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Eichenau:Protest gegen Buslinie

Günther Kosler (links) übergibt die Unterschriftenliste vor dem Rathaus an Bürgermeister Peter Münster.

(Foto: Günther Reger)

Bürger wehren sich gegen Pläne, die Linie 862 durch die Allinger Straße zu führen. Mit einer Online-Petition zwingen sie den Gemeinderat, sich noch einmal mit der Sache zu beschäftigen

Einen Teilerfolg haben die Anlieger der Allinger Straße in Eichenau bereits erzielt. Ihre Online-Petition "Keine Hauptbuslinie durch eine Wohnstraße" wird demnächst im Eichenauer Gemeinderat behandelt. 30 Anwohner unterstützten vor dem Rathaus am Freitagmittag coronagerecht mit Abstand und Mundschutz die Übergabe von 495 Unterschriften an Bürgermeister Peter Münster (FDP) durch den Initiativen-Sprecher Günther Kosler. Die überörtliche Linie 862 durch die Allinger Straße, die von Puchheim-Bahnhof über Eichenau und Emmering nach Fürstenfeldbruck verkehren soll, so der momentane Stand, ist für den Fahrplanwechsel im Dezember 2021 beschlossen.

"Ich bin sehr überrascht", sagte Münster hinter seiner schwarzen Maske zu dem massiven Bürgerprotest, der ihn jetzt erreichte. Im vergangenen Herbst hatte der Gemeinderat nach mehrmaliger Beratung dem Verlauf der Buslinie durch Eichenau einhellig zugestimmt. "Da hatten wir gedacht, dass die Buslinie begrüßt wird", so Münster. Sie soll den Autoverkehr in der etwa zwei Kilometer langen Allinger Straße verringern helfen. 200 Fahrzeuge würden weniger losfahren, so die Berechnungen von Landkreis und Gemeinde, wenn der Bus hier entlangfährt. Das hält die Bürgerinitiative für vollkommen übertrieben. Kaum mehr als 15 Autos, argumentiert sie, würden zu den Stoßzeiten morgens und abends unterwegs sein. Die meisten Menschen an der Allinger Straße seien zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. "Da die überregionale Linie vom Landkreis Fürstenfeldbruck bezahlt wird und die Gemeinde Eichenau nichts kostet, will man den bequemsten Weg gehen und die Linie mit Frequenz von 5.40 Uhr morgens bis 0.40 Uhr nachts durch die teilweise viel zu enge Wohnstraße Allinger Straße führen", so der Vorwurf der Initiative der Anwohner. "In unseren Augen ist es eine Schnapsidee, eine Verkehrswende zu forcieren, die viele Kinder auf dem Schulweg und Einwohner durch die geringen Abstandsflächen zu den Häusern durch große Busse gefährdet." Viele Radfahrer würden die Allinger Straße Eichenau als zügigen Weg zum Eichenauer S-Bahnhof nutzen, um die stark befahrene Hauptstraße so zu umfahren. "Die Eichenauer Bürger nehmen es nicht hin, Fehler der Verkehrspolitik in den vergangenen Jahren komfortabel auf Ihre Schultern laden zu lassen", so Kosler zum Protest der Anlieger. 112 Busse, so die Berechnung der Bürgerinitiative, würden täglich durch die Allinger Straße fahren. Sie fordert stattdessen einen ausgewiesenen Radweg durch die Allinger Straße zu planen und endlich über eine längst benötigte Umfahrung am Westrand von Eichenau zu diskutieren. Die Initiative fühlt sich vom Gemeinderat übergangen und betont: "Wir sind keine Busgegner oder gegen eine vernünftige Verkehrswende, aber die Linie 862 in dieser Taktung und Verlauf ist in unseren Augen eine Fehlplanung." "Für einen konstruktiven Dialog über Alternativen, die zu tragbaren Kompromisse führen, sind wir jederzeit offen", betont Kosler.

Die 495 Unterschriften der Online-Petition reichen nach Paragraf 18 b der Gemeindeordnung aus, um dem Gemeinderat eine erneute Beschäftigung mit der Buslinie 862 vorzugeben (am Montagmorgen waren es bereits mehr als 600). Vor der erneuten Befassung im Gemeinderat will Münster die Betroffenen informieren. Für ein Bürgerbegehren wären 900 Unterschriften notwendig. Doch so weit will die Bürgerinitiative noch gar nicht gehen. Sie hofft auf die Einsicht des Gemeinderates und des Bürgermeisters. "Herr Münster", appellierte Kosler bei der Übergabe der Unterschriften an den Bürgermeister, "überlegen Sie sich das noch einmal gut." Münster erwiderte freundlich: "Ich nehme das gerne mit."

© SZ vom 30.06.2020

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