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Eichenau:Noch eine Petition aus Eichenau

Noch mindestens ein Gleis, ein Radschnellweg und die Aubinger Straße auf neuer Trasse müssten an dieser Stelle untergebracht werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Landtag soll sich weiter mit dem viergleisigem Ausbau der S4 beschäftigten, meint der Gemeinderat

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Das eine tun, das andere aber nicht lassen - in dieser Situation befindet sich der Eichenauer Gemeinderat, wenn es um das Thema "Ausbau der S4" geht. Denn während die Pläne der Bahn für einen dreigleisigen Ausbau immer weiter voranschreiten, möchte der Gemeinderat nicht von seinem dringenden Wunsch nach einem viergleisigen Ausbau lassen. Und so haben die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung zwar die jetzt konkreter werdenden Planungen auf Eichenauer Gemeindegebiet beraten, aber gleichzeitig erneut eine Petition an den Landtag verfasst.

Die Petition geht auf einen Antrag der Grünen vom März dieses Jahres zurück. In der Zwischenzeit ist schon wieder viel passiert, unter anderem haben die Bahnplaner im Juli ihre Trassenführung und den Aus- und Umbau des Haltepunkts Eichenau für drei Gleise vorgestellt. Auch wenn es inzwischen neue politische Überlegungen für eine Viergleisigkeit auf der Strecke S4 West gibt, so will der Gemeinderat dies noch einmal an den Landtag herantragen. Der Beschluss über den Text der Petition fiel einstimmig.

Die damit befassten Abgeordneten werden also zu lesen bekommen, dass die S4 zu jenen S-Bahnlinien gehöre, die vor ihrer Einbindung in die Stammstrecke die meisten Fahrgäste habe. Aber ausgerechnet diese Linien habe keinen eigenen Gleise, der Fernverkehr mische sich mit dem Nahverkehr. Die Forderung des Gemeinderats macht aber nicht an der Gemeindegrenze nach Puchheim Halt, sondern wird auf die Ertüchtigung des "Westkopfs Pasing" erweitert. "Unseres Erachtens wäre ein nur dreigleisiger Ausbau, zumal nur bis Eichenau, im Zweifelsfall dich nichts anderes als teure Flickschusterei", heißt es in der Petition wörtlich. Der Gemeinderat sieht die Gefahr, dass "die Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit der S4-West zementiert" und die Zugzahlen des Regionalverkehrs von München ins Allgäu wie auch des Fernverkehrs in die Schweiz auf lange Zeit limitiert würden.

Dass die Grünen eigentlich auch gar nicht mehr über die weiteren dreigleisigen Planungen reden wollten und um Absetzung des Punktes von der Tagesordnung beantragten, lehnte ihnen eine Mehrheit ab und zwang sie zur Auseinandersetzung mit den Vorschlägen. Die Bahn plant nämlich, den Haltepunkt Eichenauer in seiner Gesamtheit weiter nach Osten zu verschieben und die meisten der bisherigen Zugänge aufzulösen. Statt bislang sieben Stellen, an denen die Bahnsteige erreicht werden können, sollen es in Zukunft nur noch zwei an zentraler Stelle sein. Die zwischenzeitlich vorgebrachte Idee aus der CSU, nur den Bahnhof viergleisig auszubauen, hält Verkehrsreferent Andreas Knipping (SPD) für "eine der lustigsten Varianten seit langem". Er erklärte dem Kollegium, dass ein isolierter Ausbau des Bahnhofs nicht möglich sei. Entweder werde drei- oder viergleisig gebaut.

Ein Eingriff in die Natur würde den Unterlagen und der Diskussion zufolge entlang der Aubinger Straße verursacht. Neben dem Platz für ein oder sogar zwei Bahngleise würde auch eine fast sieben Meter breite Trasse für den geplanten Radschnellweg benötigt. Kosten pro Kilometer: 1,55 Millionen Euro. Hinzu käme eine komplette Aubinger Straße, die durch das angedachte Eichenauer Gewerbegebiet Nord hindurchführen könnte, ohne Olchinger Grund zu belasten. Die Gemeinderäte befürchten aber, dass der Wald am Zitzstaudengraben, der eine optische Trennung zwischen Eichenau und Puchheim darstellt, nicht erhalten werden könne. Bedauert wurde auch, dass bei einem Bahnhofsumbau das historische Dach abgerissen werde.

© SZ vom 29.11.2019

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