BildungWo die Lebensmittel herkommen

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Sabine Weindl (rechts) spricht mit Franz-Josef Mayer, Michaela Bock und Matthias Heitmayr (von links) darüber, was der Erlebnisraum den Besuchern bieten kann.
Sabine Weindl (rechts) spricht mit Franz-Josef Mayer, Michaela Bock und Matthias Heitmayr (von links) darüber, was der Erlebnisraum den Besuchern bieten kann. Carmen Voxbrunner

In Fürstenfeldbruck wird ein Erlebniszentrum für Landwirtschaft, Ernährung und Natur eröffnet. Es ist das erste in Bayern. Kann es ein Vorbild sein?

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Wo früher junge Bauern und Bäuerinnen ausgebildet wurden, entsteht in den Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule im Fürstenfeldbrucker Stadtteil Puch ein Erlebniszentrum für Menschen, die Landwirtschaft bislang nur aus der Ferne kennen. Kinder und Erwachsene können dort allerlei lernen und erleben, auch über Ernährung und Natur. Das Erlebniszentrum Landwirtschaft, Ernährung, Natur läuft schon seit April 2024 im Probebetrieb; kürzlich wurde es offiziell eröffnet.  Es ist das erste derartige Bildungszentrum in ganz Bayern. Nun soll es bekannter werden.

„Wir wollen ein Angebot machen für die ganze Bevölkerung – für Schulen und Kindergärten, aber auch für Erwachsene“, sagte Matthias Heitmayr, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), bei der Eröffnung. „Wir müssen schauen, was zieht.“ Den Bezug zur Landwirtschaft hätten viele Menschen verloren.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF), die Agenda 21 des Landkreises sowie der BBV-Kreisverband haben gemeinsam die Idee des Zentrums entwickelt – diese Zusammenarbeit sei einzigartig, betonten die Redner.

Die Fürstenfeldbrucker Landwirtschaftsschule,  1922 gegründet, war im Herbst 2021 geschlossen worden, nachdem sich immer weniger junge Leute dort angemeldet hatten. 2011 zog sie in das neu errichtete Gebäude an der Abt-Thoma-Straße um. Zusammen mit dem benachbarten AELF, Bauernverband, Maschinenring, Versuchsgut und Waldbauernvereinigung bildet sie das Grüne Zentrum Puch. Die Hauswirtschaftsschule im ersten Stock des Schulgebäudes besteht weiterhin. Für die im Herbst beginnende Ausbildung gibt es nach Auskunft der Leiterin Sabine Weindl mehr als 20 Anmeldungen.

In einer Vorbildfunktion

Im Erdgeschoss aber entstehe etwas ganz Neues, sagte Heitmayr: „Etwas in der Art gibt es bisher nicht.“ Womöglich könne es als Vorbild für ganz Bayern dienen. Der Bauernobmann ist Vorsitzender des Trägerverbands für das Erlebniszentrum. Seine Stellvertreter sind Michaela Bock vom Agenda-21-Büro des Landkreises Fürstenfeldbruck und Franz-Josef Mayer, der Leiter des AELF, das auch für die Landkreise Dachau und Landsberg am Lech zuständig ist. Die Partnerschaft bereichere alle sehr, sagte Heitmayr bei der Eröffnung.

„Die Zusammenarbeit mit dem Bauernverband ist für uns Neuland“, sagte Michaela Bock. Sie freue sich darauf, „ganz viel auf die Beine zu stellen“. Das Agenda-Büro stehe für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Mayer wies auf die Umgebung des Grünen Zentrums hin, mit Getreidefeldern und einer Streuobstwiese. So könnten vor allem Kinder und Jugendliche die Inhalte „mit allen Sinnen erleben“.

Bei der Einweihung des Erlebnisraums präsentieren sich die Kooperationspartner.
Bei der Einweihung des Erlebnisraums präsentieren sich die Kooperationspartner. Carmen Voxbrunner

Michael Schanderl (FW), der den Landrat vertrat, hob in seinem Grußwort den Wert eben dieses unmittelbaren Zugangs zur Natur hervor. „Ich hoffe, dass weitere solche Erlebnisräume entstehen“, sagte er – das sei auch eine Chance für andere Landwirtschaftsschulen, die ebenfalls nicht mehr genutzt würden. Landtagsabgeordneter Benjamin Miskowitsch (CSU) begrüßte das „wunderbare Projekt“, sein Landtagskollege Andreas Birzele (Grüne), selbst Schreinermeister, lobte die Möglichkeit des Lernens durch Anfassen und Ausprobieren. Handwerk und Landwirtschaft seien zwei Seiten derselben Medaille.

Ein Anliegen der Initiatoren ist es, Wertschätzung für Landwirtschaft, Lebensmittel und auch für die Natur zu vermitteln. Gerade die Bauern beklagen seit Längerem fehlendes Verständnis für ihre Arbeit und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben.

