Die katholische Kirche unterstützt grundsätzlich alle Maßnahmen für eine schnelle Energiewende und damit zur Eindämmung des Klimawandels, will sich zu einzelnen Projekten jedoch nicht äußern. Diese Antwort hat nun ein Bürger aus Jesenwang, der nicht genannt werden will, vom Diözesan-Kirchenrat München auf eine entsprechende Anfrage hin erhalten. Im Wald südlich von Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck wird ein „Bürger-Windpark“ mit vier Anlagen errichtet.
Bauherr ist eine Genossenschaft aus Energie-Genossenschaft Freisinger Land, Sonnensegler Bürgerenergiegenossenschaft sowie der Beermann Energiesysteme GmbH. Über 500 Bürger, davon mehr als ein Drittel aus den umliegenden Gemeinden, hatten sich innerhalb kürzester Zeit mit Nachrangdarlehen beteiligt. Dazu wollte der Anfrager von den Verantwortlichen der Erzdiözese München und Freising mit Bezug auf eine Stellungnahme aus dem Jahre 2016 zur damaligen Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wissen, ob sich ihre Haltung mittlerweile geändert habe.
In dem Schreiben war Kritik darüber geäußert worden, dass mit der Einführung der Ausschreibungspflicht und der damit verbundenen Festlegung auf den billigsten Anbieter unter anderem „eine Vollbremsung bei Windkraft an Land“ hingelegt werde und dies für Bürgerenergieanlagen und -gesellschaften eine „De-facto-Ausgrenzung“ bedeute. „Ich wollte wissen, ob der Bau von Bürgeranlagen wie dem Bürgerwindpark Jesenwang eine Änderung dieser Haltung bewirkt hat“, erklärt der Antragsteller.
Der Diözesanrat ließ daraufhin unter anderem verlauten: „Grundsätzlich unterstützt die Kirche nachdrücklich den Einsatz für den Erhalt der Schöpfung und damit auch die Förderung erneuerbarer Energien. Insbesondere genossenschaftlich organisierte Windkraftprojekte stehen in hohem Maß im Einklang mit den Prinzipien der christlichen Soziallehre.“ Gemeinwohlorientierung, Subsidiarität und ökologische Verantwortung würden in solchen Vorhaben in vorbildlicher Weise verbunden.
Weiter heißt es: „Mit Nachdruck sprechen wir uns deutlich für eine umweltgerechte, sozial verantwortete Entwicklung aus, die sowohl den Klimaschutz als auch die Bewahrung der biologischen Vielfalt ernst nimmt. Gleichzeitig bitten wir aber um Verständnis dafür, dass es vom Diözesanrat keine dezidierte Stellungnahme zu dem konkreten Projekt in Jesenwang gibt und die Stellungnahme von 2016 nicht fortgeschrieben wurde. Wir können nur grundsätzliche Tendenzen und aus unserer Sicht gebotene, ethische Maßstäbe aufzeigen.“

