Der Ferienreporter Seelsorgerin auf vier Rädern

Mit ihrem Taxi fährt Diana Ebhardt nicht nur Gäste, die ihre S-Bahn verpasst haben, sondern auch Stammkunden, die täglich zum Arzt müssen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Diana Ebhardt ist seit etwa 20 Jahren Taxifahrerin im Landkreis. Auch wenn es an manchen Tagen ruhig zugeht, an spannenden, bewegenden und kuriosen Erlebnissen mangelt es ihr nie

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Ihren ersten Arbeitstag in Fürstenfeldbruck wird Diana Ebhardt wohl niemals vergessen. Ihre Schicht war so gut wie vorbei, die letzte Fahrt stand an: Ein junges Mädchen wollte von einem Festival in Schöngeising abgeholt werden. "Als ich angekommen bin, meinte ihre Freundin, ich solle mir keine Sorgen machen, es gehe ihr schon wieder ganz gut. Auf der Fahrt habe ich mich dann auf den Verkehr konzentriert, aber irgendwann war es mir doch zu still da hinten, also habe ich mich mal umgedreht." Was Ebhardt dann sah, war wohl der Klassiker unter den Taxigeschichten: Dem Mädchen ging es wohl doch nicht so gut, statt aus dem Fenster hat sie sich ins Taxi erbrochen. "Ich habe sie dann zu Hause rausgelassen und meinen Chef angerufen, es war mir so unangenehm", erinnert sich die 41-Jährige. Doch statt sich aufzuregen, hat ihr Chef Victor Arnold sie beruhigt und dann sogar beim Saubermachen geholfen.

Gerade einmal zwei Monate arbeitet Ebhardt jetzt in Fürstenfeldbruck. Neu ist sie allerdings nicht im Geschäft - im Gegenteil. Vorher ist sie 18 Jahre in Germering gefahren. Am Dienstagnachmittag steht sie mit ihrem Ford Galaxy am Brucker Hauptplatz und wartet auf Aufträge. "Heute ist ein besonders ruhiger Tag, normalerweise gibt es mehr zu tun." Sie ist das dritte Taxi in der Reihe. Nach 15 Minuten rauscht das Funkgerät zum ersten Mal, die Zentrale gibt den ersten Auftrag raus. "Wir sind aber noch nicht dran", sagt Ebhardt, kurz darauf setzt sich der erste Wagen in Bewegung, die anderen rücken einen Stellplatz weiter. Beim Blick ins Cockpit fällt schnell auf, das ein wichtiges Gerät fehlt: das Navi. "Ich weigere mich tatsächlich, so ein Gerät zu benutzen. Ich finde, damit verdummt man", sagt Ebhardt. Deshalb nutzt sie ihre Wartezeiten unter anderem auch dazu, den Stadtplan zu studieren. "Nur in ganz seltenen Fällen, etwa wenn ein Kunde nach Augsburg will, in eine Straße, die ich nicht kenne, dann schaue ich kurz auf das Navi in meinem Handy", verrät sie und ergänzt: "Bei Unsicherheiten ist meistens sowieso der Kunde das beste Navi."

Nach 45 Minuten Standzeit meldet sich wieder das Funkgerät. "Bestellung zum Leonhardsplatz." "Das ist die Radiologie", sagt Ebhardt und startet den Motor. "59 am Stand", antwortet sie und biegt auf die Straße ein. Unterwegs erkundigt sie sich, ob der Kunde in der Praxis abgeholt werden muss oder nach unten kommt. "Es ist ganz wichtig, für die Leute da zu sein und ihnen zu helfen." Denn als Taxifahrer sei man oft sogar eine Art Seelsorger. "Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die Leute eher einem Taxler anvertrauen als ihrer Familie", so Ebhardt. Gerade in einer Stadt wie Bruck habe man viele Stammkunden. Das seien meist ältere oder kranke Menschen, die oft täglich zum Arzt müssen. "Da baut man dann mit der Zeit schon ein freundschaftliches Verhältnis auf."

So ist es auch bei dem Kunden am Leonhardsplatz. Ebhardt hat ihn schon öfter nach der Behandlung abgeholt. Und so wird die Fahrt zum ausführlichen Smalltalk, es wird gescherzt, Anekdoten werden ausgetauscht. Und wie es der Zufall so will, erlebt die 41-Jährige unterwegs gleich die nächste kuriose Geschichte. Auf der Landstraße fährt ein Kleinbus vor dem Taxi her. Plötzlich öffnet sich der Kofferraum und ein Schäferhund blickt verunsichert in die neugewonnene Freiheit. Zum Glück merkt der Halter das Problem sofort und hält an. Langweilig, das wird schnell klar, ist der Beruf des Taxifahrers wohl nie.