Wildkräuter-Kurse werden besonders gut besucht

Bisher ist das Angebot überschaubar. Besonders gut besucht werden alle Kurse, die mit Wildkräutern und deren Verwendung zu tun haben, wie „Wildkräuter mal anders erleben“ für Schulklassen der Wildnispädagogin Anke Simon. Auch Rita Walters Kräuter-Kochkurse sind stark nachgefragt.

Grundschulkinder können sich auf den Sinnesparcours begeben und dabei lernen, wie man an Geruch und Aussehen erkennt, ob Lebensmittel noch genießbar sind. Als „Lebensmittelfreunde“, so ein weiteres Angebot, werden sie für Lebensmittelverschwendung sensibilisiert. Schülerinnen und Schüler der siebten bis elften Klassen an Mittel- und Realschulen kommen als „Schmutzjäger“ mit dem Thema Reinigung in Berührung.

Das Interesse der Schulen hält sich jedoch noch in Grenzen. Zur Eröffnung sind die eingeladenen Vertreterinnen und Vertreter zur Enttäuschung Heitmayrs jedenfalls nicht gekommen. Es gebe allerdings auch schon sehr viele andere Angebote für Schulen, „und wir sind ja erst am Anfang“.

Die Finanzierung jedenfalls sei fürs Erste gesichert, freute sich Heitmayr. Der Landkreis überlasse die Räume dem Verein mietfrei, die Sparkasse Fürstenfeldbruck habe 4000 Euro überwiesen. Der Hauptbatzen, 50 000 Euro, kommt aus der Fraktionsreserve von CSU und Freien Wählern.

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SZ PlusKommentar von Ingrid Hügenell

Der Erlebnisraum kooperiert im Bereich Ernährung mit den Direktvermarktern der Solidargemeinschaft Brucker Land und der Bauernquelle sowie mit dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung, der ebenfalls im Grünen Zentrum seinen Sitz hat.

Benjamin Miskowitsch (links) müht sich beidhändig am Tannenstamm, wähernd Andreas Birzele ganz locker einhändig und mit links Nägel ins Eichenholz drischt. Max Keil, Mitbegründer der Bauernquelle und des Klimaschutzvereins Ziel 21, schaut entspannt zu.
Benjamin Miskowitsch (links) müht sich beidhändig am Tannenstamm, wähernd Andreas Birzele ganz locker einhändig und mit links Nägel ins Eichenholz drischt. Max Keil, Mitbegründer der Bauernquelle und des Klimaschutzvereins Ziel 21, schaut entspannt zu. Carmen Voxbrunner

Angestrebt ist AELF-Leiter Mayer zufolge zudem eine engere Zusammenarbeit mit dem Walderlebniszentrum in Grafrath. Dort gebe es bereits viel Erfahrung mit der Vermittlung von Wissen. Wie gut das Lernen über das Erleben funktioniert, zeigte die Nagelprobe, eine Station, bei der lange Nägel in zwei Holzstämme geschlagen werden sollten – einer von der Tanne, der andere aus Eiche.

Den Anfang machten die Landtagsabgeordneten, die nach ihren Grußworten nun auch was erleben durften. Es zeigte sich zweierlei: Birzele ist als Schreinermeister am Hammer deutlich treffsicherer als Bürokaufmann Miskowitsch. Und, das merkt jeder, der selbst hämmert: Eiche ist deutlich härter als Tanne.

Der Trägerverein Erlebnisraum plant am Mittwoch, 18. Juni, 14 Uhr, eine Führung zum Thema „Landtechnik – der Schlepper als Allzweckfahrzeug der Landwirtschaft und seine Möglichkeiten“. Es werden Fragen beantwortet wie „Warum sind die Reifen so groß und warum ist das Profil so komisch“ oder „Hat der Schlepper ein Navi?“. Am Freitag, 20. Juni, um 18.30 Uhr gibt es eine Führung zum Thema „Das Getreide ist druschreif, wie kann es so weit kommen?“ Wie kommt das Saatkorn in den Boden, wie wird die Pflanze beim Wachsen unterstützt und welche Witterungseinflüsse sind günstig: Diese und weitere Fragen werden beantwortet. Die Teilnahme kostet je fünf Euro pro Person, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Die Veranstaltungen finden nur bei schönem Wetter statt.

Auf die Suche nach den Tieren der Nacht können sich Familien mit Kindern ab dem Grundschulalter am Freitag, 27. Juni, begeben. Zusammen mit Anke Simon suchen die Teilnehmer von 19.30 bis 22 Uhr nach Eulen und Fledermäusen. Der Teilnehmerbeitrag beträgt fünf Euro pro Familie. Treffpunkt vor dem Erlebnisraum Puch, Abt- Thoma-Straße 1b, Anmeldung per E-Mail an post@erlebnisraum-ffb.de.

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