Süddeutsche Zeitung

Eichenau/Gröbenzell:Angeschmiert

Seit ein paar Wochen beobachtet die Polizei, dass in Eichenau, Puchheim und Gröbenzell Mülleimer, Stromverteilerkästen und Bushaltestellen mit Graffiti besprüht werden. Ob das mit der Corona-Krise zu tun hat?

Von Ariane Lindenbach, Germering

Sie sind nicht schön anzusehen und ihre Beseitigung von Hauswänden, Papierkörben und anderen öffentlich zugänglichen Flecken kostet Geld. Schon seit Jahren kämpfen Ermittler gegen solche Schmierereien, die meist nachts mit Spraydosen und dicken, wasserfesten Stiften entstehen. Seit einigen Wochen hat die Polizei in Germering gehäuft mit solchen Sachbeschädigungen zu tun. In der Inspektion spekuliert man, ob die jüngsten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit der Zunahme zu tun haben könnte. Bemerkenswert ist zudem, das sich die Straftaten bislang auf den Dienstbereich der Germeringer Inspektion beschränken - in Olching oder Fürstenfeldbruck haben die "Tags" genannten Schriftzüge nicht zugenommen.

Von einer "wahren Flut von Schmierereien insbesondere in den Orten Eichenau und Puchheim" spricht Andreas Ruch, stellvertretender Leiter der Germeringer Inspektion. Beliebte Ziele waren Bushaltestellen, Stromverteilerkästen oder Mülleimer, bevorzugte Buchstabenkombinationen LeiD, UMBRA, TKZ, Peak oder PEAK, außerdem wurden die griechischen Buchstaben Alpha und Omega mehrfach festgestellt. Um dieser Kriminalitätsform begegnen zu können, hat die Germeringer Polizei eigens eine auf Graffiti spezialisierte Kollegin abgestellt. Laut Ruch arbeitet sie schon einige Jahre in der Germeringer Inspektion, ihr Spezialgebiet wird zunehmend zu ihrem einzigen Betätigungsfeld, insbesondere nach der jüngsten Zunahme.

Neben den genannten Schriftzügen, die vor allem in Puchheim, Eichenau und Gröbenzell auftauchen - aus dem Rahmen dort fiel jüngst die Zeichnung einer Katze auf einer Garagenwand; sie wurde umgehend entfernt - fällt den Germeringer Polizeibeamten auch eine Häufung an den Lärmschutzwänden entlang der Autobahn auf. "Großflächig irgendwelche Fußballschmierereien" würden dort seit einigen Wochen ebenfalls vermehrt festgestellt, berichtet Ruch. Einen Zusammenhang mit der Pandemie, den Beschränkungen und weggefallenen Freizeitbeschäftigungen will er nicht kategorisch ausschließen: "Das nimmt schon zu seit Corona."

Allerdings bringt die Ausnahmesituation auch Gutes mit sich. "Zurzeit halten viele Bürger die Augen offen", sagt der Ermittler, unter anderem weil viele Leute viel öfter zu Hause sind oder in ihrer näheren Umgebung spazieren gehen. Am Samstag beispielsweise brachte das den Germeringer Beamten einen Ermittlungserfolg. In der Edelweißstraße in Gröbenzell beobachtete ein Anwohner gegen 23 Uhr zwei junge Männer, die sich an einer Garage zu schaffen machten. Er sprach die beiden an und verfolgte sie, als sie davonliefen. Einer Streife der Germeringer Polizei gelang es kurze Zeit später, den 20-Jährigen in Puchheim festzunehmen und bald darauf auch seinen Komplizen - den eigentlichen Sprayer - ausfindig zu machen. Bei der Festnahme fanden die Polizisten in dessen Gröbenzeller Wohnung Hinweise, die den 21-Jährigen als Urheber des Schriftzugs "PEAK" erscheinen lassen. Ihn erwartet nun ein Verfahren wegen Sachbeschädigung. Dabei werde es auch um die Schadenswiedergutmachung gehen, die "einen Haufen Geld" koste, unterstreicht Ruch. Zudem appelliert er an alle, die einen der oben genannten Schriftzüge auf der eigenen Hauswand, Garage oder dem Mülltonnenhäuschen bemerken, sich unter der Telefonnummer 089/894157-0 oder -132 bei der Germeringer Polizei zu melden.

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Quelle:
SZ vom 26.11.2020
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