Emmering Kontrabassklang mal vier

Das Kammermusik -Ensemble "Bassiona Amorosa" erntet für sein Konzert im Emmeringer Bürgerhaus großen Beifall.

(Foto: Günther Reger)

Kammermusik der besonderen Art mit "Bassiona Amorosa" in Emmering

Von Klaus Mohr, Emmering

Es gibt Instrumentalbesetzungen, die erinnern fast automatisch an einen Zirkus, seien es dort nun akrobatische Nummern oder solche mit Clowns: Das Ensemble "Bassiona Amorosa" vereinigt mehrere Kontrabassisten zu Kammermusik der besonderen Art. Die Musiker verbindet ihre gemeinsame Studienzeit an der Münchner Musikhochschule bei Klaus Trumpf. Sie sind als Musiker an verschiedenen Orten tätig und finden sich immer wieder projektweise bei Bassonia Amorosa zusammen. Im ersten Bürgerhauskonzert des Jahres in Emmering waren die Kontrabassisten Andrew Lee, Giogi Makhoshvili, Ljubinko Lazic und Jan Jirmasek zu Gast, am Klavier unterstützt von Lilian Akopova.

Dass Camille Saint-Saëns den Elefanten in seinem "Karneval der Tiere" mit einem Kontrabass auftreten lässt, liegt nahe. Trotzdem hat diese "Rolle" nicht nur gewichtige Züge, sondern überrascht auch durch Grazie, ganz wie das tierische Vorbild. Nun waren es hier vier Kontrabässe. Auch da war viel Kantabilität zu hören, ohne dass die Wuchtigkeit überhand nahm. Vielleicht ist es das hervorstechendste Merkmal dieses Konzerts, dass sowohl die Erwartungen an ein so großes und tiefes Instrument erfüllt wurden, als auch gleichzeitig hörbar wurde, welches Chamäleon der Kontrabass ist. Und so, wie der eine Wesenszug durch die Vervierfachung noch deutlicher zum Vorschein kam, galt das auch für den anderen. Die klangliche Bandbreite wurde größer und bunter.

Die eingangs erklungene Polka "Donner und Blitz" von Johann Strauß nahm treffsicher die eine Seite der klanglichen Eigenschaften des Kontrabasses in den Fokus: Es dauerte etwas, bis sich die Hörer im bebenden Brummeln aller vier Instrumente zurechtfinden konnten. So schwungvoll der Gestus war, es klang in der mulmigen Tiefe wie eine Diesellok aus der guten alten Zeit. Der Klavierton war demgegenüber genau das Gegenteil, denn punktgenau markierten dessen Klänge den Verlauf. So sorgten die gute Laune und ein Augenzwinkern für den Applaus beim Publikum. Der andere Pol der Möglichkeiten auf dem Kontrabass wurde in den Variationen über eine Arie von Giovanni Paisiello aus der Feder von Giovanni Bottesini deutlich: Die Finger der Griffhand bewegten sich ausschließlich am Ende des Griffbretts, so dass jeweils nur ein kurzes Stück der Saite zum Klingen kam. Und auch in diesem Saitenteil wurden die Töne im Flageolett gegriffen, was bedeutet, dass sie sehr ätherisch eine Oktave höher zu hören waren. Die fesselnde Lieblichkeit, die aus diesen Tonfolgen resultierte, war unnachahmlich. Hinzu kam, dass das Klavier diese Kantilenen mit Tongirlanden umgarnte.

Nur an einer Stelle des Programms, das zum größten Teil aus Bearbeitungen bestand, kippte das dauerhafte Schmunzeln in karikierenden Klamauk: Aram Chatschaturjans Säbeltanz war an einer Stelle um das Schicksalsmotiv aus Beethovens fünfter Symphonie erweitert, um die Wunden des Säbels auch musikalisch zu illustrieren. Große Gefühle im Klavier und den vier Kontrabässen kam am Ende des Programms mit der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt auf. Die Bassisten stützten den Klavierklang nicht nur durch ein Fundament ab, sondern packten den Klang in Watte, was den Ausdruck wie in einem Brennglas intensivierte. Am Schluss gab es viel Beifall und Bravo-Rufe, die eine effektvolle Zugabe aus der tschechischen Volksmusik nach sich zogen. Diese endete wie Haydns Abschiedssymphonie dadurch, dass ein Musiker nach dem anderen sein Instrument ablegte und die Bühne verließ.