Natur und UmweltEmmeringer Störche dürfen ihren Nistplatz behalten

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Hoch oben am Giebelkreuz der Pfarrkirche in Emmering hat sich im Frühling ein Weißstorchpaar ein Nest gebaut.
Hoch oben am Giebelkreuz der Pfarrkirche in Emmering hat sich im Frühling ein Weißstorchpaar ein Nest gebaut. (Foto: Johannes Simon)

Vom Kamin der Kirche wurden die Vögel vertrieben, die extra aufgestellte Plattform haben sie verschmäht. Doch das Nest, das sie sich am Giebelkreuz gebaut haben, kann bleiben. Über das Happy End in einem Streit, der teils bizarre Zügen annahm.

Von Heike A. Batzer, Emmering

Die Störche haben sich einfach selbst geholfen und sich eine neue Heimstatt gebaut. Noch weiter oben, am Giebel der Pfarrkirche, wo ein steinernes Kreuz angebracht ist, haben sie Äste, Reisig und Gras zu einem kunstvollen Rund ineinander geflochten – ganz ohne vorgefertigte Plattform. Die menschliche Sorge, das Bauwerk könnte als Nistplatz nicht stabil genug sein, erwies sich als unbegründet. Die großen Vögel wissen instinktiv, was zu tun ist. Und möglicherweise haben sie in noch größerer Höhe gebaut, weil sie schon geahnt haben, dass der Mensch da nur schwer hinkommt.

Störche verbringen einen großen Teil ihres Lebens in großen Höhen. Im Flug ohnehin, aber auch was die Wahl ihrer Nester angeht. Jenes auf der katholischen Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer in der Emmeringer Ortsmitte überstand schließlich auch alle Wetterunbilden. Drei Jungstörche wurden darin in diesem Jahr groß.

Dass sie ihren Horst auch im nächsten Frühjahr anfliegen können, davon darf man nun ausgehen. Die Befürchtung, dass ihn die Pfarrei aus statischen Gründen entfernen würde, die einige Emmeringer Natur- und Umweltfreunde hegen, erweist sich als haltlos. Das sei „völlig aus der Luft gegriffen“, sagt Markus Amann, Verwaltungsleiter im Pfarrverband Fürstenfeld, zu dem auch Emmering gehört. Man habe keine Veranlassung, den Horst zu entfernen: „Das Nest bleibt drauf.“ Man werde es „nicht anfassen“, lediglich die deutlich tiefer liegenden Dachrinnen müssten gesäubert werden, weil sich dort Zweige und anderes Nistmaterial verfingen und die Rinnen verstopfen könnten. In der Pfarrei sieht man das eigene Vorgehen bestätigt. „Die Natur regelt das selber, aber die Leute glauben das nicht“, konstatiert Amann.

Im  vergangenen Jahr nutzten die Störche den Kamin (vorne) der Emmeringer Pfarrkirche als Nistplatz. Das wurde ihnen jedoch nicht weiter gestattet, woraufhin sie umgezogen sind - eine Etage höher ans Giebelkreuz (ganz links oben).
Im  vergangenen Jahr nutzten die Störche den Kamin (vorne) der Emmeringer Pfarrkirche als Nistplatz. Das wurde ihnen jedoch nicht weiter gestattet, woraufhin sie umgezogen sind - eine Etage höher ans Giebelkreuz (ganz links oben). (Foto: Johannes Simon)

Noch im Frühjahr hatte sich ein Streit im Ort entzündet, weil die Pfarrei das Nest aus dem Vorjahr, in dem ebenfalls drei Junge aufgezogen worden waren, entfernen ließ. Das Storchenpaar hatte seinen Horst damals direkt auf dem Kamin der Kirche gebaut. Weil in den Wintermonaten der Rauchabzug der Kirchenheizung sonst nicht mehr funktioniert hätte, wurde das Nest abgebaut und auf einer von Menschenhand geschaffenen, niedrigeren Nisthilfe platziert. Doch das wollten die Störche nicht – und die Menschen in Emmering auch nicht. Amann berichtet davon, dass einige sogar erbost mit ihrem Kirchenaustritt gedroht hätten.

Nun ist erst einmal Ruhe eingezogen in der Gemeinde. Das Nest am Giebelkreuz bleibt ebenso an Ort und Stelle wie auch die verschmähte Nisthilfe auf der separaten Plattform.

Auch Mammendorf ist jetzt Storchenstandort

Auch in Mammendorf wurde eine Nistplattform angelegt, und zwar auf der alten Schule nahe dem Rathaus. Immer wieder waren dort Weißstörche zu beobachten. Zum Brüten ließ sich ein Paar allerdings auf einem Baum nieder – an der Straße Richtung Jesenwang. Und laut der Kartierung des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) gab es dort ebenfalls Nachwuchs in diesem Sommer: Zwei Junge wurden flügge.

Damit gibt es nach Kottgeisering, Maisach und Emmering nun einen vierten Storchenstandort im Landkreis Fürstenfeldbruck. Eigentlich ziehen die Weißstörche im Herbst fort, zum Überwintern bis ins südliche Afrika. Aufgrund des Klimawandels aber bleiben manche auch hier. Wie das Storchenpaar, das schon seit sieben Jahren in Kottgeisering auf dem Schlauchturm des Feuerwehr- und Rathauses brütet. Im Winter ist es immer wieder auf den Wiesen im Ampermoos zu sehen. Allerdings brachte es in diesem und im vergangenen Jahr keines seiner Jungen durch. In Maisach, wo ein Storchenpaar vor zwei Jahren eine bereits lange zuvor auf dem stillgelegten Brauereikamin angebrachte Nisthilfe angenommen hat, wurden im Vorjahr ein Junges und in diesem Jahr zwei Jungstörche groß.

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