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Energetisch Bauen:Bruck pocht auf Klimaschutz

So wie in dieser Fotomontage könnte die Bebauung an der Hubertusstraße mit drei Häusern aussehen. Dabei könnten 51 Wohnungen im KfW-55-Energiestandart entstehen. Einige davon im geförderten Wohnungsbau.

(Foto: Stadt FFB)

Ein Bauprojekt an der Hubertusstraße zeigt, dass Politik sich nicht auf Mitsprache bei der Fassadengestaltung beschränken will. Ein Fachbeirat soll das Gespräch mit dem Bauherrn suchen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Stadt will Bauprojekte schneller voranbringen und bürokratische Hürden abschaffen, bei wichtigen Projekten das Heft aber nicht ganz aus der Hand geben. Ein Beispiel dafür ist der geplante Neubau von drei bis zu fünfgeschossigen Mehrfamilienhäuser an der Fürstenfeldbrucker Hubertusstraße. Der Bauausschuss sträubte sich jüngst dagegen, das Vorhaben einfach nur durchzuwinken - und sprach sich dafür aus, die Mitsprachemöglichkeit eines Fachbeirats nicht nur auf optische Punkte der Fassadengestaltung zu begrenzen. Vielmehr soll mit dem Bauherrn auch über Aspekte des Klimaschutzes verhandelt werden.

An der Hubertusstraße soll in Ziegelbauweise (mit Holzfaserfüllung) eine Anlage mit 51 Wohneinheiten im KfW-55-Energiestandard entstehen, ein Teil davon im geförderten Wohnungsbau. Zudem ist der Bau einer Tiefgarage mit 72 Stellplätzen vorgesehen. Weil es sich nach Auffassung der Bauverwaltung hinreichend in die Umgebungsbebauung einfügt, könnte man in diesem Fall auf eine zeitaufwendige Bauleitplanung ebenso verzichten wie auf eingehende Beratungen in den politischen Gremien. Die aktuelle Geschäftsordnung der Stadt sieht hier lediglich noch eine "Kenntnisnahme" durch den Ausschuss vor - auch wenn "aufgrund der städtebaulichen Bedeutung" des Vorhabens ein mit in der Regel drei Politikern besetzter Fachbeirat einberufen werden soll.

Bislang ist vorgesehen, dass dieser vor allem bei der Fassadengestaltung mitredet. Das ist mehreren Politikern zu wenig. So besteht Einigkeit darüber, dass eine weitere bauliche Entwicklung über das Projekt hinaus Richtung Wald auch künftig unterbunden werden soll. Stadtplaner Markus Reize empfiehlt deshalb die Aufstellung eines Bebauungsplans für diese Bereiche, um damit "unerwünschten Entwicklungen" vorzubeugen. Das unterstützt auch Thomas Brückner (Grüne) ausdrücklich, der sich mehr öffentliche Wegeverbindungen wünschen würde und - ebenso wie Christian Götz (BBV) - vorschlägt, als Baustoff für die drei Häuser im Sinne des Klimaschutzes und des sparsamen Umgangs mit Ressourcen Holz zu verwenden. Ein Vertreter des Bauherrn dämpft die Hoffnungen, dass in der Richtung noch umgeplant wird. Er widerspricht auch Alexa Zierl (ÖDP), dass der Energiestandard KfW-55 heutzutage nicht mehr als besonders ehrgeizig gilt und eigentlich übererfüllt werden sollte. Zierl macht klar, dass es bei einem bilanziellen Ansatz schon helfen kann, zumindest eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zu installieren. Auch wenn vom Bauherrn unter Berufung aufs Baugesetzbuch keine Klimaneutralität verlangt werden kann, wie Stadtjurist Christian Kieser deutlich macht, so will sich Zierl nicht mit einer aus ihrer Sicht suboptimalen Planung zufrieden geben. Schließlich haben sich die politischen Gremien wortgewaltig dazu bekannt, Richtung Klimaneutralität voranzuschreiten. Lohde macht zwar ebenso wie sein Fraktionskollege Hans Schilling deutlich, dass es eine Art Bestandsschutz für die bereits fortgeschrittenen Planungen an der Hubertusstraße geben muss. Dennoch schließt sich das Gremium (gegen die Stimme von Georg Stockinger (FW)) den erklärten Wünschen von Zierl, Götz, Mirko Pötzsch (SPD) sowie Franz Höfelsauer (CSU) an, dem zu gründenden Fachbeirat einen klaren Auftrag mit auf den Weg zu geben: In Absprache mit dem Bauherrn soll er versuchen auch Aspekte des Klimaschutzes anzusprechen. Vereinbarungen lassen sich in einem städtebaulichen Vertrag fixieren. Als Druckmittel bleibt die Alternative Bebauungsplanverfahren. Beschlossen wird zudem der Schutz des benachbarten Waldes im Süden und Westen des Baugrundstücks - mit Hilfe eines eben solchen Verfahrens.

© SZ vom 12.01.2021
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