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Konzert:Monstergut

Culcha Candela

Hits wie "Monsta" dürfen natürlich nicht fehlen, wenn "Culcha Candela" auftreten. So auch in Olching beim Streetfoodfestival. Die Fans sind von dem Konzert begeistert, nur auf eine Zugabe müssen sie am Ende vergeblich warten.

(Foto: Günther Reger)

Die deutsche Hip-Hop-Band "Culcha Candela" erfüllt in Olching alle Erwartungen und versetzt gut 2000 Fans in ausgelassene Partystimmung.

Grüne Hüte. Massenweise neongrün leuchtende Hüte. Dieses Detail springt als erstes ins Auge, wenn man am an diesem Abend das Gelände des Olchinger Volksfestes betritt. Grün scheint Trendfarbe zu sein. Blick man genauer hin, erkennt man die Farbe nicht nur an Hüten, sondern auch auf Sonnenbrillen, die reihenweise getragen werden. Rasch kann man auch den Initiator dieser Farbwelle ausmachen: "AOK" steht halb verdeckt auf den Kopfbedeckungen. Keine üble Vermarktung der Krankenkasse, die auch einen Stand beim Festival hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass am selben Tag vermutlich noch etliche Bilder der grünen Hüte auf Instagram auftauchen werden.

Es vergeht kaum eine Minute, in der man nicht irgendwo auf dem Gelände einen Besucher das Handy zücken sieht. Vor allem Selbstporträts ("Selfies") vor der Bühne sind beliebt. Und das schon Stunden, bevor Culcha Candela sich darauf blicken lässt. Die vierköpfige Hip-Hop-, Reggea- und Dancehallband aus Berlin ist der Auftakt und gleichzeitig der Höhepunkt des dreitägigen Streetfoodfestivals. Rund 2000 Menschen sind gekommen, um den Auftritt einer der erfolgreichsten deutschen Bands in ihrem Genre beizuwohnen.

Vor 20 Uhr übernimmt aber zunächst "Kopfeck", eine original Olchinger Gruppe, die musikalische Unterhaltung. Mit bayerischen Liedtexten auf rockige Melodien bezeichnen sie sich selbst - zu Recht - als das Gegenteil zu Culcha Candela.

Das Publikum wirkt anfangs eher höflich interessiert. Nur einige Neugierige versammeln sich vor der Bühne und spenden verhalten Beifall, als die fünfköpfige Band ihre Gitarren vibrieren lässt und auf bekannte Rockmelodien vom Bolzplatz singt. Die eigene Schwäche gibt die Band aber auch offen zu, ja, sie haben dem sogar ein eigenes Lied gewidmet: "Jeder sagt zu uns: ich glaub' ihr kommt's ned weid, aber wir spielen aus Freid", röhrt Sänger Rudolf Wiesent ins Mikrofon. Eine Charmeoffensive, die die Band sympathisch macht. Auch insgesamt moderiert Wiesent natürlich locker zwischen den Songs. Den Spaß, den die Musiker auf der Bühne haben, übertragen sie auf das Publikum. Immer mehr versammeln sich vor der Bühne, immer lauter wird der Applaus. Vor allem, als der Sänger eine riesige Fahne mit einer Cannabispflanze zückt - farblich passend zu den grünen Hüten und Brillen im Publikum - und mit großer Geste über dem Kopf schwenkt. Auf diese Weise schaffen sie genau das, was nach eigenen Angaben ihr Auftrag war: Gute Stimmung für Culcha Candela schaffen. Am Ende werden sie mit viel Applaus von der Bühne verabschiedet, die Menge wirkt aufgekratzt und warmgetanzt.

Beste Voraussetzungen also für den eigentlichen Showact des Abends. Die Gunst der Stunde weiß Culcha Candela auch für sich zu nutzen: Zu wilden Lichteffekten lässt die Band zunächst zwei Tänzerinnen aufmarschieren, bevor sie selbst auf die Bühne springen: "Macht mal Lärm, wenn ihr da seid!" fordern sie das Publikum auf. Eine Bitte, der die Zuschauer nur zu gerne nachkommen. Hände gehen in die Höhe, die Leute fangen an zu tanzen. Die letzten, die sich bis dahin noch an den Ständen aufhielten, strömen herbei. Ein fulminanter Auftritt, der auf Anhieb für Stimmung sorgt. Die hält sich das ganze Konzert über, steigert sich sogar kontinuierlich bis zum Ende. Kurz gesagt: Das Publikum feiert mit Culcha Candela "das schöne Leben" in vollen Zügen.

So lässt sich auch die Musik an diesem Abend beschreiben: Die Musik und der ganze Auftritt ist vor allem auf Party ausgelegt. Die Genres variieren dabei zwischen Hip-Hop, Pop, und Dancehall, zwischendurch ein wenig Reggea. Die Band mischt dabei geschickt zwischen alten Hits und neuen Songs, die sie teilweise zum ersten Mal live singen. Die Mischung erscheint passend angesichts des zweiten Best-Of-Albums "Feel Erfolg", das die Band im Herbst herausbringt.

Vom ersten Lied an wirkt die Show professionell und durchdacht. Das Publikum wird dabei regelmäßig eingebunden, die Ansprüche steigern sich im Laufe des Abends. Fordern die Bandmitglieder anfangs (vielleicht etwas zu penetrant) nur dazu auf, die Hände in die Luft zu nehmen, sollen die Zuhörer ein paar Lieder später schon springen. Es folgt der obligatorische "Spaziergang", bei dem die Fans zusammen mit der Band ein paar Takte gehen, bis alle zum Schluss für das neue Lied "No Tengo Problema" sogar Spanisch lernen sollen. Das klappt, nach einigen Übungsrunden, sogar ganz gut.

Und dann zum finalen Höhepunkt: Die Lichter werden dunkler, blaue Scheinwerfer gehen an, die ersten Takte einer Melodie ertönen. Nun singen wirklich alle mit, schon bei der ersten Strophe, spätestens aber beim Refrain: "Sie ist ein Monsta . . . ." Dann die große Verbeugung unter lautem Applaus, Abgang von der Bühne - und ein noch munteres Publikum. Mehrmals versuchen die Zuhörer die Künstler mit Rufen und Klatschen auf die Bühne zurück zu locken. Dann beginnt jemand zu singen, zunächst nur eine Person, bis immer mehr Leute einstimmen. Am Ende ertönt vom halben Platz: "Hey DJ, mach keine Faxen, bring den Tune zurück!" Doch selbst ihr eigenes Lied vermag die Band nicht mehr zurück auf die Bühne zu holen. Der Einzige, der sich noch hervorlocken lässt, ist der Mann von der Technik, um das DJ-Pult abzubauen.

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