Eichenau:Bürgerbeteiligung auf Eichenauer Art

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Eichenau: Auf dem Parkplatz am S-Bahnhof Eichenau will die Bahn Wohnungen bauen

Auf dem Parkplatz am S-Bahnhof Eichenau will die Bahn Wohnungen bauen

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Gemeinderat hört sich in der entscheidenden Sitzung über die Bebauung des Parkplatzes am Bahnhof noch die Argumente einer Anwohner-Initiative an. Und kommt zu einem überraschenden Beschluss

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

In einer bislang in Eichenau beispiellosen Art der politischen Entscheidungsfindung hat der Gemeinderat am Dienstagabend einen Rahmenplan für die Bebauung des Park-und-Ride-Platzes am Bahnhof beschlossen. Zusätzlich zur Architektin der Entwürfe durfte eine erst in diesem Jahr gegründete Bürgerinitiative während der Debatte ihre Vorstellungen präsentieren. Von der Abstimmung über die zulässige Bebauung waren am Ende alle überrascht.

In Eichenau werden Wohnungen gebaut werden. So viel ist nach der dreieinhalbstündigen Diskussion über einen einzigen Tagesordnungspunkt schon klar. Am Bahnhof möchte die Bahn den P&R-Platz nutzen, um Wohnraum zu schaffen. Zuallererst für ihre eigenen Mitarbeiter, aber in diesem Zusammenhang wollen auch der Freistaat für Staatsbedienstete, die Diakonie für Beschäftigte des evangelischen Pflegezentrums sowie die Gemeinde Eichenau Wohnungen bauen. Wie viele es einmal sein werden, wird von jenem Investor abhängen, der mit dem nun verabschiedeten Rahmenplan am meisten anfangen kann.

Denn der Gemeinderat hat mehrheitlich entschieden, lediglich einige wichtige Eckdaten festzulegen. Etwa wie hoch die Häuser höchstens werden dürfen und wie groß die durchschnittliche Wohnungsgröße ausfallen soll. Nun kam die Entscheidung nicht allein in der Sitzung zustande, sondern sie ist das Ergebnis einer längeren Phase des Überlegens und Planens. Erst in diesem Jahr wurde den Anwohnern dann klar, dass, wenn sie nichts unternehmen, sie in ein paar Jahren viele neue Nachbarn bekommen, die in bis zu fünfstöckigen Gebäuden wohnen werden.

Was folgte, war die Gründung einer Bürgerinitiative mit der einprägsamen Abkürzung BIM und dem Namensungetüm "Bürgerinitiative für eine menschenfreundlichere Wohnbebauung ohne Maximalverdichtung". Von Anfang an machten die Sprecher deutlich, dass sie nicht gegen Wohnungsneubau seien, wohl aber gegen die Hochbauten entlang der Bahn. In Gesprächen mit Gemeinderäten, dem Bürgermeister und den lokalen Medien bildete sich heraus, dass die BIM gerne in den Entscheidungsprozess eingreifen möchte.

Dieser Prozess war längst im Gang, als sich die Anwohner formierten, und es wäre auch mit der entsprechenden Mehrheit im Gemeinderat gelungen, jene Dimensionen umzusetzen, die in den Entwürfen des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München vorgeschlagen wurden. Wohnungen auf Stelzen über dem P&R-Platz, ein fünfstöckiger Riegelbau entlang der Bahn, der den Schienenlärm sehr gut von der Nachbarschaft abgehalten hätte sowie erste Überlegungen für Wohnungen auf der Westseite des Bahnhofvorplatzes. Im weiteren Verlauf kam dann ein vierstöckiges Parkdeck auf der Nordseite der Gleise dazu, aufnahmefähig für 380 Autos.

Diese Planungen hätten auch in etwa so abgestimmt werden sollen, hätte es nicht ein Übereinkommen mit Vertretern der Bürgerinitiative gegeben, in der vorletzten Sitzung vor Weihnachten Stellung nehmen zu dürfen. Und diese Gelegenheit nutzte BIM-Sprecher Oliver Kunze unaufdringlich, aber unbeirrbar mit dem Ziel, die Maximalhöhe der Wohnhäuser um mindestens ein Stockwerk zu reduzieren. Denn neben der Wohnqualität für die künftigen Bewohner haben Kunze und die Anwohnerinnen und Anwohner noch eine andere Sorge: das Erscheinungsbild Eichenaus in den kommenden Jahrzehnten.

Das hätte Katrin Geßl, Architektin beim Planungsverband, gerne den Ideen angeglichen, die schon für die Hauptstraße in einem langwierigen Prozess entwickelt wurden. In die Höhe bauen und vielfältig Platz für Wohnen, Arbeiten und Handel zu schaffen.

Es mag vielleicht auch am beginnenden Bürgermeisterwahlkampf liegen, dass die bislang bekannten Kandidaten von CSU, Peter Zeiler, und Grünen, Thomas Hausberger, und der wieder kandidierende Bürgermeister Peter Münster (FDP) sehr auf diese ungewöhnliche Art der Bürgerbeteiligung eingingen und die BIM in der Sitzung gewähren ließen. Dass es dann zur Mehrheitsentscheidung kam, die Dimensionen des geplanten Wohnbaus noch stärker zu begrenzen, als die BIM gebeten hatte, war eine frühe Festlegung auf eine Rahmenplanung, die nicht das Maximale aus dem wertvollen Gebiet am S-Bahnhof herausholen kann.

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