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Eichenau:Notgruppe genehmigt

In Eichenau fehlen zehn Krippen-Plätze

Von Karl-Wilhelm Götte, Eichenau

Eichenauer Eltern haben ein Betreuungsproblem für ihre Kinder. Es fehlen im September zehn Krippenplätze. Zahlenmäßig hat sich die Not etwas gelindert, denn Anfang Juni waren es noch 37 fehlende Plätze gewesen. Die Nachfrage hat sich auch deshalb ausgedünnt, weil mehrere Kinder, die auf der Warteliste standen, erst im Laufe des Kindergartenjahres das erste Lebensjahr vollenden und später nachrücken. Nach einer gut 45-minütigen Debatte entschied sich der Gemeinderat einstimmig dafür, im gemeindeeigenen "Sterntaler"-Kindergarten eine Krippen-Notgruppe für zwei Jahre einzurichten. Eine mittel- oder gar langfristige Lösung, die wiederkehrende Notlage zu beheben, wird immer drängender.

Nach einer guten halben Stunde Diskussion wurde es Hannelore Münster (FDP) zu viel: "Die Eltern müssen planen - eine kurzfristige Lösung muss jetzt her." Da hatte sich bereits eine Mehrheit im Rat für den "Sterntaler"-Kindergarten abgezeichnet. Der hat bereits Erfahrung mit Notgruppen. Er musste bereits in der Vergangenheit schon mal eine Notgruppe für zwei Jahre unterbringen. Dafür muss eine bereits bestehende Stammgruppe in die Turnhalle umziehen. Die Krippen-Notgruppe übernimmt deren Raum. Das Turnen der Kinder findet dann im großen Vorflur der Einrichtung statt. Umbaumaßnahmen sind notwendig, so müssen unter anderem Podeste an den Toiletten angebracht werden. Dafür kann "Sterntaler" die Notgruppe mit dem vorhandenen Personal bewältigen, trotzdem will die Gemeinde noch eine zusätzliche Stelle schaffen.

"Umbaumaßnahmen wären auch bei den anderen Varianten notwendig gewesen", betonte Bürgermeister Peter Münster (FDP). Zur Debatte für die Installation der Not-Krippengruppe standen auch noch die "Rasselbande" der Nachbarschaftshilfe mit ihrer Tagesstätte an der Bahnhofsstraße sowie deren Räume des ehemaligen Kinderparks und Miniklubs an der Fasanstraße. Auch der Kinderhort im katholischen Schutzengel hat sich angeboten, weil der dortige Hortbetrieb möglicherweise nicht weitergeführt werden kann. "Keine der Lösungen ist optimal", schätzte Münster ein. Sollte die Variante "Sterntaler" wider Erwarten nicht funktionieren, hat der Gemeinderat auch für die Auswahl der anderen Einrichtungen dem Bürgermeister grünes Licht gegeben. Die Diskussion der Gemeinderäte kreiste jedoch auch um die Zukunft.

"Es ist traurig", hob Rike Schiele von den Grünen an, "jedes Jahr haben wir die gleiche Debatte, mal fehlen Hortplätze, dann Kindergartenplätze und jetzt wieder Krippenplätze." Schiele, auch dritte Bürgermeisterin Eichenaus, forderte nachdrücklich "eine langfristige Lösung". Momentan muss die Gemeinde 41 Prozent der Kinder im Krippenalter in ihren Einrichtungen unterbringen. Die Tendenz ist sicherlich steigend, zumal sich abzeichnet, dass "der Jahrgang 2020 das Potenzial zu einem geburtenstärkeren Jahrgang hat", so der Bürgermeister, der bis Mai von sieben Geburten in diesem Jahr berichtete. Doch auch jährlich 700 Zu- und Wegzüge aus Eichenau erschweren der Gemeinde eine exakte Bedarfsplanung. Michael Wölfl (CSU) plädierte mittelfristig dafür, aus dem ehemaligen Kinderpark und Miniklub "ein Kinderhaus zu kreieren". Dort sei die Infrastruktur vorhanden und "der Aufwand überschaubar". Auch Angela Heilmeier (Freie Wähler) und Martin Eberl (SPD) forderten eine langfristige Planung. Rathauschef Münster konnte dem Vorschlag Wölfls etwas abgewinnen, ebenso der Variante "Schutzengel". Er stellte für den kommenden Dezember eine Debatte darüber in Aussicht.

© SZ vom 25.06.2020

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