Eichenau:Hilfe am Lebensende

Ein neu gegründetes Netzwerk soll künftig die bereits bestehenden Einrichtungen zur Hospiz- und Palliativversorgung im Landkreis verbinden. Betroffene und Angehörige sollen so noch besser betreut werden

Von Julia Bergmann , Eichenau

Der Großvater, der an einer aggressiven Form des Krebs erkrankt ist, die junge Mutter, für die es keine Heilung mehr gibt, oder das Kind, das unter einer schweren Krankheit leidet, die nicht mehr therapiert werden kann - sie alle brauchen mehr als reine medizinische Unterstützung. Natürlich, die körperlichen Schmerzen müssen gelindert werden. Aber auch der seelische Schmerz, die Sorge um diejenigen, die man nach dem Tod zurücklässt, plagt Menschen die an ihrem Lebensende stehen. Mehrere Organisationen und Vereine im Landkreis kümmern sich bereits um die medizinischen, pflegerischen, spirituellen und sozialen Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen. Nun soll das Angebot mit der Gründung des "Netzwerks Hospiz und Palliativversorgung" noch besser organisiert und ausgebaut werden.

Zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks gehören das Ambulante Palliativteam Fürstenfeldbruck, der Hospizverein Germering, der Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Caritas und das Evangelische Pflegezentrum Eichenau. Noch steht das Netzwerk am Anfang, aber geplant ist, dass sich noch viele weitere Einrichtungen und Organisationen anschließen, auch über die Landkreisgrenzen hinweg. Karlheinz von Jan, der ärztliche Leiter des ambulanten Palliativteams Fürstenfeldbruck, betont, dass auch das stationäre Versorgungswesen und Hausärzte Teil des Netzwerkes werden sollen.

Ziel ist es, gemeinsam die Lebensqualität schwerkranker und sterbender Menschen zu verbessern. Zum einen etwa durch Schmerztherapie und medizinische Versorgung, aber auch durch Gespräche und Betreuung ehrenamtlicher Sterbebegleiter, durch Seelsorge und Beratung. Dabei stehen die einzelnen Mitglieder des neuen Verbunds nicht in Konkurrenz zueinander, betont Peter Braun, Vorsitzender des Hospizvereins Germering. Die Netzwerkpartner arbeiten ergänzend. "Es geht darum, zu sehen, was sind die Bedürfnisse des Patienten in so einer Situation und was wird gewünscht", erklärt von Jan. Und auch die Angehörigen würden in die Betreuung miteinbezogen. Denn auch sie plagten Sorgen, auch sie hätten häufig einen großen Leidensdruck und Gesprächsbedarf.

Aber auch das Bewusstsein für die Relevanz von Hospiz und Palliativversorgung im Landkreis soll durch das Netzwerk steigen, zudem soll über deren Arbeit informiert werden. In einer Gesellschaft in der Tod, Leid und Krankheit nach wie vor Tabuthemen seien, "muss wieder gelernt werden, dass man sterben darf", sagt von Jan. Außerdem betont Dirk Spohd, Leiter des Evangelischen Pflegezentrums Eichenau: "Die Nachfrage nach solchen Angeboten steigt stetig." Deshalb werden in dem Eichenauer Zentrum mit etwa 180 Betten und 60 Sterbefällen pro Jahr auch zunehmend Palliative-Care-Fachkräfte ausgebildet. Mit Christine Kleinert gibt es dort sogar eine hausinterne Hospizbeauftragte. Sie hat schon in der Vergangenheit mit den Netzwerkpartnern zusammengearbeitet und findet: "Das kleine Netzwerk läuft schon sehr gut." Nun gelte es, das Ganze auf eine breitere Basis zu stellen.

Ehrenamtliche Unterstützung

Neun Interessierte sind jüngst zu einem Info-Abend über den ehrenamtlichen Einsatz als Hospizhelfer in die von Rolf Eissele geleitete Palliativstation der Kreisklinik gekommen. Zwei haben bereits spontan zugesagt, sieben haben sich noch Bedenkzeit erbeten.

Seit elf Jahren gibt es die Palliativstation, die Platz für sieben Patienten bietet. Ein Team aus Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern, Seelsorgern und Therapeuten hilft in der letzten Lebensphase. Unterstützt werden sie von den Ehrenamtlichen, die eine besondere Ausbildung in der Sterbebegleitung absolviert haben. Zu den Tätigkeiten zählen Vorlesen, Einkaufen, Begleiten in den Garten, Hilfe beim Essen und - falls gewünscht - offene Gespräche. Oft geht es dabei um den Tod. Einige Patienten möchten darüber sprechen, Angehörigen fällt das hingegen oft schwer. Hier kann ein Hospizhelfer vermitteln. Trotz Schulung und regelmäßigen Supervisionen sei diese ehrenamtliche Tätigkeit nicht für jeden geeignet, sagt Eissele. "Eine gewisse psychische Stabilität braucht man schon." Dass man gerne mit Menschen zu tun haben und über ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen verfügen sollte, liegt auf der Hand. Für die derzeit neun Helfer der Palliativstation ist ihre Tätigkeit bereichernd. "Alle vom Team machen das gern, weil sie wichtige Dinge des Lebens mitkriegen". Und weil sich durch das Engagements alles plötzlich auf die Frage reduziert, was wirklich wichtig ist im Leben. Interessenten können sich an Ulrike Eissele wenden, die die Hospizhelfergruppe leitet. alin

Auch für das "große Netzwerk" gibt es bereits eine zentrale Anlaufstelle, eingerichtet am Brucker Kreisklinikum, bei der sich Betroffene und auch Angehörige bereits jetzt melden können. In naher Zukunft soll auch eine Homepage entstehen und es soll eine Beratungsmöglichkeit zu festen Zeiten eingerichtet werden. Regelmäßige Treffen sowie Fortbildungsmöglichkeiten für die Netzwerkpartner sind außerdem geplant. Das neue Netzwerk, so meint Kleinert, wird in Zukunft kürzere und schnellere Handlungswege und somit eine bessere Betreuung Betroffener ermöglichen.

Das Netzwerk Hospiz- und Palliativversorgung Fürstenfeldbruck ist von sofort an kostenfrei und unverbindlich unter Telefon 08141/99 44 26 erreichbar.

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