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Die neue Erlebnisbücherei in Esting:Buch und Brot

In der ehemaligen Sparkassenfiliale haben sich die städtische Bibliothek und eine Bäckerei zusammengetan. In der gemeinsamen Nutzung geht der Verkaufs- fließend in den Leseraum über

Freitagmorgen, kurz vor acht Uhr: Noch ist es ruhig in der frischeröffneten Erlebnisbücherei nahe dem Estinger Bahnhof. Eine Frau stöbert durch die Buchreihen, ein Mann holt sich am Tresen der Bäckerei einen Kaffee. Die Tische am Fenster sind noch unbesetzt ebenso wie die Sessel und Sofas, die im ganzen Raum verteilt liegen. Bei der Eröffnung zwölf Stunden zuvor sah das noch anders aus: Die Menschen drängen sich geradezu in der ehemaligen Sparkassenfiliale. Sie inspizieren die neuen Regale und lassen die Blicke über die Buchrücken schweifen. "In Bayern gibt es kein vergleichbares Modell", schwärmt Bürgermeister Andreas Magg. Wenn das Konzept erfolgreich ist, sei es möglich, in Olching etwas Ähnliches aufzubauen.

Im Rücken dampft der Kaffee: Die Bibliothekare Matthias Wagner und Chiara Wiencke haben in Esting eine neue ungewöhnliche Umgebung gefunden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die neue Erlebnisbücherei kombiniert Café und Bibliothek, eine öffentlich-private Zusammenarbeit zwischen städtischen Büchereien und der Bäckerei Rackls Backstubn. Im Eingangsbereich ist das Café angesiedelt, mit einem Tresen voller Gebäck sowie Sitzen am Fenster. Dahinter folgen die Regale der Bibliothek. Das Besondere: Besucher können Kuchen genießen, während sie im Buch schmökern.

Eine Trennung zwischen Bücherei und Café gibt es nicht, beide Bereiche gehen nahtlos ineinander über. Auch bei der Dekoration hat man auf die Verbindung geachtet: Über den Tischen und Stühlen der Bäckerei hängen zahlreiche Bücherstapel von der Decke. Auch neben der Eingangstür stapelt sich die Literatur, darauf thronen riesige Brotlaibe. "Erlebnisbücherei Esting" steht darauf.

Die neue "Erlebnisbücherei" enthält auch eine Bäckereifiliale.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wann und wo der Name das erste Mal verwendet wurde, wisse er nicht mehr, sagt Bibliotheksleiter Matthias Wagner. Auch für ihn ist es ein neues Konzept. Vor dem Umzug war die Bücherei Esting in der nahen Grundschule angesiedelt, dort soll nun eine Schulbibliothek entstehen. Die meiste Literatur aus dem alten Bestand wurde aussortiert oder im Zuge eines Flohmarktes verkauft. Viele der Buchrücken in den neuen Regalen glänzen dementsprechend neu. "Wir haben ordentlich eingekauft", meint Wagner. Die Bücher sind jedoch nicht die einzige Neuerung.

Bücher dominieren nun in der ehemaligen Sparkassenfiliale, die die Bank aufgegeben hatte.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch die Öffnungszeiten wurden erweitert: Mitarbeiter stehen von nun an 77 Stunden in der Woche zur Verfügung, erklärt Wagner. Mit einem neuen elektronischen Ausleih- und Rückgabesystem können Kunden aber auch eigenständig Literatur mitnehmen oder zurückgeben. Wagner freut sich, dass die Erlebnisbücherei entstehen konnte: Sie sei ein Ort, an dem die Menschen zusammenkommen können.

Dabei habe das Projekt zunächst mit einer wenig erfreulichen Zusammenkunft begonnen, erinnert sich der Bürgermeister. Damals habe ihm die Sparkasse mitgeteilt, den Standort in Esting aufzugeben. "Für einen Stadtteil ist das kein gutes Zeichen." Man habe überlegt, welches Gewerbe in die Räume ziehen könnte. Daraus entstand die Idee der Erlebnisbücherei. Das ganze Projekt sei ein tolles Modell, findet auch Geschäftsführer Xaver Rackl. Brot und Buch haben seiner Meinung nach ohnehin viel gemeinsam: "Beides hat eine lange Tradition und wird wertgeschätzt." Auf jeden Fall stelle die Erlebnisbücherei einen neuen Treffpunkt in Esting dar, erklärt Magg. "Das war ein Hauptanliegen: Dass der Stadtteil belebt bleibt."

Zwölf Stunden später: Nach dem großen Aufgebot am Eröffnungstag wirkt die Stille um kurz vor acht Uhr morgens geradezu beruhigend. Mit einer Butterbreze in der Hand strebt man auf den Ausgang zu, an den Bücherstapeln und den "Erlebnisbücherei - Esting - Brotlaiben" vorbei. Im Hinausgehen sieht man, wie bereits die ersten Menschen auf die ehemalige Sparkassenfiliale zustreben. Kurze Zeit später hat sich bereits eine Schlange vor dem Tresen gebildet. Sie reicht beinahe bis zur Tür.

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