In Eichenau wird derzeit die Fußgängerunterführung am Bahnhof saniert. In diesem Zusammenhang haben die Arbeiter der DB Infrago die alten hölzernen Dächer und Seitenwände der Treppen zu den Bahnsteigen demontiert, was Andreas Knipping, Vorsitzender des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck und Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Eisenbahn, sehr bedauert.
„Sie waren gewiss nicht Weltkulturerbe, aber es gibt in der sehr jungen Gemeinde Eichenau nun einmal sehr wenig bauliche Substanz aus Vorkriegszeiten“, sagt Knipping. Deshalb sei es schade, dass dort nun „nüchterne Zweckarchitektur entsteht“. Wobei er einräumt, dass die neuen größeren Dächer besseren Schutz vor Regen bieten.
Die Bahnlinie existiert seit 1873, aber Eichenau hatte lange Zeit keine Haltestelle, erst in einiger Entfernung lag die Haltestelle Roggenstein in einem unübersichtlichen Gleisbogen, was 1929 zu einem tödlichen Unfall beitrug. 1932 beantragte die Gemeinde, damals noch Alling-Eichenau, erstmals eine eigene Haltestelle, wie Knipping recherchiert hat. Ein Jahr später unternahm der Bürgermeister einen zweiten Anlauf und hatte Erfolg.
Im Oktober 1934 begannen Arbeiter mit dem Bau einer Station, dabei kamen bis zu 150 Arbeiter zum Einsatz, die meisten waren laut Knipping vorher erwerbslos. Sie errichteten auch die hölzernen Dächer und Seitenwände der Treppenaufgänge. Am 15. Mai 1935 wurde die neue Haltestelle Eichenau eröffnet und vom Bürgermeister, einem Vertreter der Reichsbahn sowie dem NSDAP-Stützpunktleiter offiziell eingeweiht. Die Lokalzeitung würdige die gesamte Maßnahme damals als „Aufbauwerk des Führers“.

Die Dächer stammen nach Angaben eines Sprechers der Bahn aus dem Jahr 1934. Sie mussten nach seinen Angaben jetzt entfernt werden, weil bei Erneuerungen die geltenden Baustandards eingehalten werden müssen, denen die Holzdächer nicht entsprochen hätten. „Eine Restaurierung der Holzdächer wäre sehr aufwendig gewesen und hätte längere Zeit in Anspruch genommen“, sagt er.
Anstelle der alten Überdachung errichtet die DB Infrago nun Einhausungen aus Stahl und Glas für die Abgänge. Auf Gleis eins ist die neue Konstruktion bereits fertig, jene auf Gleis zwei soll im September folgen. Anschließend werde die Unterführung saniert. Wenn diese Arbeit abgeschlossen sei, könnten die Treppen wieder benutzt werden. Die Kosten für die beiden neuen Einhausungen liegen laut Bahnsprecher im niedrigen sechsstelligen Bereich.

