Energie Streit um Geothermie-Veranstaltung

Bürgerinitiative kritisiert das Puchheimer Konzept für einen Infoabend. Die Stadt indes will keine Konfrontation

Von Peter Bierl, Puchheim

Die geplante Informationsveranstaltung der Stadt Puchheim zur Geothermie sorgt schon im Vorfeld für Ärger. Die Bürgerinitiative kritisiert sowohl den Termin als auch den Ablauf. Geplant ist, dass Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) sowie Curd Bems, Geschäftsführer der Firma Exorka, auf dem Podium sprechen. Die Besucher können anschließend an "Thementischen mit Fachleuten und Projektbeteiligten ins Gespräch" kommen, heißt es in einer Einladung der Kommune.

Nach dem Erdbeben in Poing, wo eine Geothermie-Anlage in Betrieb ist, formierte sich in Puchheim eine Bürgerinitiative, die diese Technik nicht generell ablehnt, aber die Frage der Haftung geklärt haben will. Sie fürchten, dass Mikrobeben etwa kleine Risse an den Gebäudewannen verursachen könnten, die viele Häuser in Puchheim haben, weil der Grundwasserstand in dem ehemaligen Moorgebiet hoch ist. Ende Oktober versprach der Bürgermeister der Initiative, die sich vor allem aus dem Süden der Stadt sowie dem Altdorf rekrutiert, eine Informationsveranstaltung. In den folgenden Sitzungen des Stadtrats hakten Vertreter der Bürgerinitiative jeweils nach und forderten vergeblich, an der Vorbereitung beteiligt zu werden.

Die Planung liege bei einem "Kommunikationsmanager" sowie der Umweltbeauftragten der Stadt, Katharina Dietel, erklärte der Bürgermeister am Dienstag im Stadtrat. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 8. Februar, im Kulturzentrum Puc statt. Die Bürgerinitiative kritisiert diesen Termin als zu kurzfristig, außerdem werde der Weiberfasching manche von einem Besuch abhalten, sagte BI-Sprecher Michael Peukert der SZ.

Vorgesehen ist, dass zuerst Seidl und Bems sprechen. Anschließend beantworten die beiden sowie weitere Fachleute Fragen des Publikums an Tischen im Saal, erklärte Dietel der SZ am Mittwoch. Eingeladen seien ein Vertreter der Bayernwerke zum Thema Fernwärme, ein Geologe sowie Joachim Wassermann vom Landeserdbebendienstes Bayern. Ein Versicherungsexperte sei nicht eingeladen, sagte Dietel. Die Frage, wer im Schadensfall zahlt, ist allerdings für die Bürgerinitiative der entscheidende Punkt.

Der geplante Ablauf in Puchheim entspricht dem einer Veranstaltung, die in Poing nach dem Erdbeben von der Kommune und dem Bayernwerk organisiert wurde. "Wir haben uns für dieses Konzept entschieden, weil wir schlechte Erfahrungen mit konfrontativen Veranstaltungen haben", sagte Dietel. Keineswegs wolle man kritische Fragen unterbinden, aber den Besuchern auch nicht das Gefühl geben, sie müssten sich für eine Seite entscheiden. Dabei betonte die Umweltbeauftragte, dass das letzte Wort über den Ablauf noch nicht gesprochen sei.

Am Dienstag hatten Vertreter der Bürgerinitiative im Stadtrat das Veranstaltungskonzept kritisiert: Das sei doch keine Podiumsdiskussion, rügte Peukert. Es wäre wichtig, dass alle Besucher sämtliche Fragen und alle Antworten darauf hören, statt dass jeder an den Thementischen nur einen Teil oder etwas anderes mitbekommt. "Nach dem Infoblock haben alle den gleichen Stand", antwortete Seidl. "Dieses Konzept sorgt nicht für Transparenz, sondern wie in Poing für Zersplitterung", warnte BI-Sprecher Dirk Reimann. Peukert verlangte erneut, die Initiative in die Vorbereitung einzubeziehen. "Das ist eine Veranstaltung der Stadt und Sie können Ihre eigene machen", beschied der Bürgermeister.