EichenauSo kann nachhaltiges Leben gelingen

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Die Organisatoren des ersten Nachhaltigkeitstags für Ernährung und Naturgarten: Richard Bartels von Slow Foos (von links), Bürgermeister Peter Münster, Barbara Manhart von der Bäckerei Brotmeister, Michaela Bock und Max Keil von der Agenda 21 sowie die Gemeinderätinnen Lisa Stockmann und Marion Behr, die auch Umweltreferentin ist.
Die Organisatoren des ersten Nachhaltigkeitstags für Ernährung und Naturgarten: Richard Bartels von Slow Foos (von links), Bürgermeister Peter Münster, Barbara Manhart von der Bäckerei Brotmeister, Michaela Bock und Max Keil von der Agenda 21 sowie die Gemeinderätinnen Lisa Stockmann und Marion Behr, die auch Umweltreferentin ist. (Foto: Johannes Simon)

Nachhaltigkeit hat in der Politik momentan keinen guten Stand. Umso mehr muss an der Basis geschehen, sagen die Veranstalter des Tags in Eichenau, bei dem es viele Tipps gibt, wie jeder Einzelne zur Artenvielfalt und Umweltschutz beitragen kann.

Von Ingrid Hügenell, Eichenau

In der Friesenhalle Eichenau dreht sich am Sonntag, 4. Mai, alles um das Thema Nachhaltigkeit. Von zehn bis 17 Uhr soll der erste Nachhaltigkeitstag für Ernährung und Naturgarten zeigen, wie jede und jeder Einzelne aktiv zum Schutz von Umwelt und Klima beitragen kann - mit bewussten Entscheidungen und Taten. Der Eintritt zu der ganztägigen Veranstaltung ist frei.

Gerade jetzt, wo das Thema in der Bundespolitik nicht die notwendige Beachtung erfahre, sei es wichtig, „Nachhaltigkeit an der Basis zu praktizieren“, sagt Marion Behr, Umweltreferentin der Gemeinde Eichenau, und Bürgermeister Peter Münster ergänzt: „Nachhaltigkeit war in der Menschheitsgeschichte immer ein Thema.“ Hätte die Menschheit es nicht geschafft, so zu leben, wäre sie längst ausgestorben. „Vieles, was wir heute tun, ist nicht nachhaltig, zum Beispiel unser Umgang mit Lebensmitteln“, entgegnet Richard Bartels von Slow Food Fünfseenland. Das zu ändern, dazu möchten Initiatorin Lisa Stockmann, Gemeinderätin in Eichenau, und die Veranstalter insgesamt beitragen.

Die Gemeinde Eichenau und Slowfood sind zwei davon, weitere sind der Ernährungsrat des Landkreises Fürstenfeldbruck, die Agenda 21, die Bürgerstiftung, die Solidargemeinschaft Brucker Land, der Brucker Bauernmarkt, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogel- und Naturschutz.

Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz, ist der Schirmherr der Veranstaltung und hält einen Vortrag zum Artenschutz.
Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz, ist der Schirmherr der Veranstaltung und hält einen Vortrag zum Artenschutz. (Foto: LBV)

Sie alle werden mit Ständen vertreten sein, an denen es nicht nur praktische Tipps für ein nachhaltiges Leben, sondern auch Sachen zum Probieren gibt. In sechs Vorträgen geht es von elf Uhr an darum, welchen Fisch man angesichts leergefischter Meere noch guten Gewissens verzehren kann und wie Fleisch nachhaltiger produziert werden kann; es geht um Artenvielfalt, Gärten und auch um gesundes Brot.

Schirmherr der Veranstaltung und ihr prominentester Gast ist Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Er wird am Sonntag von elf Uhr an einen Vortrag halten zum Thema „Rettet die Bienen: Was wir alle beitragen können“. Der promovierte Biologe spricht über die Auswirkungen des Volksbegehrens auf Naturschutz und Landwirtschaft in Bayern. Er zieht Bilanz nach fünf Jahren, zeigt auf, welche Fortschritte erzielt wurden – und wo weiterhin großer Handlungsbedarf besteht.

