SZ-Serie "Die Seele des Vereins" (Folge 9) Ein Leben für Tiere

Seit zwölf Jahren betreiben Heidi und Peter Minderlein die Auffangstation in Überacker. Das Ehepaar ist rund um die Uhr im Einsatz, um verletzten, vernachlässigten oder ausgesetzten Vierbeinern und Vögeln ein vorübergehendes Heim zu geben

Von Ariane Lindenbach, Maisach

"Urlaub", lachen Heidi und Peter Minderlein, als sie nach einem Termin gefragt werden. Nein, Urlaub würden sie nicht machen, schon seit Jahren nicht. "Urlaub in Überacker ist auch schön", grinst der 69-jährige Gernlindner. Damit will der Mann der Vorsitzenden vom Verein Tierfreunde Brucker Land - die "graue Eminenz im Hintergrund", wie er sich selbst gern bezeichnet - zweierlei sagen: dass sie praktisch jeden Tag in der Tierauffangstation in Überacker arbeiten und dass es ihnen Spaß macht.

Die Auffangstation, das ehemalige Wasserwerk von Überacker kurz vor dem Ortseingang, bietet zahllosen Tieren ein sicheres vorübergehendes Heim. Die Tierfreunde kümmern sich um alle herrenlosen Haustiere außer Hunden sowie um verletzte Wildtiere. Erst vor Kurzem, erzählt Heidi Minderlein, habe sie ein verletzter Marder beschäftigt. Die 65-Jährige mit der adretten schwarzen Kurzhaarfrisur berichtet, wie sie von einer Frau angerufen wurde, während sie in Überacker die derzeit etwa 90 Tiere versorgte. Die Anruferin sprach von einem verletzten Marder in ihrem Garten. Heidi Minderlein machte also ihre Arbeit fertig und fuhr zu der Frau, im Garten versuchte sie, das Wildtier einzufangen. Ohne Erfolg. Also fuhr sie wieder nach Überacker, besorgte eine Lebendfalle, fuhr wieder zu dem Marder und stellte die Falle auf. Viel Hoffnung habe sie aber nicht, dass das Tier gefangen und ihm dann geholfen wird, sagt die Vereinsvorsitzende, die früher in Gernlinden das Geschäft "Mode Textil Meyer" geführt hat. Jedenfalls erfordere ein solcher Einsatz eine Menge Zeit.

Die Zukunft der Tierauffangstation ist derzeit mehr als ungewiss.

(Foto: Johannes Simon)

Tierlieb sei sie "von Kindesbeinen an", sagt die 65-Jährige mit einem leichten Schulterzucken. So als wollte sie sagen: Ist doch selbstverständlich. Zu Hause in Weißenburg, wo auch Peter Minderlein aufgewachsen ist, hätten sie stets Hunde, Katzen, Hühner und Hasen gehabt, erinnert sie sich. "Und seit wir verheiratet sind haben wir immer Tiere", fügt die langjährige Vorsitzende der Tierfreunde hinzu. "Irgendwo ist immer etwas liegen geblieben", sagt sie. Was heißen soll, dass sich die Minderleins schon immer um schutzbedürftige herrenlose Tiere gekümmert haben. Ein Hund vom Züchter oder gar ein Hase aus dem Baumarkt käme für die beiden nicht in Frage. Die beiden Hunde zum Beispiel, Bruno und Amelie, zwei Promenadenmischlinge von eher kleiner Statur, hat das Ehepaar auch durch sein Engagement in Sachen Tierschutz bekommen.

Heidi Minderlein ist seit 2005 Vorsitzende der Tierfreunde. Ihr Mann sowie Tochter Daniela Enders sind etwa genauso lange Mitglied bei den Tierfreunden. "Und seitdem arbeiten wir rund um die Uhr, es gibt kein Wochenende", auch nachts läute gelegentlich das Telefon, schildert die Gernlindnerin. Zuhause ist das Büro der Tierfreunde mit Telefonanschluss. In Überacker gibt es einen Extraanschluss für die Tierauffangstation. Zwischen zehn und 15 Anrufern habe sie jeden Tag, schätzt die 65-Jährige. Wie zum Beweis klingelt ihr Handy. Die Tierärztin ist dran und berichtet, dass die geplante Kastration eines Kaninchenbocks zum zweiten Mal nicht geklappt hat. Heidi Minderlein wird das Tier später aus Maisach abholen, ihr Mann brachte es dort morgens vorbei.

Die Tierauffangstation hilft Vierbeinern in Not.

(Foto: Johannes Simon)

2005 war auch das Jahr, in dem die Tierfreunde Brucker Land von der Gemeinde Maisach schließlich das ehemalige Wasserwerk pachtfrei zur Verfügung gestellt bekommen haben. Damals stand auf dem weitläufigen mit Büschen bewachsenen Gelände lediglich ein kleines ebenerdiges Häuschen. Inzwischen sind in alle Himmelsrichtungen Käfige zu sehen: gegenüber der Eingangstüre erstreckt sich die Voliere mit 35 Vögeln - Kanaris, Wellensittiche und ein paar andere. Dort haben die Tiere viel Platz zum Fliegen, wenn es ihnen zu kalt wird, können sie in den beheizten Innenraum umsiedeln. Nach diesem Prinzip sind auch die Gehege für Katzen, Kaninchen und andere Nager entstanden. Der Soldat im Ruhestand Minderlein hat sie fast alle mitgebaut.

Die ganze Arbeit alleine zu stemmen, ist laut Minderlein nicht möglich. Ohne die 25 aktiven Helfer würden sie es nicht schaffen, betont sie. Eigentlich wollte Minderlein den Vorsitz schon längst abgeben, aber bisher hat sich kein Nachfolger gefunden. "Weil keiner dieses Ehrenamt, wo man Tag und Nacht zur Verfügung stehen muss, machen will", zudem seien viele Mitglieder berufstätig, hätten also nicht genug Zeit. Mittlerweile hat die Gernlindnerin aber jemanden gefunden, wie sie durchblicken lässt.

Urlaub kennen sie nicht, die Betreiber der Tierauffangstation in Überacker. Heidi und Peter Minderlein versorgen praktisch jeden Tag kleine Vierbeiner und Vögel.

(Foto: Johannes Simon)

Allerdings ist die Zukunft der Tierfreunde derzeit generell fraglich. Denn es gibt nicht nur personelle, sondern vor allen Dingen auch finanzielle Probleme. Bereits vor einem Jahr begann man mit Aktionen wie Unterschriftensammlungen oder dem Abgeben eines ganzen Kaninchenwurfs im Olchinger Rathaus, um auf die prekäre finanzielle Situation aufmerksam zu machen. Doch eine Unterstützung durch die anderen Kommunen im Landkreis scheint nun vom Tisch, da die Tierfreunde Brucker Land keine Hunde halten dürfen. Wie es nun weitergehen soll mit dem Verein, ob er sich womöglich auflösen muss, das kann die Vorsitzende erst nach der nächsten Mitgliederversammlung Ende Juni sagen.