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Eichenau:Neue Impulse für die Gemeinde

Ortsentwicklungskommission gibt Empfehlungen ab

Wenn in 30 oder 40 Jahren an der Eichenauer Hauptstraße die Alleebäume in die Höhe gewachsen sind und schon an die fünften Geschosse heranreichen, dann sind die Grundlagen für die urbane Gestaltung der Durchgangsstraße im Jahr 2020 gelegt worden. Die Ideen stammen aus einer Art Denklabor, in dem sich Gemeinderäte, Bürgermeisterund zwei Städteplaner sich in fünf Sitzungen Gedanken gemacht haben, wie das Eichenau der Zukunft aussehen könnte. Herausgekommen sind völlig neue Impulse: eine Hauptstraße mit markanten Gebäuden, Wohnungen statt Parkplätzen und der Sicherung des Gartenstadtcharakters abseits der Durchgangsstraße. Ganz formal hat die Kommission in ihrer letzten Sitzung dieser Wahlperiode am Donnerstag Empfehlungen an den Gemeinderat ausgesprochen.

Das, was sich da innerhalb eines Jahres entwickelt hat, hat seinen Ursprung in dem tiefen Wunsch der Eichenauer Kommunalpolitik, sich nicht irgendwann oder schon bald dem Druck von Investoren beugen zu müssen, sondern eine selbstbestimmte Rahmenplanung vorzugeben. Denn Eichenau hat wenig Entwicklungsmöglichkeiten, der Platz, auf dem neu gebaut werden kann, ist begrenzt. Dass die sich von Nord nach Süd durch Eichenau ziehende Hauptstraße die Entwicklungsachse sein müsse, war den von ihren Fraktionen in die Kommission entsandten Gemeinderäten vorgegeben. Wie ein bereits existierendes Einzelhandelskonzept umgesetzt und weiterentwickelt werden könnte, wo noch Geschäfte eröffnet, Praxen bezogen, Büros und Wohnungen neu vermietet werden könnten, bei dieser Frage halfen die Architekten Kathrin Geßl und Christian Schwander vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Ihre Entwürfe für die Gestaltung der Hauptstraße bestärkten die Kommission in ihrer Empfehlung, möglichst viel Raum beidseits der Straße zu lassen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Was an Platz "unten" benötigt und von einer Hausgrundfläche abgezogen werden muss, soll einem Bauwerber "oben" gutgeschrieben werden. So könnten an einigen Stellen vier bis fünfstöckige Gebäude gebaut werden. Um nicht den Eindruck zu erwecken, man gehe oder fahre durch eine Schlucht, sollen nicht nur entlang der Hauptstraße Bäume gepflanzt werden, auch an den Einmündungen der Seitenstraßen. Dass in die Zukunftsüberlegungen der Kommission die Bahn mit Wohnbauplänen platzte, konnte das kleine Denklabor nicht verunsichern. Es fügte sich gut, weil Planerin Geßl sofort Ideen für die gewünschte Überbauung der Parkplätze äußern konnte. Nun ist man so weit, dass Bürgermeister Peter Münster (FDP) erste Gespräche mit Bahn, Freistaat und der "Hilfe im Alter gGmbH" als Träger des Eichenauer Pflegezentrums führen kann. Die Bahn will Wohnungen für ihre Lokführer, der Freistaat für seine Beschäftigten, das Pflegezentrum für seine Mitarbeiter, und es wünscht sich eine Tagesklinik direkt am Bahnhof. Die Entwürfe sehen zwischen 70 und 140 Wohnungen vor, außerdem wäre Platz für den Einzelhandel. Um den Gartenstadtcharakter zu erhalten, hat die Kommission Vorgaben gemacht: Keine hohen Einfriedungen mehr, keine hohen Hecken und vor allem keine Thujen, keine Kiesgärten und Gabionenwände, mehr Platz im Vorgarten und Durchblicke von der Straße in die die Gartenstadt prägenden Gärten. Alles Empfehlungen und noch keine Entscheidungen.

© SZ vom 18.01.2020