Stichwahlen im Landkreis FürstenfeldbruckEmmering wählt den Aufbruch

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Als bei der Wahlparty im Rathaus das Endergebnis vorliegt, gibt es kein Halten mehr bei Ulrich Wiltawsky (EBG) – und erst einmal eine herzliche Umarmung seiner Frau Sibylle und Beifall von Emmerings zweiten Bürgermeister Fritz Cording (Mitte), ebenfalls von der EBG.
Als bei der Wahlparty im Rathaus das Endergebnis vorliegt, gibt es kein Halten mehr bei Ulrich Wiltawsky (EBG) – und erst einmal eine herzliche Umarmung seiner Frau Sibylle und Beifall von Emmerings zweiten Bürgermeister Fritz Cording (Mitte), ebenfalls von der EBG.
Johannes Simon
  • Ulrich Wiltawsky (EBG) gewinnt die Bürgermeister-Stichwahl in Emmering deutlich gegen CSU-Amtsinhaber Stefan Floerecke.
  • Die Emmeringer Bürgergemeinschaft wird mit neun statt sechs Gemeinderäten zur stärksten Kraft im Gemeinderat.
  • CSU-Bürgermeister Floerecke zieht sich enttäuscht aus der Lokalpolitik zurück und wird nicht im Gemeinderat mitwirken.
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Einer deutlichen Mehrheit sind „Kontinuität und Verlässlichkeit“, die CSU-Amtsinhaber Stefan Floerecke in Aussicht gestellt hat, offenbar zu wenig ambitioniert.

Von Manfred Amann, Emmering

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Das in dieser Höhe unerwartet gute Abschneiden der Emmeringer Bürgergemeinschaft (EBG) und der eindeutige Sieg ihres Bürgermeisterkandidaten Ulrich Wiltawsky hat im Ort offensichtlich eine gewisse Aufbruchstimmung erzeugt. Klare Verlierer sind die CSU und ihr Bürgermeister Stefan Floerecke.

Nachdem die EBG von Mai an den Gemeindechef und statt sechs nun neun Gemeinderäte stellt, haben sich die Machtverhältnisse deutlich verschoben. Da die Freien Demokraten nicht mehr im Gremium vertreten sind, die Grünen ihre drei Sitze, die SPD einen Sitz behalten konnten und die CSU zwei Plätze sowie das Bürgermeisteramt verloren hat, ist die EBG nun stärkste Kraft. „So ein Ergebnis hat niemand erwartet und nicht mal zu hoffen gewagt“, sagte Wiltawsky nach der Stichwahl.

Fritz Cording (EBG), aktuell zweiter Bürgermeister, führt den hohen Wahlsieg unter anderem darauf zurück, dass die Wählergruppe vor gut einem Jahr die Bezeichnung Freie Wähler abgelegt hat. „Viele Emmeringer haben erkannt, dass es nicht um uns und um eine Partei geht, sondern um die Entwicklung unseres Ortes“, sagte er. Ein Weiter-so, wie von der CSU im Wahlkampf mit Verweisen auf Amtserfahrung und Verlässlichkeit propagiert, sei abgelehnt worden.

Wunsch nach einem Wechsel

Dass die Wählermehrheit einen Wechsel wollte, glauben auch die Grünen, die ihren Anhängern empfohlen hatten, bei der Stichwahl den Mittvierziger Wiltawsky zu unterstützen. Die SPD hatte keine Empfehlung ausgesprochen. Der Wahlerfolg geht in erster Linie zu Lasten der CSU, die nach sechs Jahren das Bürgermeisteramt wieder an die EBG abgeben muss.

Als Stefan Floerecke 2020 gegen Fritz Cording (EBG, damals noch FW) die Stichwahl gewonnen hatte, war der Jubel groß, auch weil damit die CSU nach 18 Jahren Michael Schanderl (FW) das Bürgermeisteramt zurückerobert hatte und auf ein Durchstarten hoffen konnte. Nun ist es umgekehrt. Bürgermeister Floerecke wird eigenen Worten zufolge auch der Ortspolitik den Rücken kehren und nicht im Gemeinderat mitwirken.

Emmerings noch amtierender Bürgermeister Stefan Floerecke will sich aus der Emmeringer Lokalpolitik zurückziehen.
Emmerings noch amtierender Bürgermeister Stefan Floerecke will sich aus der Emmeringer Lokalpolitik zurückziehen.
Julia Mayr; privat

Er wünsche dem Neuling viel Erfolg und müsse sich nun beruflich neu orientieren „Sicher bin ich enttäuscht, vor allem darüber, dass die Wählermehrheit nicht wahrhaben wollte, dass in schwierigen Zeiten Kontinuität und Verlässlichkeit wichtiger sind als Versprechungen, mehr erreichen zu können.“ Letztlich habe die im Wahlkampf erzeugte Stimmung gegen ihn und seine Politik den Ausschlag gegeben.

Aus Sicht der EBG-Anhänger haben sich die CSU und ihr Bürgermeister das Eregbnis selbst zuzuschreiben. In der Personalpolitik, zum Beispiel als es um die Einstellung eines IT-Experten gegangen war, habe Floerecke sehr eigenwillig gehandelt und den Gemeinderat nur am Notwendigsten beteiligt. Immer wieder sei der Bürgermeister von den Grünen und der EBG ermahnt worden, Projekte schneller voranzubringen, woraufhin stets die Antwort gekommen sei, es fehle an Personal und auch am Geld. Des Öfteren sei von Gemeinderäten zudem moniert worden, dass zu wenig informiert werde.

Auf Ulrich Wiltawsky kommt als Bürgermeister nun die nicht ganz einfache Aufgabe zu, den neuen Gemeinderat zu einer Gemeinschaft zu formen, die zum Wohle des Dorfes an einem Strang zieht. „Ich reiche allen die Hand, lasst uns alles Bisherige vergessen und gemeinsam Emmering voranbringen“, bietet Wiltawsky an. „Ich sehe die Gemeinderäte nicht als Gegen-, sondern als Mitspieler in einem Team“.

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