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Emmering:AfD will erstmals in den Kreistag

Christian Müller, AfD-Spitzenkandidat für den Kreistag

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gewählt wurden die Kandidaten ohne Öffentlichkeit, jetzt zeigen sie sich bei einem Neujahrsempfang

Die Alternative für Deutschland (AfD) will künftig im Landkreis Politik machen und geht mit einer eigenen Liste bei den Kommunalwahlen am 15. März an den Start. Man wolle den Altparteien im Kreistag auf die Finger schauen, kündigt der Kreistagskandidat Peter Banholzer an. Er verspricht bei einem Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbands im Emmeringer Bürgerhaus, "keinesfalls Fundamentalopposition" spielen zu wollen, sondern: "Wir wollen die konstruktive Auseinandersetzung zum Wohle unserer Heimat." Und es gehe darum, die AfD in der Bevölkerung zu "entdämonisieren".

Fünf Sitze im Kreistag hält Christian Müller, der die Liste anführt, für realistisch. Müller, 47, der auch stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Fürstenfeldbruck ist, war bereits im Landesvorstand der Partei tätig, aus München zog er wieder nach Emmering, wo er aufgewachsen ist. Er ist Geschäftsführer einer eigenen Firma. Der Egenhofener Immobilienberater Peter Banholzer, 60, wie Müller Stellvertreter im Kreisverband, steht auf Listenplatz zwei. Auf Platz drei bewirbt sich der Kreisvorsitzende Florian Jäger, 49, aus Olching, der als Referent für Öffentlichkeitsarbeit für den Augsburger AfD-Bundestagsabgeordneten Rainer Kraft tätig ist. 2013 und 2018 kandidierte Jäger selbst für den Bundestag. Insgesamt bleibt die AfD mit 18 Kandidaten weit unter jenen 70, die sie für den Kreistag nominieren könnte. Um die Liste zu verlängern, macht sie von der Möglichkeit Gebrauch, jeden Kandidaten dreimal zu nennen. Unter den 18 Kandidaten sind zwei Frauen. Einen Landratsbewerber hat die AfD nicht. Nominiert wurde in einer nichtöffentlichen Veranstaltung schon zwei Wochen zuvor. Darauf angesprochen sagt Müller: Öffentlich sei nicht üblich.

Zu den Wahlen von Stadt- und Gemeinderäten tritt die AfD im Landkreis nicht an, weil man dort, wie Müller auf Nachfrage sagt, als junge Partei noch "zu wenige Leute" habe und nicht über die Strukturen alteingesessener Parteien verfüge. Zudem könne sich wegen der "Stigmatisierung" mancher, der Interesse habe, "in seinem kleinen Ort" nicht zu einer Kandidatur für die AfD durchringen.

Beim Neujahrsempfang in Emmering stellen sich die drei Kandidaten Müller, Banholzer und Jäger den etwa 40 Anwesenden vor, nachdem der Bundestagsabgeordnete Kraft in seiner Rede gewarnt hatte: vom "Verlust der Freiheit" und vor einem "Umstieg auf eine sozialistische Ökodiktatur". Danach geht es ans Büffet. Man gibt sich bemüht, die AfD als "ideologiefrei und sachorientiert" darzustellen, wie Banholzer es formuliert. Die Kandidaten kämen "aus der Mitte der Gesellschaft" und seien alle im Landkreis verwurzelt. Allerdings lege man "wie niemand sonst den Finger in die Wunde", kündigt Banholzer an, der eigenen Angaben zufolge drei Jahrzehnte lang in der CSU war. Franz-Josef Strauß, sagt er noch, würde sich im Grabe umdrehen, "wie unser Land systematisch und ohne Not heruntergewirtschaftet wird". Es gibt Applaus.

Was man schon tun wolle, benennt Florian Jäger: "Reinpieksen, dass es weh tut." Alexander Gauland habe es "jagen" genannt, sagt er noch. Das wolle man "nicht mit Geschrei" tun, aber "die Vernunft zurückbringen". Bei Entscheidungen im Kreistag würde die AfD daher nicht interessieren, welche Partei einen Antrag gestellt hätte, es ginge allein um die Frage: "Was ist das Beste für unseren Kreis?", betont Jäger. Den Kreishaushalt wolle die AfD künftig "durchchecken", und wie Müller sagt, "eine Umkehr der Finanzpolitik im Landkreis" erreichen. Die Schulden seien zu hoch. Immer wieder sprechen die Redner die Anwesenden auch direkt an - vor allem dann, wenn es ums Geld geht. Davon solle im Kreis immer mehr ausgegeben werden, warnt Müller: "Und Sie als Steuerzahler sollen das bezahlen!"

© SZ vom 25.01.2020