Schon wieder hat eine Gemeinderätin in Eichenau die Fraktion der Grünen verlassen. Und es ist nicht irgendjemand, sondern die bisherige Fraktionssprecherin und Umweltreferentin Marion Behr. Sie ist das vierte Fraktionsmitglied in zwei Jahren, das ausgeschieden ist. Dem Gemeinderat bleibt Behr, die nie Mitglied der Grünen war, allerdings erhalten. Sie wechselt zu den Eichenauer Bürgern.
Offenbar ist bei den Eichenauer Grünen der Wurm drin. Denn erst vor zwei Jahren hat die Fraktion drei Mitglieder verloren: Markus Hausberger, Markus Brüstle und Yasemin Bilgiç. Hausberger und Brüstle gründeten die Eichenauer Bürgervereinigung EBV und sitzen seither für diese im Gemeinderat. Dorthin wechselt nun Marion Behr. „Ich weiß, dass ich mit beiden sehr zielgenau arbeiten kann“, sagt sie. Die Arbeit in der Grünen-Fraktion sei zuletzt so kraftraubend geworden, dass sie nicht mehr kreativ habe arbeiten können. „Da ist nur noch Stagnation, kein Schwung, keine Stimmung, in der wir etwas voranbringen.“ Auch eine Mediation habe keine Verbesserung gebracht, sagt Behr.
Für die Eichenauer Grünen kam das Ausscheiden Behrs offenbar dennoch überraschend. Jedenfalls steht es so in einer Pressemitteilung, die der Ortsverband verschickt hat, nicht aber die Fraktion. „Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich. Offenbar bestehen aus ihrer (Behrs, Anm. der Red.) Sicht unüberbrückbare Differenzen in der Zusammenarbeit“, heißt es darin, und weiter: „Wir sind überzeugt, dass bei offener An- und Aussprache der Probleme eine Lösung hätte gefunden werden können.“ Ein Satz, den Behr nicht nachvollziehen kann. „Es stimmt nicht, dass wir nicht geredet hätten“, sagt sie. „Der Ortsverband und die Fraktion wissen das.“
Die Ortssprecherinnen, Inge Hofmann und Ursula Kelichhaus, loben Behrs Arbeit im Gemeinderat. Sie habe dort, im Umweltbeirat und weiteren Kommissionen der Gemeinde, viele Vorhaben angeschoben, den Natur- und Umweltschutz sowie den Kampf gegen den Klimawandel für Eichenau vorangebracht. So hat sie in diesem Jahr den ersten Eichenauer Nachhaltigkeitstag mitorganisiert, für 2026 ist schon der nächste geplant.
Hofmann spricht von „Eifersüchteleien“ und „persönlichen Befindlichkeiten, die hätten geklärt werden können“. Auf der Sachebene habe es keine Probleme gegeben. Sie und Kelichhaus bedauern jedoch, dass Behr im Gemeinderat bleibt. Aus ihrer Sicht hätte sie „ihr Mandat jetzt zunächst niederlegen müssen, um den Grünen die Gelegenheit zu geben, aus ihren Reihen eine/n Nachrücker/in zu benennen“, heißt es.
Das ist jedoch unüblich, in aller Regel behalten Gemeinderatsmitglieder und auch andere Abgeordnete ihre Mandate bei einem Parteiwechsel. Auch Hausberger und Brüstle gehören dem Gremium ja nach wie vor an. Das prominenteste Beispiel aus Eichenau ist Bürgermeister Peter Münster, der vor zwei Jahren aus der FDP ausgetreten ist, sein Amt aber noch immer innehat. Der Bürgermeister wird im kommenden Jahr nicht neu gewählt, Münster wurde erst 2022 im Amt bestätigt.
Schließlich handle es sich bei der Wahl zum Gemeinderat um eine Persönlichkeitswahl, betonen sowohl Hausberger als auch Behr. Letztere holte bei der Wahl 2020 so viele Stimmen, dass sie auf der Liste einen Platz gutmachte. Sie sieht daher einen klaren Wählerauftrag für sich.
Lisa Stockmann ist doch noch Grünen-Mitglied
„Die Eichenauer Bürgervereinigung freut sich, Marion Behr als neues Mitglied in ihrer Fraktion begrüßen zu dürfen“, heißt es in einer Mitteilung der EBV, wegen ihrer fundierten Kenntnisse und des langjährigen Engagements in den Bereichen Ökologie, Artenvielfalt und Umweltschutz. Yasemin Bilgiç hingegen ist 2023 aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Sie bewirbt sich nun auf der Liste der SPD erneut.
Nachrückerin war seinerzeit Lisa Stockmann. Sie war damals Kreissprecherin der Grünen, trat aber im Sommer 2024 von diesem Amt zurück und verkündete auch ihren Parteiaustritt. Grund waren Querelen im Kreisvorstand. Wie Stockmann nun der SZ sagte, gehört sie der Partei doch noch an, der Austritt habe nicht geklappt. Stockmann kandidiert auf der Grünen-Liste erneut für den Eichenauer Gemeinderat. Die Partei strebt acht Sitze an, 2020 errang sie sieben, ebenso viele wie die CSU. Geblieben sind nur noch vier.
Auffallend bei all dem ist, dass die Presserklärung zum Wechsel von den beiden Ortssprecherinnen kommt, von denen nur eine auch im Gemeinderat ist – Inge Hofmann. Rike Schiele, dritte Bürgermeisterin von Eichenau, war für eine Rückfrage aus beruflichen Gründen telefonisch nicht zu erreichen. Per E-Mail verweist sie auf Hofmann und erklärt, dass „der Austritt von Marion Behr aus der Grünen-Fraktion für uns nicht nachvollziehbar ist“. Hofmann erklärt telefonisch, man wolle Schiele als Person nicht beschädigen. Deswegen spreche sie mit der Presse.


