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Eichenau:Liberale Enklave

Im Kreise der Liberalen: Daniel Föst (Mitte) beim Besuch vor dem Eichenauer Rathaus.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bayerischer FDP-Chef Daniel Föst informiert sich in Eichenau

Von Andreas Ostermeier, Eichenau

FDP-Bürgermeister sind rar. Für die Liberalen ist das ein Problem, denn sie können nur selten zeigen, wie sie eine Kommune regieren würden. Der bayerische FDP-Vorsitzende Daniel Föst wollte sich aber genau davon einen Eindruck verschaffen und eine Gemeinde mit einem FDP-Bürgermeister besuchen. Eichenau bietet sich für einen solchen Besuch an, dort ist der FDP-Kommunalpolitiker Peter Münster seit fast vier Jahren Bürgermeister. Und Föst war voll des Lobes für dessen Amtsführung. Es werde immer nur diskutiert, was getan werden solle oder könne, sagte er. In Eichenau jedoch werde nicht nur geredet, sondern gehandelt, betonte Föst bei einem Ortsspaziergang durch Eichenau.

Der Landesvorsitzende der FDP ist auch Bundestagsabgeordneter und als solcher wohnungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Interesse zeigte er daher an dem Vorhaben, an Stelle der Parkplätze auf der Südseite des Bahnhofs Wohnungen zu errichten. Er rechne mit 100 Wohnungen, die dort entstehen könnten, sagte Münster. Die Mehrheit wird auf dem Gelände der Bahn entstehen, aber auch der Gemeinde gehört Grund am Bahnhof, beispielsweise dort, wo sich die überdachte Radabstellanlage befindet. Diese soll bleiben und mit einem Gebäude überbaut werden. Zehn Wohnungen, die die Gemeinde vergeben will, sollen in dem Überbau Platz finden.

Auf Zustimmung des Bundestagabgeordneten stößt auch das Eichenauer Vorhaben, in der Ortsmitte ein sogenanntes urbanes Gebiet festzulegen. Mit diesem Begriff aus dem Bauplanungsrecht wird ein Gebiet bezeichnet, in dem es Wohnungen und Gewerbebetriebe geben kann. Föst nannte kurze Wege zwischen Arbeiten und Wohnen als einen Vorteil eines solchen Gebiets. Der Landesvorsitzende rechnet auch damit, dass die Erfahrungen mit dem Coronavirus dazu führen, dass Mitarbeiter von Firmen künftig vermehrt zu Hause arbeiten werden. Gewerbeimmobilien seien dann nicht mehr so gefragt und könnten in Wohnraum umgewandelt werden. Urbane Gebiete erleichtern Föst zufolge solche Umwandlungen.

Die Auswirkungen der Corona-Epidemie waren laut einer Pressemitteilung der FDP auch Thema beim Besuch von Föst in der Kreisklinik. Weil dort über Wochen die Betten für mögliche Corona-Erkrankte frei gehalten werden mussten, verzeichnet das Krankenhaus erhebliche Ausfälle bei den Einnahmen. Klinikumsvorstand Alfons Groitl habe dafür einen finanziellen Ausgleich gefordert, sagte Martin Koch. Der FDP-Kreisvorsitzende nahm an dem Gespräch in der Klinik teil. Zur Sprache kam auch, dass die Bonuszahlung für examinierte Krankenpfleger nicht ebenso an die operationstechnischen Assistenten ausgezahlt wird, was diese als ungerecht empfänden. Föst sagte zu, das Anliegen der Assistenten mit der Landtagsfraktion der Liberalen zu besprechen.

© SZ vom 19.09.2020

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