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Eichenau:Wohnen über Autodächern

Auf der Südseite des Bahnhofs Eichenau kann sich die Bahn ein kleines neues Wohnviertel vorstellen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Bahn hat Eichenau für ein Pilotprojekt ausgesucht. Auf der Park-and-ride-Anlage vor dem Bahnhof könnten bis zu 100 neue Wohnungen für eigene Mitarbeiter entstehen, ohne dass Stellplätze verloren gingen

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Unten parken, oben wohnen - für alle, die erst ihren Wagen in die Tiefgarage und dann mit dem Lift in die Wohnung fahren, ist das nichts Ungewöhnliches. In Eichenau aber wäre es schon etwas ganz Neues, denn die Wohnungen würden auf einen "Deckel" über dem Park-and-Ride-Platz auf der Südseite des S-Bahnhofs gebaut. Das wäre zumindest eine von fünf Varianten, wie das Gelände südlich des Bahnsteigs geplant werden könnte. Vorgestellt hat diese Überlegungen der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München in der Sitzung des Ortsentwicklungsausschusses am Montagabend.

Dass in Eichenau ein völliges neues Wohngebiet entstehen könnte, obwohl es in der Gemeinde kaum mehr bebaubare Grundstücke gibt, geht auf die Deutsche Bahn zurück. Die benötigt in den kommenden Jahren in ganz Deutschland 100 000 neue Mitarbeiter, und die wollen untergebracht werden. Denn wie für viele andere Beschäftigte in der Region München gilt auch bei der Bahn: es fehlt an Wohnraum, den sich die Mitarbeiter leisten können. Bei der Suche nach zunächst einmal preiswertem Grund schaut die Bahn nun auf die Parkplätze und P&R-Anlagen, die als große stille Reserve für den Wohnungsbau gelten. Ohne Parken einzuschränken - die Autofahrer dürften ja alle Kunden der Bahn sein - würden die Stellplätze im wahrsten Wortsinn überbaut. Zumindest in einem der Entwürfe, die die Architektin Kathrin Geßl vom Planungsverband zeigte, blieben fast alle der jetzt vorhandenen 190 Stellplätze enthalten. Ohne irgendwelche Berechnungen angestellt zu haben, vermuteten einige Gemeinderäte bis zu 100 neue Wohnungen auf dem in Frage kommenden südlichen Parkplatz. Klar wurden den Mitglieder der Ortsentwicklungskommission aber auch, dass auch andere Flächen auf der Bahnhofsüdseite für den Geschosswohnungsbau genutzt werden könnten.

Die Gemeinde Eichenau, erläuterte Bürgermeister Peter Münster (FDP), hätte die Planungshoheit und sie hätte es mit zwei Verhandlungspartnern zu tun. Dem Freistaat, der dort Staatsbedienstetenwohnungen bauen könnte und der Bahn, die Wohnraum für ihre Beschäftigten möglichst preiswert und möglichst nah an München haben möchte.

Wenn die Bahn nach Münsters Worten im kommenden Jahr wieder auf die Gemeinde wieder zukommt, dann soll sich zumindest einmal schon der gesamte Gemeinderat ein erstes Bild von den Planungsmöglichkeiten gemacht haben. Die lediglich beratende Ortsentwicklungskommission, in der neben Gemeinderäten auch Vertreter der Verwaltung sowie die Planer vertreten sind, sprach sich schon mal dafür aus, die Gespräche zu beginnen. Zu überlegen sei auch, so Planerin Geßl, ob nicht ein Teil oder fast alle der öffentlichen Parkplätze auf der Nordseite untergebracht werden könnten. Dort wären zwei Parkhäuser zu bauen, meinte Münster, jeweils mehr als 200 Autos könnten dort abgestellt werden.

Stellplätze ausschließlich auf der Nordseite hätten nach übereinstimmender Meinung in der Kommission den Vorteil, dass sich der Autoverkehr auf der ohnehin schwierig zu befahrenen Bahnhofstraße reduzieren würde. Pendler mit dem Auto hätten einige hundert Meter mehr zu fahren, um über die Schillerstraße zu den Parkplätze zu kommen. Im südlichen Bahnhofsbereich würden sich aber neue Möglichkeiten der Mobilität inklusive eines Fahrradparkhauses ergeben. Frei von einer Überbauung soll auf jeden Fall die Wendeschleifen vor dem Bahnhof bleiben.

© SZ vom 13.11.2019

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