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Emmering:Wer die Bauern retten kann

Josef Schmid (von links) Max Keil und Karin Sepp retten die Bauern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

ÖDP-Veranstaltung sieht in Naturschützern Verbündete und die Politik in der Pflicht

Haben es die Verbraucher selbst in der Hand oder ist die Politik in der Pflicht? Wie können die Bauern gerettet werden? Darüber sprechen am Montagabend etwa 50 Landwirte, Verbraucher und Vertreter von örtlichen Naturschutzverbänden. Zu der Diskussionsrunde unter dem Titel "Rettet die Bauern" hat die Kreis-ÖDP nach Emmering eingeladen - also Vertreter jener Partei, die das Volksbegehren "Rettet die Bienen" initiiert hatte. Zahlreiche Bauern und auch der Bauernverband fühlen sich an den Pranger gestellt, wie seither immer wieder zu hören ist.

Josef Schmid, Landwirt aus dem Landkreis Landshut und Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sieht das etwas anders. Er ist nach Emmering gekommen, um seinen Stellvertreter Hans Zacherl aus Moorenweis zu vertreten. Die AbL hat das Volksbegehren unterstützt. Ihr Slogan: "Bauernhöfe statt Agrarfabriken".

Nach Schmids Auffassung müssen die Bauern nicht vor dem Volksbegehren und den Naturschützern, sondern vor der deutschen und europäischen Agrarpolitik gerettet werden. "Wir müssen nicht alle als Feinde sehen, die unsere Arbeit kritisieren", sagt Schmid, es gehe dabei um die zunehmende Intensivierung, nicht um die Bauern an sich. "Wir müssen als bayerische Bauern nicht die Welt ernähren, sondern sollten lieber weniger intensiv arbeiten", sagt er. Die oft kritisierte Düngeverordnung sei eingeführt worden, "weil es ein paar ganz schön übertrieben haben". Viele Bauern hätten eben mehr Vieh, als zu ihren Flächen passt. Sie müssten Futter importieren, etwa Gen-Soja aus Südamerika, und hätten dann Probleme damit, dass die Tiere mehr Gülle ausscheiden, als die Böden aufnehmen könnten. Auch wenn das auf den Landkreis nicht zutreffe, das Problem gebe es durchaus häufig.

Die AbL fordert Subventionen für die Höfe nicht nach der Fläche, sondern danach, ob eine vernünftige Fruchtfolge stattfindet und ob die Viehhaltung zur Fläche passt. Kreisbäuerin Karin Sepp sagt darauf, als sie das Thema beim Bauernverband angesprochen habe, habe es geheißen, das könne man in der EU nicht durchsetzen. Deutschland bestimme zusammen mit Frankreich die EU-Landwirtschaftspolitik, erwidert Schmid, "sagt aber immer das Verkehrte".

Ganz anders sieht Hans Märkl die Sache. "Der Verbraucher hat es alleine in der Hand, was in der Landwirtschaft passiert, über das Einkaufsverhalten."Die Märkls haben vor 50 Jahren als erste im Landkreis auf ökologischen Anbau umgestellt und, wie Märkl senior erklärt, "ein gutes Verhältnis zu den Leuten, die zu uns kommen". Die seien auch bereit, die höheren Preise für die Bio-Ware zu zahlen. Später fordert er doch eine CO₂-Steuer auf die Produkte, so dass solche, die länger unterwegs sind, teurer werden. Die Politik nutze die niedrigen Erzeugerpreise als Inflationsbremse, sagt Johann Schamberger aus Moorenweis, Vorsitzender des Bunds Deutscher Milchviehhalter. Seit 20 Jahren habe sich der Milchpreis nicht geändert. "Tendenz: kein Lichtblick."

In Wirklichkeit hätten die Verbraucher keine Macht, sagte AbL-Vorsitzender Schmid, schon weil die Produkte nicht so gekennzeichnet seien, dass der Käufer wirklich erkennen könne, wo alle Zutaten herkämen. Wenn "Qualität aus Bayern" draufstehe, bedeute das eben nicht, dass auch das Futter der Tiere aus Bayern gekommen sei. "Die Kennzeichnung ist total wichtig und muss verpflichtend sein", fordert er. "Was die Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner da macht, ist ein Witz!" An der deutschen Landwirtschaftspolitik werde sich aber nichts ändern, solange die Bauern bei der Wahl ihre Kreuze weiter dort machten, wo sie sie immer gemacht hätten.