Direkt im Anschluss, um zwölf Uhr, ist Stefan Linzmaier an der Reihe. Der Autor, Biologe und Gewässerökologe blickt auf die Herausforderungen des nachhaltigen Fischkonsums, zeigt, warum Fisch ein kompliziertes Lebensmittel ist und welche Möglichkeiten es gibt, verantwortungsvoll einzukaufen – inklusive Alternativen aus der Region. Linzmaier ist zudem ein Hobbykoch, der sich bei Slow Food engagiert. Die dramatische Überfischung der Meere und nachhaltigen Fischkonsum hat er als Co-Autor des Buchs: „Fisch in Seenot“ thematisiert.

Von 13 Uhr an spricht Simon Pfanzelt, Kurator des Botanischen Gartens München-Nymphenburg zu „Gartenkunst trifft Artenschutz“. Pfanzelt erklärt die wissenschaftliche Arbeit in den botanischen Gärten und deren wichtige Rolle im Artenschutz. Er hat in Oldenburg am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität promoviert.

Thomas Winnacker ist in Fürstenfeldbruck als Leiter des Schlachthofs Hasenheide bekannt, den er im November 2019 verließ um zur Erzeuger- und Verarbeitungsgenossenschaft Tagwerk zu wechseln. Der Banker, der im Zweitberuf Metzgermeister ist, spricht von 14 Uhr an über „Fleischproduktion im Wandel: nachhaltig, regional und fair“. Er gibt Einblicke in den Alltag der Branche und zeigt die Chancen regionaler Wertschöpfungsketten auf.

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Wie man einen naturnahen Familiengarten einfach und kostengünstig umsetzen kann, erläutert von 15 Uhr an Anke Simon vom Bund Naturschutz. Die Forstwissenschaftlerin, Wildbienenexpertin und Wildnispädagogin ist seit 20 Jahren in der Umweltbildung aktiv; sie berät unter anderem in Eichenau und Puchheim Gartenbesitzer, Kindertagesstätten und Schulen, wie sie ihre Gärten so bepflanzen und pflegen können, dass sich Wildbienen und Schmetterlinge, aber auch zahlreiche andere Tiere sich darin wohlfühlen.

Brot und Umwelt

Um 16 Uhr schließlich hält Anton Gürtner unter dem Titel „Grundnahrungsmittel Brot – Vom Acker bis zur Backwarentheke“ ein leidenschaftliches Plädoyer für echtes Brot: regional, bio und handwerklich gefertigt. Gürtner führt in Oberroth im Landkreis Dachau eine zertifizierte Bio-Bäckerei, er ist in vierter Generation Bäckermeister. Er berichtet, warum weniger oft mehr ist und welche Verantwortung gute Bäckereien für Umwelt und Klima übernehmen können.

Im Rahmenprogramm können die Besucher kulinarische Genüsse aus der Region probieren, Blumenkränze binden oder mit Rita Walter selbst Smoothies aus Gartenkräutern mixen. Es gibt Kaffee und Kuchen von der Brotmeisterei Eichenau sowie zum Ausklang einen bayerischer Spritz von der Eichenauer Brennerei „Bavarian Moonshine“. Kinder können sich in der Bastelecke des BN kreativ austoben, während die Bücherecke der Buchhandlung Rezai spannende Lektüre rund um Natur und Tiere bereithält.

Aussteller sind neben den Veranstaltern das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit seinem Erlebnisraum, der Unverpackt-Laden Füllosophie aus Fürstenfeldbruck, Karin Dixius vom Naturgarten-Verein, das Gartenland Würstle, das Umweltteam der evangelischen Kirche Eichenau (Grüner Gockel), das eine Gartentauschbörse anbietet, die Floristin Susanne Sommer, das Kartoffelkombinat, das in Egenhofen den größten solidarischen Landwirtschaftsbetrieb Deutschlands betreibt, das Senfmobil von Münchner Kindl sowie weitere Partner.

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