Als an Allerheiligen im Jahre 1926 in Eichenau der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael von Faulhaber, die Schutzengelkirche weihte, ahnte niemand, dass das Gotteshaus samt späterer Zubauten hundert Jahre danach das katholische Zentrum einer 12 000-Seelen-Gemeinde sein würde. Die Besiedelung im sumpfigen Unteren Allinger Moos hatte 1863 begonnen. Prinzregent Luitpold hatte dann auf Antrag der damals 48 Bewohner 1907 dem neuen Allinger Ortsteil die offizielle Bezeichnung Eichenau zuerkannt. Bei der Weihe vor hundert Jahren zählte der dann schon etwas mehr als 900 Einwohner. 1957 wurde Eichenau von Alling abgetrennt und beide zu eigenständigen Kommunen.
Aus Anlass des Kirchenbaujubiläums gibt es eine von Verwaltungsleiterin Claudia Haider und Helfern „mit außergewöhnlichem Einsatz, Herzblut und Begeisterung“ erstellte Ausstellung im Schutzengelsaal und im Foyer, wie Pfarrer Joseph Vijay Nanduri bei der Eröffnung lobte. Sie bringt Besucherinnen und Besuchern die Bauphase, die Veränderungen in und um das im neobarocken Stil erbaute Gotteshaus und auch seine Bedeutung für die Entwicklung des Dorfes näher. „War die Kirche für die damaligen Verhältnisse nicht zu groß?“, war eine häufig gestellte Frage – woraufhin spekuliert wurde, dass die Bewohner wohl schon geahnt hätten, dass in Eichenau ein rasanter Bevölkerungsanstieg zu erwarten sei. Mit ausschlaggebend für das Siedlungswachstum war zu jener Zeit der Ausbau der Bahnlinie München-Buchloe mit der Haltestelle Roggenstein, die später in den Norden von Eichenau verlegt wurde.
Wie in der Ausstellung erklärt wird, besuchten die Siedler vor dem Kirchenbau die Gottesdienste in Puchheim (Ort) oder Unterpfaffenhofen, weniger in Alling. Von 1920 an wurden in der Kapelle Roggenstein Messen gelesen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche wurde von da an immer deutlicher, und es wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der sich der Planungen und auch der Umsetzung annahm. „Einfach war das kurz nach dem Ersten Weltkrieg sicher nicht“, befand eine Besucherin und wies darauf hin, dass vor allem Architekt Franz Xaver Huf und Expositus Kaspar Huber „einen wichtigen Beitrag“ geleistet hätten.
Die Ausstellung ist keine Anhäufung von Fotos, Urkunden und Artefakten, sondern deckt die gesamte Entwicklung ab. „Wir sind bei den Vorbereitungen auf einiges gestoßen, was eigentlich schon vergessen war und Fragen aufwirft“, erzählt Claudia Haider. Zum Beispiel eine Reliquien-Monstranz mit einem Haar von Pater Rupert Mayer (1876 bis 1945), Präses der Marianischen Männerkongregation und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der 1987 seliggesprochen wurde. „Noch wissen wir nicht, wie und warum sie nach Eichenau gekommen ist.“ Aufgelockert wird die Präsentation durch einen alten Beichtstuhl, Bilder und Figuren von Heiligen und von Erzengel Michael, auf den wohl das Patronat „Zu den heiligen Schutzengeln“ zurückgeht.

Der Einladung zur Eröffnung waren neben vielen Gläubigen die Bürgermeister aus Eichenau und Alling, Peter Münster und Stefan Joachimsthaler, sowie die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler gefolgt, die den Ausstellungsmachern ebenfalls großes Lob aussprachen. Bei einem Rundgang bewunderte Drechsler vor allem die reich bestickten Priestergewänder wie Kasel, Soutane und Stola. „Diese stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil“ erklärte dazu Claudia Haider – dieses fand von 1962 bis 1965 statt. Da Messen in der Zeit davor noch am Altar zelebriert worden seien und nicht wie später zum Volk gerichtet, seien die Rückseiten der Gewänder schöner verziert als die Vorderseite.
Die Ausstellung im Schutzengelsaal und im Foyer des Pfarrzentrums Eichenau ist bis Sonntag, 21. Juni, zu sehen. Öffnungszeiten sind wochentags von 15 bis 18 Uhr, am Samstag von 10 bis 19 Uhr (Kinder- und Familientag) und am Sonntag von 11.30 bis 19 Uhr (regelmäßig Orgel- und Kirchenführungen). Danach gibt das Ensemble Stucky ein Abschlusskonzert (19.30 Uhr).

