freiwillige Feuerwehr aus Puchheim-Ort mit einem Einsatzfahrzeug platziert und zeigt ihre Geräte: Äxte, Schläuche in einem Schlauchkorb und Atemschutzgeräte. Gleich daneben hat sich die Station "Patientenablage" ausgebreitet. Drinnen in der Realschule werden auch nach der Mittagspause wieder 90-minütige Workshops angeboten. Insgesamt sind es etwa 30 Stationen, die die Schulsanitäter besuchen können. Sie erfahren etwas über Erste Hilfe und mehr bei Sonnenbrand und Verbrennungen, über Wundmanagement oder über Notfallmaßnahmen bei Allergien. Draußen in der Sonne umringen gerade Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Grünwald die sogenannte Patientenablage.

"Ihr dürft gerne Probe liegen", fordert Anika Piller, 17, von der BRK-Bereitschaft Fürstenfeldbruck/Gröbenzell die Schulsanitäter auf, sich auf eine Trage, die Piller als "Spinne" bezeichnet, zu legen. "Es geht darum, dass der Patient einen Wirbelsäulenschaden erlitten hat und sich nicht mehr bewegen darf", schildert Piller den Probierfall. Die 13-jährige Veronika aus Grünwald sagt spontan: "Ich mache das." Sie legt sich auf den Rücken und wird jetzt mit Klettverschlüssen am ganzen Körper fixiert. Adrian Krebs aus Fürstenfeldbruck, Pillers Bereitschaftskollege an der Station, beginnt oben an der Schulter. Nachdem Veronika bald nichts mehr bewegen kann, wird noch der Kopf mit zwei gelben "Headblocks", zwei Klötzen, fixiert. Adrian Krebs ist 16 Jahre alt und schon seit fünf Jahren im Jugendrotkreuz tätig, seit zwei Jahren ist er Sanitätshelfer beim Roten Kreuz. "Die Ausbildung habe ich damals in den Osterferien gemacht", erzählt Krebs.

So weit sind die vielen Schulsanitäter in Puchheim noch nicht. Kathrin und Laura, beide 14 Jahre alt und von der Mittelschule aus Bad Griesbach, haben gerade den Drogennotfall-Workshop besucht. Die Mädchen haben sich dort prophylaktisch Wissen angeeignet, denn bisher gab es an ihrer Schule noch keinen Drogenfall. Am Nachmittag wollen sie in einem Workshop noch erfahren, was sie im Katastrophenfall an der Schule tun müssen. "Das ist hier alles sehr praxisnah", lobt Ines Wagner die Veranstaltung, "auch der Austausch mit anderen Sanitätern ist sehr sinnvoll." Die verantwortliche Lehrerin für den Schulsanitätsdienst ist mit sieben Schülern der Realschule Zusmarshausen nach Puchheim gekommen. Auch drei Schülerinnen des Brucker Viscardi Gymnasiums haben sich mit anderen "Sanis" ausgetauscht und stehen jetzt vor der Tür des Organisationsbüros. "An anderen Schulen werden beinahe monatlich Fortbildungen abgehalten, bei uns überhaupt nicht", tragen sie Rößle ihre Beschwerde vor und bitten um seine Unterstützung. An ihrer Schule würde das der verantwortliche Lehrer blockieren. Rößle gibt ihnen seine Visitenkarte zur späteren Kontaktaufnahme mit. "Die Sache steht und fällt mit dem Lehrer", weiß Rößle aus langjähriger Erfahrung. Seit 2012 organisiert er den bayerischen SSD-Praxistag. Problem sei, dass die Lehrer für die SSD-Leitung keine Unterrichtsstunden angerechnet bekämen, und die Schülerbetreuung dies in ihrer Freizeit machen müssten. Wenigstens könnten sie seit einigen Jahren während ihrer Dienstzeit eine entsprechende Fortbildung an der Lehrerakademie in Dillingen machen.