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Erfolg mit E-Books:Stadtbibliothek 2.0

Knapp vier Wochen nach dem Start gibt es in Fürstenfeldbruck, Eichenau und Puchheim eine starke Nachfrage nach der Online-Ausleihe. Auch junge Menschen entdecken über die E-Books die Büchereien für sich.

Knapp vier Wochen nach dem Start der Bücherausleihe per Internet hat das Projekt namens Onleihe die Erwartungen der Bibliotheken schon mehr als erfüllt. Über das Internetportal Digibobb können sich die Büchereimitglieder in Fürstenfeldbruck, Eichenau, Puchheim und bald auch in Germering Bücher oder Videos elektronisch ausleihen und auf entsprechenden E-Book-Lesegeräten oder auf einem Computer konsumieren. Handfeste Statistiken gibt es zwar noch nicht, aber erste Erfahrungswerte.

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E-Books bringen den Büchereien im Landkreis neue Leser.

(Foto: dpa)

"Es kommen ehemalige Nutzer zurück zur Bücherei, es sind viele Männer dabei, und es gibt junge Menschen, die neben dem digitalen Angebot auch unsere Einrichtung entdecken", berichtet Gisela Lehner, die Leiterin der Gemeindebücherei Eichenau. Alle, die statt der gebundenen Ausgabe eines Buches den Titel in einer elektronischen Form herunterladen wollen, finden in Eichenau eine Auswahl von bis zu 3000 Titeln vor. Und es würden immer mehr, sagt Lehner. "Die Verlage reagieren sehr schnell."

Eichenau gehört zusammen mit Fürstenfeldbruck und Puchheim zu einem Verbund, in dem auch die Bibliotheken von Gauting (Kreis Starnberg) sowie Gräfelfing, Neubiberg, Oberhaching, Ottobrunn Unterhaching (Kreis München) vertreten sind und der die Leistungen der Digitalen Bibliothek Oberbayern (Digibobb) nutzt. Wer einen Bibliotheksausweis einer dieser Büchereien besitzt und seinen Jahresbeitrag bezahlt hat, kann sich auf der Internetseite von Digibobb ganz einfach in sein Bibliothekskonto einwählen. Dazu sind nur die Nummer des Bibliotheksausweises und als Passwort das Geburtsdatum nötig - Daten, die die Bibliothek schon hat und die dann abgeglichen werden.

Die ausgesuchten Titel können Bücher in der Form eines E-Books oder Zeitungen und Zeitschriften als E-Paper sein. Wer etwa Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung per digitaler Ausleihe am heimischen PC lesen möchte, hat dafür eine Stunde Zeit. Dann erlischt die Lizenz, die Zeitung ist für einen anderen Nutzer frei. Bei Büchern aber ist das anders. 14 Tage lang steht die Version eines Buches für die Nutzung auf einem E-Book-Reader, dem PC oder einem Tablet-Computer zur Verfügung.

"Das ist für manche aber zu lang", sagt Diana Rupprecht, die Leiterin der Stadtbibliothek Fürstenfeldbruck. Gefalle einem ein Buch nicht, könne man es nicht gleich zurückgeben, ergänzt Gisela Lehner. Während der Ausleihfrist ist das Buch dann für andere Nutzer gesperrt. Lehner: "Das ist noch ein Problem." Aber die Lösung sei schon in Sicht, den Lesern solle bald eine Funktion zur Rückgabe zur Verfügung stehen. Die Erfahrungen in den Bibliotheken im Landkreis bekommen auch die Verlage mit und reagieren darauf. So gebe es bereits Überlegungen, dass für eine von der Bücherei bezahlte Lizenz bis zu 99 Ausleihungen möglich seien, sagt Lehner.

Das große Interesse am Ausleihen von E-Books nimmt laut Diana Rupprecht zu. Das liest sie aus den vielen Neuanmeldungen ab und auch an der Zahl der Ausleihen übers Internet. Neben der üblichen Bibliotheksarbeit zwischen den Regalen der Brucker Aumühle muss nun auch mehr online beobachtet werden. "Wir reagieren auf beliebte Titel", sagt Rupprecht. Krimis, Thriller und Kochbücher sind die Renner - es sind jene Titel, die auch als gedruckte Ausgaben gerne ausgeliehen werden. Ähnliches stellt man in Eichenau fest.

Otto Linseisen, Chef der Puchheimer Stadtbibliothek, berichtet ebenfalls von starker Nachfrage und Informationsbedarf, hat aber nur vier Neuanmeldungen seit dem Start der Onleihe festgestellt. "Es sind zu 80 Prozent Frauen zwischen 40 und 60, die sich für das neue Angebot interessieren - unsere üblichen Kundinnen", so Linseisen. An den Vormerkungen kann er ablesen, wie gefragt die digitalen Bestände sind. Zahlen hat er freilich nach der Anlaufzeit noch keine, aber seine Erfahrungen sind durchaus positiv. Linseisen erwartet spätestens nach Weihnachten einen Nachfrageschub - wenn die E-Book-Reader ausgepackt worden sind.