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Eigenes Stromnetz:EVO fängt ganz klein an

Die Energieversorgung Olching legt im Gewerbegebiet Geiselbullach eigene Stromleitungen und bezeichnet sich selbst als kleinster Netzbetreiber Bayerns. So lange es einen Streit mit Eon um das städtische Stromnetz gibt, dürfte das auch so bleiben.

Olching-Strom

Die Stromanschlüsse sind gelegt, jetzt müssen nur noch die Firmen ins neue Olchinger Gewerbegebiet nach Geiselbullach kommen.

(Foto: Günther Reger)

Trotz der Verzögerungen bei der Übernahme des Olchinger Stromnetzes bezeichnet sich der städtische Energieversorger EVO jetzt als "kleinsten Stromnetzbetreiber Bayerns", wie EVO-Werkleiter Falk-Wilhelm Schulz sagt. Grund dafür sind die Leitungen, die das Unternehmen zur Elektrizitätsversorgung des neuen Gewerbegebiets an der Bundesstraße 471 verlegt hat. Drei Kilometer Mittelspannungsleitung und vier Kilometer Niederspannungsleitung: Daraus besteht das jüngste Stromnetz im Landkreis. Die Leitungen habe das Unternehmen verlegt, weil es einen Konzessionsvertrag für das städtische Stromnetz besitze, sagt Schulz.

Die Konzession hat der EVO jedoch noch nicht geholfen, das bestehende Stromnetz im Stadtbereich von Olching zu bekommen. Das gehört immer noch dem Energieversorger Eon. Dagegen hat die EVO bereits beklagt, nachdem sich in Verhandlungen mit dem großen Unternehmen keine Lösung ergeben hatte. Das Landgericht München hat Anfang August die Klage der EVO jedoch zurückgewiesen. Nun liegt die Beschwerde der Olchinger Energiefirma beim Oberlandesgericht. Schulz hofft, dass es im ersten Quartal des kommenden Jahres zu einer Verhandlung kommt.

Die Haltung der Firma Eon blockiert auch die Netzübernahme in anderen Kommunen - so in den Würmtalgemeinden Gauting, Planegg und Krailling. Das dortige Regionalwerk Würmtal will laut Geschäftsführer Heinz-Leo Geurtsen in der kommenden Woche darüber entscheiden, ob es den gerichtlichen Weg einschlagen oder sich an die Bundesnetzagentur wenden will.

"Deutlich entspannt" sieht Schulz überdies die Situation bei der Fernwärme. Die EVO habe einen neuen Wärmelieferungsvertrag mit der GfA ausgehandelt, sagte er am Freitag. Schulz hofft, die im Vergleich zum geltenden Vertrag günstigeren Konditionen bis zum Jahresende den Kunden im Schwaigfeld anbieten zu können. Da das Schwaigfeld fast bebaut sei, "wissen wir jetzt, was wir an Wärme loswerden", sagte der EVO-Werkleiter und ließ durchblicken, dass er sich diese Aufgabe zu Beginn seiner Tätigkeit leichter vorgestellt hat: "Wir haben schon dicke Bretter bohren müssen." Auch die Fernwärmerohre ins neue Gewerbegebiet sind fast fertig. Zum Jahreswechsel soll die Versorgung von Betrieben auf dem Gelände möglich sein.

Rund 3000 Kunden hat der Olchinger Energieversorger laut Schulz im Augenblick, zwei Drittel davon befinden sich im Stadtgebiet Olching oder im nahen Umland. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) sieht die geschäftliche Entwicklung der EVO daher positiv. Sie verlaufe sogar besser als erwartet, sagte er am Freitag. Zur Begründung verwies der Bürgermeister neben den genannten Entwicklungen auf den steten Ausbau der Fotovoltaik.

Ärger bereitet ihm nur die Verzögerung bei der Übernahme des Stromnetzes. Magg übt deshalb scharfe Kritik an der Bundesregierung. Allenthalben sei von der Energiewende die Rede, und die Kommunen würden ständig aufgefordert, dafür etwas zu tun. Doch dazu gehöre nun einmal die Übernahme der Stromnetze - im Olchinger Fall von Eon. Der Energiekonzern aber mache der Stadt die Übernahme äußerst schwer. Das könne der Konzern nur, weil die Gesetze nicht eindeutig seien, moniert Magg.