Dünnhäutiger Landrat Frommer Wunsch

Landrat Thomas Karmasin steht sich im Wahlkampf selbst im Weg. Auch der Ministerpräsident kann da nicht helfen.

Von Andreas Ostermeier

Der Wahlkampf zerrt an den Nerven von Landrat Thomas Karmasin (CSU). Wie sehr ihn die aktuellen Angriffe und Nadelstiche der politischen Gegner ärgern, ist dem Landrat am Montagabend bei der Kundgebung mit Horst Seehofer in Gröbenzell anzumerken. Karmasin äußert einen Wunsch, der "nichts kostet", und fordert den Ministerpräsidenten auf, doch die Oppositionsabgeordneten von SPD und Grünen im Landtag ein wenig mehr zu beschäftigen. Dann hätten diese weniger Zeit für die "unglaubliche Fülle von Aktivitäten", mit denen sie das bayerische Parlament befassten - und er weniger Ärger. Um seine Bitte zu untermauern, erwähnt Karmasin zwei Beispiele: den Antrag der Landtags-SPD zu der in diversen Zeitungen erschienenen Beilage zu 75 Jahre Landratsamt sowie den Antrag des Germeringer Abgeordneten Sepp Dürr von den Grünen, der sich mit einem Leserbrief befasste, den Landrat Thomas Karmasin nach dem Brand der Germeringer Asylunterkunft geschrieben hatte.

Aus der Sicht von Karmasin ist der Wunsch an Ministerpräsident Seehofer sehr verständlich. Das Feuer, das einen Teil des Flüchtlingsheims verwüstete, der Ärger um die Beilage, die Kritik an den Zuständen im Kreiskrankenhaus: Ausgerechnet im Wahlkampf muss Karmasin viele unschöne Schlagzeilen lesen. Doch Seehofer wird daran nichts ändern können, auch wenn er Herbert Kränzlein (SPD), Sepp Dürr und andere mit Arbeit eindecken könnte.

Denn Karmasin stellt sich ständig selbst ein Bein. Anstatt zuerst sein Mitgefühl für die Asylbewerber auszudrücken, von denen einige sich gerade noch aus einer brennenden Baracke flüchten konnten, schreibt er in dem genannten Leserbrief unter Berufung auf die Polizei, dass ein fremdenfeindliches Motiv für die Brandstiftung nicht wahrscheinlicher sei als eine Beziehungstat oder "schlichte Verwirrtheit". Ebenso unsensibel reagiert er auf die Kritik der SPD an der Landratsamtsbeilage. Dem Kreisvorsitzenden Michael Schrodi bescheidet er per Mail, dass auch die SPD in undemokratischer Zeit, nämlich dem Kaiserreich, gegründet worden sei. Das ist nicht nur falsch, weil es 1863 keinen deutschen Kaiser gab, sondern muss von den Sozialdemokraten auch als Provokation aufgefasst werden. Auf Fragen von Schrodi im Kreisausschuss, wie die nach den Kosten der in einer Auflage von mehr als 300 000 Stück erschienenen Beilage, reagiert Karmasin pampig: Wenn ihnen die Beilage nicht gefalle, dann könnten sie ja die Rechtsaufsicht einschalten, sagt er am Montag in Richtung von Grünen und SPD. Schon deutet Kreisrat Peter Falk (SPD) die Möglichkeit einer Wahlanfechtung an. Das wäre der nächste große Ärger.

Aufklärung sucht Karmasin auch nicht, was die Kritik an der Kreisklinik angeht. Dass er sich als Vorsitzender des Verwaltungsrates vor die Mitarbeiter des Krankenhauses stellt, ist nachvollziehbar. Schwer verständlich ist dagegen, dass er sich gegen eine Sondersitzung ausspricht, in der die Klinikleitung den Kreisräten Rede und Antwort stehen könnte. Lieber zieht er in öffentlicher Sitzung über die Süddeutsche Zeitung her und tut die Berichterstattung über das Krankenhaus als "Fake" ab. Gut möglich, dass ihn Aussagen, wie es gebe dort "keinerlei Fehlleistungen bei der Visite" noch in Bedrängnis bringen. Seehofer kann dann auch nicht helfen.