Die Linke:Die Einzelkämpferin

Ernestine Martin-Köppl

Ernestine Martin-Köppl.

(Foto: Privat)

Ernestine Martin-Köppl strebt das Ergebnis von 2017 an

Von Karl-Wilhelm Götte, Emmering

Ernestine Martin-Köppl ist das Gesicht der Linken in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die 61-jährige Bürokauffrau auch als Direktkandidatin der Partei bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck antritt. Kämpfen ist eigentlich ihr Metier. Hat sie das Wort bei Kandidatendiskussionen, schlägt sich die eloquente ehemalige Krankenschwester immer sehr passabel. Doch in Pandemiezeiten läuft einiges anders, direkte Debatten gibt es kaum, und auch die Unterstützung der Parteimitglieder ist überschaubar. "Mein Wahlkampf könnte besser laufen", sagt denn auch Martin-Köppl.

Die Messlatte für die Kreissprecherin der Linken liegt einigermaßen hoch. Bei der Wahl im Jahr 2017 vier Jahren konnte die Partei immerhin 4,1 Prozent der Erst- und 5,1 der Zweitstimmen verbuchen. "Das Ergebnis war vor vier Jahren sehr gut", sagt die Kandidatin. Mit großem persönlichen Einsatz versucht Martin-Köppl, die in Garmisch aufgewachsen ist und seit 2007 in Emmering lebt, die zum großen Teil fehlende Unterstützung der Partei vor Ort zu kompensieren. "Die jungen Leute bei den Linken müssen studieren oder ihren Jobs nachgehen", beklagt sie. Deshalb schwärmt sie mit ihrem Ehemann Michael selbst aus, um Plakate zu kleben. Doch in der Endphase des Wahlkampfs ist Martin-Köppl zuversichtlich, dass sie ihre jungen Mitstreiter aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau noch zu mehr Engagement motivieren kann.

Immer noch fehlt es der Linken vor Ort am personellen Unterbau. Drei Mandate gab es bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr im Landkreis Fürstenfeldbruck. So sitzt ein Vertreter der Linken im Brucker Stadtrat und einer im Kreistag. Die gewählte Linken-Stadträtin in Germering ist inzwischen zur SPD übergetreten und hat ihr Mandat mitgenommen.

Martin-Köppl weiß, dass die Öffentlichkeit gerade auf die drei Kanzlerkandidaten fixiert ist. "Dazu kommt das Linken-Bashing von CDU und CSU", sagt die Emmeringerin, weil die vor einem möglichen linken Bündnis mit SPD und Grünen in Verzweiflung gerieten. Bei der Wahl will sie mit sozialen Themen punkten, darunter ist eine auskömmliche Rente nach österreichischem Vorbild. "Auch unser Klimaschutzprogramm ist hervorragend", hebt Martin-Köppl hervor, "weil es uns dabei mehr als bei den Grünen auch um soziale Gerechtigkeit geht." Dass die Linke eine Friedenspartei ist, sei wohl unbestritten. Als einzige habe sie Auslandseinsätze der Bundeswehr immer abgelehnt. "Mit unserem Programm müssten wir zweistellig werden", bekräftigt sie noch.

Martin-Köppl weiß jedoch, dass die Wählerinnen und Wähler kaum Programme lesen. In drei Wochen findet die Bundestagswahl statt und es gibt das Ergebnis. Danach freut sich die Kandidatin vor allem darauf, ihre im vergangenen Herbst geborene Enkelin in Bad Kohlgrub wieder häufiger zu sehen.

© SZ vom 03.09.2021
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