Es ist eine gemütliche Runde im Gasthaus „Zur Sonne“ in Mammendorf. 14 Männer und Frauen haben sich auf die Tische aufgeteilt, manche sitzen in der Gruppe, manche allein. Schon bevor die Redner ihren Vortrag beginnen, wird zwischen den Zuschauerinnen und Zuschauern diskutiert, später wird das so weitergehen. Das Thema der E-Mobilität ist heiß, was nicht nur in Mammendorf zu beobachten ist.
Die Diplom-Ingenieure Tobias Lexhaller und Michael Pausch referieren genau deshalb darüber, sie wollen irreführende Mythen und Vorurteile über Elektroautos aus der Welt schaffen. Lexhaller beschäftigt sich seit Jahren mit der Energiewende im Landkreis und sitzt im Vorstand der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Stiftung betreibt das Projekt „Fossilfreier Landkreis“, zu dem der Vortrag gehört.
Ziel der Veranstaltung sei es, die Fakten dazulegen, sagt Lexhaller, ohne wirtschaftliche oder politische Interessen. Dann erklärt der Diplom-Ingenieur die Gesetzeslage. Das bayerische Klimagesetz besagt, dass der Freistaat bis zum Jahr 2040 klimaneutral sein soll. Um das zu erreichen, sollte Lexhaller zufolge schleunigst flächendeckend auf Elektroautos umgestiegen werden.
Etwa vier Prozent der Autos im Landkreis fahren elektrisch
Denn obwohl er betont, dass Fürstenfeldbruck der Landkreis mit dem besten öffentlichen Nahverkehrsnetz in ganz Deutschland sei, fahren seiner Ansicht nach immer noch zu viele Leute mit dem Auto, betrieben durch einen Verbrenner-Motor. So werden nach seiner Hochrechnung im Landkreis pro Tag etwa eine Million Euro für Öl und Gas ausgegeben. Dieser hohe Wert lasse schon darauf schließen, dass in der Region nicht viele Elektroautos unterwegs sind. Auch hier liefert Lexhaller Zahlen: Nur 3,58 Prozent aller Fahrzeuge im Landkreis fahren elektrisch.
Dann wagt er sich an den ersten Mythos heran, von dem E-Autos umgeben sind. „Ich habe keine Zeit zum Laden“, heiße es oft. Dem entgegnet Lexhaller, dass Autos in Deutschland im Schnitt 23,5 Stunden am Tag nur stehen würden. In dieser Zeit könnten sie also problemlos für die durchschnittlich 30 Minuten täglicher Fahrtzeit geladen werden. Außerdem sei das Aufladen eines Elektroautos auf das Jahr gerechnet deutlich kostengünstiger als das Tanken mit Benzin oder Diesel für ein Fahrzeug mit Verbrenner-Motor.

Dann steigt Michael Pausch ein und legt anhand von Zahlen des Umweltbundesamtes dar, wie viel effizienter Elektroautos im Gegensatz zu Verbrenner-Autos sind. Während ein Verbrennermotor umgerechnet einen Energieaufwand von 70 Kilowattstunden auf 100 Kilometer hat, kommt der Elektromotor nur auf 18. Zusätzlich werde beim E-Auto weniger Kohlenstoffdioxid verbraucht, da dort keine Energie in Wärme, zum Beispiel an den Bremsen oder im Motor, umgewandelt werde. Außerdem müsse der Sprit „erst einmal gewonnen werden“, oft durch aufwendige Prozesse wie Fracking, wobei ebenfalls CO₂ freigesetzt werde.
Alternativen wie Wasserstoff oder E-Fuels lehnt der Elektroingenieur ebenfalls ab, da Wasserstoff für den alltäglichen Gebrauch zu teuer wäre, während E-Fuels in der Herstellung zu energieaufwendig seien. Die einzig wirklich umsetzbare, klimaschonende Alternative sei eben der Elektromotor. So schleppe dieser auch keinen „CO₂-Rucksack“ durch die energieaufwendige Produktion des Akkus mit sich herum. Den Energieaufwand der Produktion habe das Auto bereits nach 10 000 bis 15 000 Kilometern, im Vergleich zum kontinuierlichen Verbrauch des Verbrenners, wieder hereingefahren. Pauschs Fazit: „Das rentiert sich definitiv!“

Energiewende:Großer Ansturm auf Windpark-Anteile
Die Bürgerenergie-Genossenschaften Sonnensegler und Freising freuen sich über großes Interesse an dem Projekt in Jesenwang. Weitere Investitionen sind möglich.
Bedenken zu erhöhter Brandgefahr und schwacher Akkuhaltbarkeit räumt er ebenfalls aus. Nach Zahlen der US-amerikanischen Autobahnbehörde gingen Verbrennermotoren sogar häufiger in Flammen auf, da durch die große Hitze im Motor ein höheres Risiko herrsche. Und während frühere Akkus tatsächliche Probleme mit der Haltbarkeit hatten, seien diese mittlerweile gelöst worden. So würden neuere Natrium-Ionen-Akkus bereits problemlos über eine Million Kilometer halten.
„Für den Alltag sind E-Autos mehr als tauglich“, sagt Lexhaller abschließend. Denn es gibt laut Bundesnetzagentur deutschlandweit mittlerweile über 125 000 Ladepunkte für die E-Motoren, im Vergleich zu knapp 14 000 Tankstellen. Für Leute, die eher kürzere Strecken fahren, könne das Elektroauto also eine ernst zu nehmende Alternative sein. Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer in Mammendorf scheinen die Argumente überzeugt zu haben. Als Lexhaller in die Runde fragt, wer sich überlege, ein E-Auto zu kaufen, gehen fast alle Arme hoch.

