Von Montag, 1. Mai, an können Fahrgäste bundesweit nicht nur in S- und U-Bahnen, Trambahnen und Regionalzügen mit dem neuen Deutschlandticket fahren, sondern auch in den Bussen und im MVV-Ruftaxi im Landkreis. Zwar ist es mit einem Fahrpreis von 49 Euro im Monat bei weitem nicht so günstig wie das Neun-Euro-Ticket, das es im vorigen Sommer für drei Monate gab, aber immer noch deutlich preisswerter als die normalen Fahrkarten.
Die Ersparnis ist etwa für Berufspendler groß. Ein Beispiel: Wer von Türkenfeld, das weit draußen in der Zone M+4 liegt, mit der S4 nach München fahren will, zahlte bislang für die Isarcard 185,50 Euro im Monat und künftig eben nur noch 49 Euro. Auch jene Isarcard, die erst ab neun Uhr morgens gilt, kostete den Türkenfelder bislang 86,20 Euro. Auch wer in Germering in die S8 einsteigt, spart deutlich, er musste bisher für die Zone M+1 der Isarcard 101,80 Euro monatlich ausgeben. Nicht gültig ist das Deutschlandticket indes im Fernverkehr, also in ICE, IC, EC oder bei Flixtrain.
Der Landkreis Fürstenfeldbruck wirbt für den damit verbundenen Umstieg auf Busse und Bahnen. "Das Nachfolgemodell des Neun-Euro Tickets lohnt sich insbesondere für alle, die etwas zum Klimaschutz beitragen und klimafreundlich unterwegs sein möchten", heißt es in einer Pressemitteilung.
Drei Milliarden Euro für die Finanzierung
In Sorge sind die Landkreise allerdings wegen der Finanzierung. Der Kreistag Fürstenfeldbruck erließ deshalb kürzlich eine sogenannte Allgemeine Vorschrift, die sicherstellen soll, dass auf den Landkreis später keine Kosten für das Deutschlandticket im Einführungsjahr 2023 zukommen. Wie Hermann Seifert erklärt, Fachmann für Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landratsamt, gibt es für das laufende Jahr eine "Nachschusspflicht", das heißt, Bund und Länder übernehmen mögliche, durch den niedrigeren Fahrpreis verursachte Einnahmeverluste der Verkehrsunternehmen. Der Beschluss sei "sicherheitshalber" erfolgt.
Der bayerische Landkreistag, dessen Präsident Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin (CSU) ist, hatte als Interessenvertretung der Kreise bereits kritisiert, dass "die kommunalen Aufgabenträger zwischengeschaltet" worden seien und nun die Abrechnung mit den Verkehrsunternehmen leisten und sich die dafür erforderlichen Finanzmittel eigens in einem Erstattungsverfahren holen müssten.

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Drei Milliarden Euro wollen sich Bund und Länder das Deutschlandticket jährlich gemeinsam kosten lassen, auch in den kommenden Jahren. Für das Szenario, was passiert, falls die Summe nicht ausreicht, gibt es noch kein endgültiges Ergebnis. In einem Schreiben von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) an den Landkreistag heißt es jedoch, nach Gesprächen in der Verkehrsministerkonferenz sei "eine Dynamisierung der Ticketpreise" - also eine Erhöhung - in den Folgejahren nicht ausgeschlossen.
Die Anschaffung eines Deutschlandtickets ist indes nicht so einfach, wie es beim Vorgängermodell Neun-Euro-Ticket war. Dieses war ebenso günstig wie unbürokratisch: Man konnte es einfach spontan aus dem Automaten holen, ohne sich vorher irgendwo registrieren und seine Daten hinterlassen zu müssen. Einfach nur kurz mit einem Stift den eigenen Namen drauf geschrieben und eingesteckt. So analog, so einfach.
Das neue 49-Euro-Ticket ist personalisiert und nur im Abonnement erhältlich. Es kann unter anderem bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bestellt werden, bei der S-Bahn München, bei der Deutschen Bahn, in der App "München Navigator", in der App "DB Navigator", in den Kundencentern und DB-Reisezentren. Bestehende Isarcard-Abos können umgestellt werden.
Handyticket oder Chipkarte
Wer das Deutschlandticket nicht als Handyticket haben möchte, kann eine Chipkarte bestellen. Dass nicht alle den Fahrschein digital auf ihrem Smartphone haben wollen, sei gar nicht unbedingt eine Frage des Alters, weiß Hermann Seifert. Manche Fahrgäste sorgten sich auch darum, dass sie den Fahrschein nicht vorzeigen könnten, wenn etwa der Akku leer ist. Eine kleine Anmerkung dazu hat er: In den Bussen, die im Landkreis fahren, gebe es mittlerweile USB-Lademöglichkeiten.
Obwohl es ein Abo ist, kann man das Ticket auch nur für einen einzelnen Monat kaufen. Wer sich erst nach dem 30. April für ein Deutschlandticket entscheidet, "kann es noch im Mai nutzen und muss nicht bis zum 1. Juni warten", teilt dazu die Deutsche Bahn mit. In diesem Fall würden die 49 Euro nur anteilig berechnet. Zum Wintersemester 2023/24 soll es für Studenten, Auszubildende, Freiwilligendienstleistende und Schüler von der 11. Klasse an ein ermäßigtes Deutschlandticket für 29 Euro geben. Für Schüler gibt es weiterhin das 365-Euro-Ticket.
Im Juli gibt es erste Zahlen für den Landkreis
Im Laufe des Monats Juli wird man wissen, wie viele Abonnenten des Deutschlandtickets die Busse im Landkreis nutzen. Dann würden die Daten analysiert, die die automatischen Fahrgastzählsysteme für die ersten beiden Monate Mai und Juni lieferten, sagt ÖPNV-Experte Seifert. Die Zuwachsraten bei der Nutzung der Busse lägen derzeit im zweistelligen Prozentbereich über der Vor-Corona-Zeit, berichtet er. Ausnahmen seien die Buslinien 843 und 835, auf denen infolge der Insolvenz des Busunternehmens Enders noch immer Notfahrpläne gelten.
"Die Nutzerzahlen sind für uns wichtig", sagt Seifert, denn wenn im Herbst der Kreishaushalt für das nächste Jahr zusammengestellt wird, geht es auch darum, wie viel Geld der Landkreis in den ÖPNV stecken will und kann.

