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Eichenau:Weniger trällern, die Töne lieber länger halten

FÜRSTENFELDBRUCK:  Denis Veliov im Porträt

Das Gitarrespielen hat sich Denis Veliov selber beigebracht. Seine Zukunft sieht er auf jeden Fall in der Musik.

(Foto: Leonhard Simon)

Der Eichenauer Denis Veliov wurde gefragt, ob er Deutschlands Superstar werden wolle, und bewarb sich. Nun geht es für ihn in die nächste Runde

Von Valentina Finger, Eichenau

Es ist nicht überraschend, dass sich Denis Veliov auf der Bühne wohlfühlt. Schon eine einfache Unterhaltung mit ihm hat Entertainment-Charakter. Kommt ein Song im Radio, den er mag, summt er leise mit und bewegt sich zum Beat. Wenn er erzählt, gestikuliert er lebhaft. Wenn er zuhört und sich dabei voll in sein Gegenüber einfühlt, vermittelt das sein ganzer Körper. Diese sprudelnde Energie steckt Veliov am liebsten in die Musik. Seit seiner frühen Kindheit sei sie seine größte Leidenschaft, erzählt er. Im Frühjahr wollte der 27-Jährige Ernst machen und bewarb sich für die 18. Staffel der TV-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Bislang mit Erfolg, denn nun geht es für ihn in die nächste Runde.

Veliov ist in Augsburg geboren und lebt in Eichenau, wo er auch aufgewachsen ist. Derzeit absolviert er in Fürstenfeldbruck eine Ausbildung zum Sport- und Gesundheitstrainer. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er außerdem bei einer Datenbank für Schauspieler gemeldet. Erst wurden ihm Komparsenrollen vermittelt. Dann wirkte er in Werbefilmen oder in Fernsehproduktionen wie "Taff", "Galileo" und "Die Rosenheim Cops" mit. 2017 war er in einigen Szenen der Tragikomödie "Mein Blind Date mit dem Leben" auch im Kino zu sehen. Über eine solche Datenbank wurden die Redakteure des Senders RTL auf ihn aufmerksam, der auch "DSDS" produziert. Im Februar bekam er die ersten Anrufe, im Mai die entscheidende E-Mail: Sie wollten ihn. "Diese Mail hat mich inspiriert und motiviert, wirklich teilzunehmen", sagt Veliov.

Das Ironische daran: Obwohl die Castingshow seit fast 20 Jahren ausgestrahlt wird, hat er sie selbst nie gesehen. "Ich weiß natürlich, wie die Sendung abläuft, aber ich habe sie nie verfolgt", sagt er. Sein Interesse galt eher den etwas anders aufgebauten Formaten "The Voice" oder auch "Popstars", wo sein Cousin vor einigen Jahren erfolgreich teilnahm. Nachdem die "DSDS"-Redaktion ihr Interesse bekundet hatte, nahm Veliov Videos von sich auf und schickte sie ab. Bald darauf wurde er zu einem Vor-Casting in Köln eingeladen. Dort sang er "The Way You Make Me Feel" von Michael Jackson vor Dieter Bohlen und den an der Show beteiligten Produzenten. Das Feedback war positiv. Lediglich ein paar Ratschläge gaben ihm die Experten mit auf den Weg: Er solle ein bisschen weniger trillern und die Töne lieber etwas länger halten.

Ähnliches Feedback hatte er zuvor schon von seiner Mutter bekommen, die Sängerin ist. Sein Vater arbeitet als Bühnentechniker am Staatstheater am Gärtnerplatz. So konnte Veliov von klein auf mitverfolgen, was auf und hinter der Bühne passiert. Mit vier Jahren trat er als Tänzer vor Publikum auf. Wenige Jahre später begannen er und sein älterer Bruder, eigene Musik-Samples am Computer zu schneiden. Sein Bruder war es auch, der ihm beibrachte, wie man Klavier spielt und Saltos macht. "Er hat mich gedrillt", erinnert sich Veliov. "Wenn etwas schlecht war, hat er es auch gesagt. Aber das war gut, so wurde ich zum Perfektionisten."

Das Schlüsselerlebnis hatte er im Musikunterricht an der Schule. Als der Lehrer die Klasse aufforderte, einen bestimmten Ton zu treffen, gelang ihm das sofort. Damals wurde ihm bewusst, dass er musikalisches Talent hatte. In den Folgejahren traten sein Bruder und er regelmäßig auf Veranstaltungen auf und nahmen an Meisterschaften teil. Nebenher brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei.

Auch bei "DSDS" will er sich selbst an Klavier und Gitarre begleiten, nächste Woche in Mainz. Dort kommt eine Vorauswahl an Kandidaten unter strengen Corona-Auflagen auf einem stillliegenden Kreuzfahrtschiff zusammen. Dann muss Veliov schon um halb acht am Morgen vor die Jury treten, in der neben Dieter Bohlen auch die Sänger Michael Wendler, Maite Kelly und Mike Singer sitzen. "Ich bin gespannt, ob meine Stimme so früh schon funktioniert", sagt er.

Die Songs für diesen Anlass wurden ihm bereits zugeteilt. Starten wird er mit "Stack It Up" von Liam Payne. Weil er auch privat gerne Soul, Blues und R'n'B singt und hört, ist er mit der Auswahl der Produzenten sehr zufrieden.

Derzeit verbringt Veliov viel Zeit damit, sich mit Clips aus früheren "DSDS"-Staffeln auf das vorzubereiten, was ihn erwartet. Als man ihn in Köln gefragt habe, wieso er bei der Show mitmachen wolle, habe er geantwortet: "Weil ich gewinnen will." Doch selbst, wenn er nicht gewinnen sollte, sieht er seine Zukunft in der Musik. Unter dem Künstlernamen Deno Jones hat er mit zwei Freunden das Musikprojekt "23" ins Leben gerufen.

Das Trio produziert eine Mischung aus Rap, Rock, Funk und Soul mit tiefgründigen Texten, die sich mit persönlichen Erfahrungen beschäftigen. In Kürze wollen sie ihr erstes Video auf Youtube veröffentlichen. "Ich weiß, dass dieser Weg klappen wird. Ich werde mein Ding machen", sagt Veliov. Wenn durch seine Teilnahme bei der Show mehr Menschen auf ihn aufmerksam werden würden, wäre das schon ein großer Sieg. Die neue Staffel von "DSDS" wird von Januar an auf RTL ausgestrahlt.

© SZ vom 12.09.2020

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