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Eichenau:Zum Match darf die Maske runter

Tennisspielen ist zwar wieder erlaubt, aber auch für diese Sportart gelten Hygieneregeln

Ruth Katikaridis und Yvonne Kaiser warten auf der Anlage des Tennisclubs Eichenau auf ihr Trainingsmatch. Sie sitzen auf der Bank vor dem umzäunten Platz und tragen beide einen Mundschutz. Der ist beim TC Eichenau vorgeschrieben, nachdem das bayerische Innenministerium den Trainingsbetrieb von Sportarten wie Leichtathletik und Tennis an der frischen Luft als "kontaktfreien Individualsport" wieder zugelassen hat. Sporthallen, Sportplätze, Sportanlagen und andere Sporteinrichtungen bleiben dagegen weiterhin zu. Die Öffnung der Tennisplätze, zum Beispiel beim TC Puchheim, dem TC Kreuzliner Forst in Germering, dem ASV Biburg und dem TC Eichenau, hat wohl auch damit zu tun, vermuten die Vereine, dass Ministerpräsident Markus Söder ebenfalls Tennisspieler sei.

"Den Mundschutz können wir erst ablegen, wenn wir auf dem Platz sind", klärt Yvonne Kaiser in Eichenau auf. "Wir sind einfach nur happy, dass wir nach elf Wochen Pause wieder spielen", fügt Katikaridis hinzu. Wenig später fliegen die Bälle übers Netz, und man spürt die Lust der beiden Frauen am Spiel. Jacqueline Engelmann, die Vorsitzende des TC Eichenau, ist auch gekommen. Auch sie trägt Mundschutz und bittet gerade ein älteres Vereinsmitglied, das mit dem Fahrrad auf die Anlage gekommen ist, wieder wegzufahren. "Zuschauer sind leider nicht zugelassen", sagt Engelmann, und der Mann verlässt auch ohne Widerspruch die Tennisplätze.

Eichenau Tennis

Maskenpflicht: Nach dem Match tragen Ruth Katikatidis (links) und Yvonne Kaiser wieder Mund-Nasen-Schutz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Engelmann, die seit acht Jahren Vereinschefin des mit fast 600 Mitgliedern größten Tennisclubs im Landkreis ist, arbeitet hauptberuflich als Rechtsanwältin und sieht die vielseitige Verordnung, die der Bayerische Tennisverband (BTV) und der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) den Vereinen zugestellt haben, freilich auch unter rechtlichen Gesichtspunkten. "Drei Seiten hat der BLSV allein zur Haftung des Vereinsvorstandes verschickt", sagt Engelmann. Da müsse der Verein einiges tun, um auf der sicheren Seite zu sein. Sie hat deshalb eine allgemeine Maskenpflicht auf der Anlage außerhalb der Spielplätze angeordnet. Der BTV hatte das nur bei Bedarf empfohlen. Maskenpflicht auch deshalb, weil die Gänge zwischen den Courts nur etwa zwei Meter breit sind und deshalb der 1,5-Meter-Abstand, wenn sich zwei Mitglieder begegnen, nicht immer eingehalten werden kann. "Besser mit Maske", bekräftigt Engelmann, "da ist die Begegnung zwangloser."

Inzwischen sind bei Sonnenschein am späten Nachmittag fast alle zehn Sandplätze belegt. Doppel wird nicht gespielt, obwohl die Verordnung vier Spieler und einen Trainer auf einem Platz zulässt. Doch ein wettkampfmäßiges Doppel ist nicht erlaubt, weil es dabei zu engen Begegnungen der Spieler kommen könnte. "Damit ist auch die Mannschaftssaison, die am 8. und 9. Juni beginnen soll, in Gefahr", sagt Engelmann. Die zweimonatige Tennis-Mannschaftssaison in allen Altersklassen bis zu den 80-Jährigen ist einer der Höhepunkte in den Breitensportvereinen. Doch da müssen neben den Einzelspielen auch drei Doppel gespielt werden. "Dürfen dann da Zuschauer kommen?", fragt Engelmann, die normalerweise selbst im ersten Frauenteam, der "Damen 50", wie es offiziell heißt, mitspielt. Sie setzt jedoch dieses Jahr aus, weil sie noch einen erlittenen Kreuzbandriss im Knie ausheilt. Die Zuschauerfrage ist nicht die einzige, die noch einer Klärung bedarf. Engelmann sicher: "Einen richtigen Plan hat der BTV für die Mannschaftsspiele noch nicht."

Eichenau Tennis

Auf die Toilette darf nur eine Person, so wollen es die Hygieneregeln.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Vereinsvorsitzende hat aus dem eigenen Club schon zwei Absagen erreicht. Die zweiten Mannschaften der Altersklasse 40 und 50 wollen nicht spielen. Abgesagt werden mussten auch die zwei Top-Turniere des TC Eichenau: Die Eichenau Open und die Kommenergie Junior Open. Das habe negative finanzielle Auswirkungen für den Verein. "Wir werden dieses Jahr wohl mit einem blauen Auge davon kommen", spekuliert Engelmann auf der Terrasse des Clubs. "2021 kann ich noch nicht einschätzen."

Auf der Terrasse ist auch der Zugang zur Toilette, in die jeweils nur eine Person eintreten darf, damit man nicht im Gang aneinander vorbei muss. Wie das sein wird, wenn die Club-Gastronomie wieder geöffnet ist, weiß man nicht. Auch die Duschen und Umkleiden sind noch zu. Der Vereinswirt könnte auf der Terrasse schon wieder öffnen. Doch die Abstandsregeln versprechen ihm offenbar kaum Geschäft. Er wird wohl erst wieder tätig werden, wenn er auch drinnen Gäste bewirten kann. "Uns fehlt das soziale Leben miteinander im Vereinslokal", haben auch Kaiser und Katikaridis als wesentliches Manko der aktuellen Lage ausgemacht. Ihre Ballwechsel funktionieren trotz Pause aber schon wieder erstaunlich gut.

© SZ vom 26.05.2020

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