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Er starb vor 110 Jahren:Der Baumforscher

Versuchsgarten Grafrath

Die "Mayr-Villa" in Grafrath: Dort lebte Versuchsgarten-Gründer Heinich Mayr.

(Foto: Archiv Grafrath/oh)

Gründer Heinrich Mayr reiste zweimal um die Welt, sammelte Saatgut und ließ sich schließlich in Grafrath nieder

Von Manfred Amann, Grafrath

Vor 110 Jahren ist in Grafrath Professor Heinrich Mayr gestorben, der als Gründer des Forstwirtschaftlichen Versuchsgartens gilt. Auf dem etwa 34 Hektar großen Gelände, das Besuchern offen steht, wachsen heute etwa 200 Baumarten und Dutzende Straucharten aus aller Welt. Der Versuchsgarten wurde 1881, also vor 140 Jahren, angelegt, nachdem Bayerns König Ludwig II. in der Landeshauptstadt München eine Versuchs- und Forschungsanstalt für Baumarten eingerichtet hatte. Ziel war es, herauszufinden, ob und welche fremdländischen Bäume sich zur Bereicherung und zur Ertragssteigerung im Bayerns Wäldern eignen.

"Mit Blick auf die heutigen Bestrebungen, wegen des Klimawandels Fichtenmonokulturen mit geeigneten Bäumen in Mischwälder umzubauen und so zukunftsfähig zu machen, war die damalige Gründung der Forschungsanstalt eine weitsichtige und vorausschauende Entscheidung", sagt Christel Hiltmann. Grafraths Archivarin hat eine Kurzbiografie vorgelegt, um an Heinrich Mayr zu erinnern. Mayr, 1854 in Landsberg geboren, war Sohn des königlichen Forstbeamten Clemens Mayr, der 1858 nach Grafrath versetzt wurde, um das dortige Forstrevier zu übernehmen. So wuchs Sohn Heinrich im ehemaligen Forsthaus an der Adalmuntstraße auf und lernte viel seinem Vater. "Oberförster Mayr befasste sich intensiv mit der Aufzucht und den Anbau fremdländischer Baumarten und legte so den Grundstock für den Versuchsgarten", erzählt Hiltmann. Zudem habe er in seinem Sohn die Leidenschaft für den Forstberuf und für die Baumartensammlung geweckt. Nachdem Mayr in München das Ludwigsgymnasium absolviert hatte, studierte er an der Central-Forstlehranstalt für das Königreich Bayern in Aschaffenburg und belegte danach einen staatswirtschaftlichen Kurs an der Universität München, um danach in die königliche Forstverwaltung aufgenommen zu werden.

Zunächst kam er als Forstgehilfe im oberbayerischen Alpenvorland zum Einsatz, und 1880, nach dem Staatsexamen, arbeitete er sechs Jahre als Assistent bei dem anerkannten Forstbotaniker Robert Hartig in der noch jungen Königlich Bayerischen Forstlichen Versuchsanstalt. Dabei erwarb er 1882 den Doktortitel, 1884 folgte die Habilitation. Zusammen mit Hartig betrieb Mayr im "Lehrrevier" Grafrath die Anlage des Forstlichen Versuchsgartens, wobei ihm seine vom Vater erworbenen Kenntnisse und dessen Baumartensammlung zugute kamen.

In dieser Zeit ließ sich Mayr auch privat in Grafrath nieder und errichtete am Südrand des Versuchsgartens eine großzügige Villa im Jugendstil, die noch heute als "Mayr-Villa" weit über die Bahnhofstraße hinausragt. "Wegen seiner guten Leistungen", so berichtet Hiltmann, habe der Chef der Bayerischen Forstverwaltung, August Ritter von Ganghofer, Heinrich Mayr "Urlaub und Stipendium für eine Weltreise" gewährt, mit dem Auftrag, in Nordamerika Baumarten zu studieren und Bezugsquellen für Saatgut ausfindig zu machen. Die Reise führte Mayr weiter über China und Java nach Britisch-Indien. Überall sammelte er Saatgut. Drei Jahre war der bayerische Forstmann Professor an der forstwirtschaftlichen Fakultät in Tokio, bis er 1893 auf den Lehrstuhl Waldbau an der Universität München berufen wurde und damit auch wieder für den Grafrather Versuchsgarten zuständig war. 1902 begleitete Mayr Kronprinz Rupprecht von Bayern und seine Familie auf einer weiteren Weltreise. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er in mehreren Büchern.

1911 erlitt der Forscher im Alter von 57 Jahren bei einem Vortrag einen Schlaganfall. Er starb fünf Tage später. Im Versuchsgarten erinnert seit zehn Jahren ein Gedenkstein an den Gründer und seine Frau Irene, mit der er zwei Söhne und zwei Töchter hatte. Seine letzte Ruhestätte fand Mayr auf dem Münchner Waldfriedhof.

© SZ vom 29.05.2021
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