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Eichenau:Treue Volkshochschüler

VHS-Geschäftsführerin Charlotte Mosebach im Übertragungsstudio für Online-Kurse.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kursteilnehmer spenden ihre Gebühren an die örtliche VHS und ermöglichen den Betrieb während der Pandemie

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

"Haus 37" ist in Eichenau eine Institution. Denn es gibt sicher nur wenige Eichenauerinnen und Eichenauer, die nicht wissen, dass sich dort, an der Hauptstraße 37, die Volkshochschule befindet. Mit zwei Programmen jährlich, zahlreichen bekannten wie auch neuen Referentinnen und Referenten präsentiert die VHS regelmäßig anspruchsvolle Erwachsenenbildung. Die Kursteilnehmer haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine große Treue zu "ihrer" VHS entwickelt, und diese Treue hat sich in den zurückliegenden Monaten buchstäblich ausgezahlt.

Als während der ersten staatlichen Beschränkungen von März vorigen Jahres an Kurse ausfielen und nun, im zweiten Lockdown, erneut Veranstaltungen nicht mehr stattfinden konnten, schrieb Geschäftsführerin Charlotte Mosebach an alle, die sich für Kurse angemeldet und ihren Beitrag geleistet hatten, persönliche Briefe. In denen kündigte sie die Rückzahlung des Kursbeitrags an, wies aber auf die schwierige Lage der VHS hin und ließ die Adressaten bestimmen, was mit ihrer Gebühr passieren sollte. Um Porto zu sparen, trugen Mosebach und Mitarbeiter die Briefe persönlich in Eichenau aus.

Die meisten der Angeschriebenen schickten Mosebach Antwortschreiben, in denen sie mitteilten, die VHS könne das Geld als Spende behalten. "Jeden Morgen fielen mir die Briefe schon entgegen, sobald ich den Briefkasten aufgemacht hatte", beschreibt Mosebach die glücklichen Momente. Waren es im vergangenen Jahr etwa 10 000 Euro, mit denen die VHS wirtschaften konnte, dürften es nun etwas weniger Spenden sein, vermutet Mosebach. Noch hat sie nicht alle Kurse des Wintersemesters abgerechnet, aber bis vor Kurzem lief die zweite Spendenaktion.

Weil der Lockdown erneut verlängert wurde, wird auch das Frühjahr-/Sommersemester am 22. Februar nicht mit Präsenzveranstaltungen beginnen können. Die Eichenauer VHS ist darauf eingestellt und bietet Online-Kurse deshalb im Viererpack an. Das sei nur fair den Teilnehmern gegenüber, argumentiert die Geschäftsführerin. Schließlich könne es Teilnehmer geben, die mit den über die App Zoom übertragenen Kursen nicht so viel anfangen könnten und den Kurs online nicht fortsetzen wollten. Anderen wiederum würden nach der ersten Einheit die weiteren vier Folgen angeboten. Und so weiter. So sei man in der Lage, flexibel reagieren zu können, sollten die Beschränkungen gelockert werden und ein Normalbetrieb möglich sein.

Sehr beliebt seien derzeit Anleitungen zur körperlichen Fitness, sagt Mosebach. Zumba, zum Beispiel, wird von Trainerin Antonina Aldoshyna angeboten. Doch die Zumba-Lehrerin werde nicht um halb neun Uhr abends bei sich zu Hause die Übungen vor der Kamera vormachen, sondern im Haus 37. Dort hat die VHS mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde für die Übertragungstechnik ein kleines Studio eingerichtet, aus dem mit der Zoom-App gesendet wird. Ein großes Notebook, Kamera sowie Licht und Mikrofon genügen, um Anleitungen zu geben.

Neben den Fitness-Programmen, die in einem größeren Teil des Raums stattfinden können, gibt es laut Mosebach einen kleineren Bereich mit entsprechendem Hintergrund, in dem Vorträge gehalten werden können. Die VHS-Leiterin ist zuversichtlich, dass nicht alle Kurse im kommenden Semester online stattfinden müssen, sondern dass ein Teil auch wieder von ihren Volkshochschülern gemeinsam erlebt werden kann.

© SZ vom 13.02.2021
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