Lichtverschmutzung:Die Nacht darf dunkel bleiben

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Lichtverschmutzung: Wenn nicht an allen Ecken und Enden Lichter brennen, kommen auch der Mond und der Sternenhimmel viel besser zur Geltung.

Wenn nicht an allen Ecken und Enden Lichter brennen, kommen auch der Mond und der Sternenhimmel viel besser zur Geltung.

(Foto: Jesus Merida/IMAGO/ZUMA Wire)

Mit seiner Entscheidung, überflüssige Beleuchtung abzuschalten, ist Fürstenfeldbruck auf dem richtigen Weg. Deshalb hätte man aber nicht komplett auf die Earth Night verzichten müssen.

Kommentar von Stefan Salger

Die Heizung auf volle Pulle drehen und gleichzeitig die Fenster offenstehen lassen - natürlich macht kein intelligenter Mensch so etwas. Nicht nur wegen der Sommerhitze, die neue Rekordmarken erklimmt. Sondern auch nicht im Winter. Schon allein deshalb, weil ihn spätestens in ein paar Monaten eine noch saftigere Heizrechnung ins Haus flattern würde.

Ähnlich ist es mit dem Strom, der ebenfalls teurer wird und dennoch sinnlos verschwendet wird. Da präsentieren sich vor allem in Städten Baudenkmäler im Festtagsglanz - wenn die potenziellen Bewunderer in der Tiefschlafphase sind. Fürstenfeldbruck tut gut daran, sinnlose nächtliche Beleuchtungen abzustellen, wie dies jüngst beschlossen worden ist. Nachts um zwei Uhr wird sich kaum jemand in den Bann der stimmungsvoll illuminierten Amperbrücke schlagen lassen. Und es ist wenig wahrscheinlich, dass sich auf dem gähnend leeren Parkplatz der Amperoase lichtscheue Gesellen herumtreiben. Also ja: Licht aus! Und dort, wo rechtliche Gründe entgegenstehen: zumindest herunterdimmen!

Originellerweise war es ein Vorteil, dass die Stadtverwaltung für die Bearbeitung des entsprechende Antrags der ÖDP-Stadträtin Alexa Zierl schlappe 15 Monate benötigte. Denn im Licht der aktuellen Energiekrise kann man sich eine Verschwendung schon allein aus Kostengründen nicht mehr leisten - selbst wenn man Klima- und Artenschutz ausblenden würde. Und weil ein Teil des Stroms immer noch von Gaskraftwerken erzeugt wird, ist die Reduzierung der Lichtverschmutzung ganz nebenan auch ein Beitrag zur Unabhängigkeit von russischen Rohstofflieferungen und ein Schritt Richtung Energieautarkie. Insofern macht Fürstenfeldbruck alles richtig. Fast alles jedenfalls.

Denn der komplette Verzicht auf die Earth Night wäre nicht nötig gewesen. Schon wahr: Das möglichst flächendeckende Abschalten des Lichts ist wohl zu aufwendig. Aber ein Denkanstoß wäre es durchaus, rund um exponierte Bauwerke oder Gebäudekomplexe wie Amperbrücke oder Kloster Fürstenfeld mal den Schalter für ein paar Stunden umzulegen. Ein solcher Denkanstoß ist deshalb nötig, weil Städte und Gemeinden selbst nur einen überschaubaren Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Entscheidend ist es, auch die privaten Haushalte ins Boot zu holen.

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