Entwicklungshilfe Vereinszuschuss aus Brüssel

Afrikanische Schnitzereien schaut sich Angelika Niebler (links) im Laden bei Togo Contact, dem Laden der Togohilfe von Margret Kopp an.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Maisacher Togohilfe hat nur etwa 20 Mitglieder, aber eine durchsetzungsstarke Vorsitzende. Margret Kopp hat Förderung von der Europäischen Union beantragt und nun 500 000 Euro für Entwicklungshilfe bekommen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Millionen Landwirte werden von der Europäischen Union mit Fördermitteln bedacht, weil sie Flächen pflegen. EU-Haushaltsmittel, die nicht selbst erwirtschaftet sind, sondern von den Mitgliedsländern kommen, werden mit viel Aufwand verwaltet und in Projekte in und außerhalb der europäischen Staatengemeinschaft investiert. Wie es einem Staat gelingen kann, wie es einem einzelnen Bauern gelingt, an das Geld zu kommen, ist hinlänglich bekannt und auch schon kritisch hinterfragt worden. Doch dass ein Verein dem Bürokratiemonster Europa eine halbe Million Euro aus dem Kreuz leiert, "das hat schon was", wie die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler in Maisach sagt. Sie ist ins Togohaus an der Hauptstraße gekommen, weil es am Weg ihrer Wahlkampftour liegt, aber auch, weil es ihr ein Anliegen ist. Hat sie doch Margret Kopp von der Maisacher Togohilfe zu danken. Nieblers Besuch in Maisach gehört auch in die Rubrik Netzwerken, er ist ein Beleg für die politischen Verbindungen in Europa, die es braucht, um Projekte, an die man glaubt, voranzubringen.

Angelika Niebler und Margret Kopp kennen sich. Aus der CSU, aus der Frauen-Union, deren Landesvorsitzende Niebler ist und deren Kreisvorsitzende Kopp einmal war, und ganz besonders aus den zurückliegenden beiden Jahren, als Niebler Kopp als "sehr hartnäckig nachfragend" erlebt hat. Margret Kopp, 66, hat im Jahr 2017 um eine Förderung aus europäischen Töpfen nachgesucht, um die medizinische Versorgung - eines der wichtigsten Projekte der Togohilfe - zu verbessern. Auch wenn Kopp im Alleingang ihres Vereins zusammen mit in Togo ansässigen Medizinern und Fachleuten der Hilfsorganisation Aimes-Afrique schon so manches für "Santé et Espoir Pour Tous / Gesundheit und Hoffnung für alle" (kurz: Sept) angestoßen hat, so sind noch viele Aufgaben zu bewältigen. Also hat Kopp Niebler gebeten, einen Termin bei der EU-Kommission zu machen, bei dem der Maisacher Verein seine Art der Entwicklungshilfe vorstellen konnte. Ganz so begeistert scheinen die EU-Leute dann aber nicht gewesen zu sein, weil sie wohl nicht gewusst hätten, so Niebler, aus welchem der vielen Töpfe für die Entwicklungshilfe sie das Geld hätten nehmen können. Denn so wie die Maisacher Togohilfe arbeitet und sich die EU-Förderung vorstellt, so einfach macht es sich die EU-Kommission nicht.

Als Niebler das begriffen hatte, knüpfte sie ein kleines Netzwerk im EU-Parlament und band Monika Hohlmeier (CSU), stellvertretende Vorsitzende im Haushaltsausschuss, sowie Michael Gahler (CDU), Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zum Panafrikanischen Parlament, ein, um einen gemeinsamen Förderantrag an das EU-Parlament zu stellen. Im Haushaltsausschuss ging er durch, und auch das Plenum nahm das Ersuchen an, einem kleinen Verein aus Maisach eine halbe Million Euro anzuvertrauen. Zwei Jahre läuft nun die Förderung, von 250 000 Euro sind laut Kopp schon in der Vereinskasse.

Was damit alles getan werden kann, verrät Margret Kopp Zuhörern stets gerne, und sie geht dabei bis in die medizinischen Details einer Leistenoperation bei Männern in Togo. Ein Leiden übrigens, das dort nicht als Krankheit angesehen werde, ebenso wie der aus Jodmangel sich entwickelnde Kropf bei Frauen und Männern. Ein Fluch sei verantwortlich, sagten die Medizinmänner, die Patienten seien verhext. Dass das weniger mit Hexerei zu tun hat, als mit erklärbaren Ursachen, das führt nun zu einer Aufklärung der Medizinmänner und -frauen.

Kopp berichtet, wie in ihrem Projekt die Tätigkeit der Medizinmänner respektiert werde. So, als seien sie die Hausärzte der ländlichen Bevölkerung. Um ihnen diese Würde zu belassen, aber dennoch in schwierigen Fällen medizinische Hilfe zu leisten, werde den Medizinmännern zum einen die Arbeit im Krankenhaus bis hin zu Operationen gezeigt, zum anderen würden sie in ein Pilotprojekt eingebunden, das mit einem Überweisungssystem in Deutschland vergleichbar ist. Was nicht mit Zauber und Natur geheilt werden kann, muss vom Mediziner untersucht und behandelt werden. Der Überweisungsschein dient der Kontrolle. "Und die Medizinmänner machen mit", sagt Kopp fröhlich. Sie hat das persönlich erlebt.

Ihr verlässlicher Partner beim Sept-Projekt sind der Verein Aimes-Afrique und der Arzt Michel Kodom. Mit ihm hat sie, wenn sie nicht selbst nach Togo reist, viel telefonischen Kontakt, er ist es auch, der sie über die schwierigen Fälle auf dem Laufenden hält. Wie den einer 29-jährigen Mutter von fünf Kindern, deren Gesicht durch einen Tumor so entstellt war, dass sie kaum mehr essen konnte. Zusammen mit Aimes-Afrique und wohltätigen Spenden aus Deutschland konnte eine 13 000 Euro teure, rettende Operation Anfang des Jahres das Leben der Frau verbessern helfen.

Kopp führt solche Einzelschicksale gerne an, um zu verdeutlichen, dass es viele Menschen in Togo gibt, die dringend auf medizinische Hilfe angewiesen wären und die die Togohilfe leisten könnte. Immerhin gilt der Maisacher Verein als der größte Hilfsverein für das sieben Millionen Einwohner zählende Land. Mit der Förderung aus der EU kann der seit 1980 existierende Verein nun zwei Jahre lang an dem Gesundheits- und Hoffnungsprojekt arbeiten. Kopp weiß aber schon jetzt, dass das Geld nicht reichen wird, dass sie auch danach gerne was von der EU hätte. Und Angelika Niebler, die CSU-Frau, die gerne wieder ins EU-Parlament möchte, weiß das nun auch schon.

Über alle Hilfsprojekte informiert der Verein Togohilfe auf seiner Homepage www.aktionpit.de