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Emmering:Misstrauen gegen die Kreisstadt

Gelände mit großem Entwicklungspotenzial: der Fliegerhorst mit Tower und Shelter.

(Foto: Günther Reger)

Emmering fordert Einfluss auf Fliegerhorst-Planung und eine Verkehrsanalyse

Von Manfred Amann, Emmering

Dass die Kreisstadt Fürstenfeldbruck die an das Fliegerhorstgelände angrenzenden Kommunen in die Beratung über die Erschließung und eventuell bei der Abfassung der Auslobung für einen städtebaulichen Wettbewerb einbinden will, reicht Olching, Maisach und Emmering nicht aus. Die Nachbarkommunen wollen von Anfang an nicht nur als "Zaungast" mitreden, sondern "als Partner mitentscheiden" können. Da dies von Bruck zumindest bislang abgelehnt wird, wollen die drei Nachbarn ein Fachbüro einschalten, das die verkehrsmäßige Tragfähigkeit des bestehenden Straßennetzes untersucht und Aufschluss darüber geben soll, welche Straßenabschnitte eventuell ausgebaut werden müssten. "Nachdem die Kreisstadt im Rahmen der Konversionsplanung auch eine innerstädtische Verkehrsentlastung anstrebt, kommt einer Verkehrsanalyse noch höhere Bedeutung zu", sagt Bürgermeister Stefan Floerecke (CSU).

Er warb in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses erfolgreich dafür, 50 000 Euro für das Verkehrsgutachten bereitzustellen. Die Analysekosten werden insgesamt auf etwa 140 000 Euro geschätzt. Der Beschluss erfolgte ohne die beiden Stimmen der Grünen. Laut Sprecher Herbert Groß sollten sich die Anrainer "nicht zum Kampfe rüsten", sondern weiterhin nach einem gemeinsamen Weg suchen. "Ziel muss es ein, dass die vier Kommunen gemeinsam und nicht gegeneinander eine Vision für das Fliegerhorst-Gelände entwickeln, die eher das große Gemeinsame für die Region in den Blick nimmt", forderte Groß. Das Gegeneinander werde sich letztlich negativ auf die Planung mit Folgen für die gesamte Region auswirken.

Gegen den Wunsch nach Zusammenarbeit sei nichts einzuwenden, befand daraufhin Floerecke. Derzeit sehe es aber nicht danach aus, als wolle Bruck alle Betroffenen mit ins Boot nehmen. Da der Vorschlag von der Kreisstadt abgelehnt worden sei, einen Zweckverband zu gründen und mit der Planung zu beauftragen, laufe man Gefahr, dass die Interessen der Anrainer nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Die Bewältigung des infolge der Entwicklung des Geländes zu erwartenden erhöhten Verkehrsaufkommens sei nur im Rahmen einer interkommunalen Betrachtung der Leistungsfähigkeit des vorhandenen Straßennetzes und gegebenenfalls daraus abzuleitender zusätzlicher Maßnahmen zu deren Ertüchtigung mög- lich, erklärte Floerecke weiter. Da derzeit nicht zu erwarten sei, dass die Kreisstadt einer gemeinsamen Verkehrsplanung zustimmt, bei der auch die Interessen der Nachbarn berücksichtigt werden, wolle man mit einem Gutachten "ein handfestes und rechtssicheres Argument " haben, an dem Bruck im Zuge der Entwicklungsplanung nicht vorbeikommt. "Die Situation ist sicher recht unglücklich", meinte der Bürgermeister, abzuwarten, ob sich Bruck nicht doch noch besinnt und sich auf eine interkommunale Zusammenarbeit einlässt, sei aber angesichts der aktuellen Diskussionslage nicht ratsam.

Die Grünen hatten einen Antrag mit der Forderung nach mehr Transparenz allgemein und besonders in Emmering eingereicht. "Wir halten den Zustand für untragbar", heißt es darin. Da in den betroffen Gemeinden seit der Kommunalwahl etwa ein Drittel der Ratsmitglieder neu sei, sollten die Gremien über den aktuellen Stand informiert und weiterhin eingebunden werden. Groß regte an, zusammen mit den Planungsverantwortlichen der Kreisstadt eine Informationsveranstaltung für alle vier Kommunen zu planen - notfalls auch online. Außerdem sollten nicht nur die Bürgermeister über die Konversion beraten, sondern in allen Kommunen Vertreter aller Fraktionen mit dabei sein. "Die Gestaltung der Zukunft auf dem Fliegerhorstgelände nach Abzug der Bundeswehr, voraussichtlich 2026, muss jetzt beginnen", heißt es im Antrag, wozu Groß ausführte, dass man sich bemühen solle, einen "neuen Ansatz für eine Zusammenarbeit" zu finden, der es ermöglicht, die bisherigen "Verirrungen" auszublenden.

© SZ vom 11.02.2021
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