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Coronavirus:Unsichere Urlaubsziele

Wer Italien als Urlaubsziel, wie hier Prospekte im Brucker Reisebüro Enders offerieren, gewählt hat, wird derzeit ins Zögern kommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Viele Menschen im Landkreis suchen wegen der Ausbreitung des Coronavirus Rat bei den Reisebüros

Wohin in den Urlaub, wenn man sich dort mit dem Coronavirus anstecken könnte, die geplante Reise umbuchen oder gleich stornieren? Die Menschen im Landkreis sind in Sorge um ihre Reiseziele und suchen Rat bei denen, bei denen sie immer buchen. Mitarbeiter in Reisebüros berichten von immer mehr Anfragen besorgter Kunden.

"Praktisch alle", sagt Andrea Mayer, Mitarbeiterin des Deutschen Reisebüros in Germering, "fragen nach, was es kosten würde, ihre Reisen zu stornieren." Allein in der vergangenen Woche hätten die Mitarbeiter rund zehn Anrufe oder Mails dieser Art erreicht. Dabei handelte es sich vor allem um Menschen, die demnächst nach Italien, Spanien oder Asien reisen wollten. Bis jetzt sei es allerdings noch zu keiner Umbuchung oder Stornierung gekommen, so Mayer. Für all jene Kunden, die ihre Reise tatsächlich stornieren wollen, gebe es allerdings "keine Kulanz. Es gelten leider die normalen Stornokosten".

Ähnliches erzählt auch Silvia Maier, die Leiterin des kleinen Reisebüros Limmer in Germering: "Es ist eine generelle Verunsicherung zu spüren, die Leute rufen an und möchten vereinzelt auch stornieren." So habe ein Kunde erst vor einigen Tagen seine gebuchte Reise nach Rom bei ihr abgesagt, die für diesen Mittwoch geplant gewesen sei. Hauptsächlich rufen auch in Maiers Reisebüro vor allem jene Kunden an, die in den nächsten zwei bis vier Wochen verreisen wollen. "Es kommt allerdings auch vor, dass Menschen anrufen, die erst im Sommer verreisen", sagt Maier und betont, "dass ich nur für Reisen in näherer Zukunft Auskunft zu Stornierungen geben kann - und selbst das ist schwierig". Als Reisebüro müsse sie sich schließlich an die Vorgaben der Veranstalter halten "und die unterscheiden sich eben von Fall zu Fall, je nachdem wohin die Reise geht und wann sie stattfindet". Bis jetzt gibt es jedenfalls noch keine Reiseverbote mit Ausnahme eines generellen Buchungsstopps für das unter Quarantäne gestellte Hotel auf der spanischen Insel Teneriffa. Von großen Reisebüros wie TUI dringt indes wenig bis gar keine Information nach außen. Die einzige TUI-Filiale aus dem Landkreis, die sich bereit erklärt, Auskunft zu geben, befindet sich in Gröbenzell und betont, dass es in den letzten Tagen nur "wenige Nachfragen" zu anstehenden Italien-Reisen gegeben habe, die befragte Mitarbeiterin selbst hat allerdings keine Stornierung entgegengenommen. "Wir stehen mit den Veranstaltern der Reisen aber stündlich in Verbindung", versichert die Mitarbeiterin und fügt hinzu, dass "grundsätzlich alle Kunden", die ihren Aufenthalt in gesperrten Hotels gebucht hätten wie jenem in Teneriffa, auch die Möglichkeit bekommen würden, in andere Hotels umzubuchen. Ein Anfliegestopp nach Teneriffa habe es bislang jedenfalls nicht gegeben.

Tatsächlich unterscheiden sich die Reiseeinschränkungen je nachdem, bei welchem Reisebüro man anruft und welche Veranstalter für die einzelnen Reisen zuständig sind. So musste das Reisebüro Unholzer in Olching erst vor wenigen Tagen eine Gruppenreise nach Montegrotto in Italien absagen, die für nächste Woche am Sonntag geplant gewesen war. Die rund zwölf Personen, die davon betroffen sind, müssen laut Mitarbeiterin Elena Andreeva allerdings keine Stornokosten zahlen und bekommen die Reisekosten vom Busunternehmen zurückerstattet. Auch einige Airlines bieten ihren Passagieren zur Zeit kostenfreie Stornierungen an. So erzählt Claudia Schüssler, Mitarbeiterin der Hm Touristik GmbH in Puchheim, dass das Büro in den vergangenen Tagen "viele Meldungen" von chinesischen und arabischen Fluglinien wie China Airlines, Emirates oder Cathay Pacific zugeschickt bekommen habe, die den Kunden kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen anbieten würde n.

© SZ vom 27.02.2020
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